Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

14/15 WS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Die Entscheidung in Shanghai ein Austauschsemester zu machen ist wohl eine der besten meines Lebens. Ich habe ein extrem abwechslungsreiches, spannendes und lehrreiches halbes Jahr hinter mir. Jeder der eine gewisse Neugierde für Asien in sich spürt sollte unbedingt versuchen, mindestens ein Semester in dieser pulsierenden Metropole verbringen zu können. China als Land ist ein Phänomen mit guten und schlechten Seiten. Klar jedoch ist, dass sich China so rasant entwickelt das jeder weltoffene Bürger sich früher oder später damit auseinandersetzen sollte. Ausserdem ist Shanghai einfach nur eine geniale Stadt, in der es täglich neues zu entdecken gibt. Es macht viel Spass wenn du merkst wie Du dich langsam in dieser doch so fremden Stadt eingliederst. Wenn im Verlauf des Semesters dein Chinesisch verbesserst und auch im Restaurant langsam aber sicher wieder mit dem Kellner sprichst statt nur auf Bilder zu zeigen (Englisch in China: nicht vorhanden), Streetfood ausprobierst auch wenn der Magen zu Beginn allenfalls zu kämpfen hat oder wenn du das lautstarke hochziehen und ausspucken deiner Mitmenschen mit einem zunicken quittierst.

Vorbereitung

Die Bewerbung ist eigentlich ziemlich detailliert auf den Websites der UZH beschrieben. Genau lesen – Deadlines einhalten und ein sauberes Bewerbungsdossier und dann heisst es abwarten. Ich habe mich für Gesamtuniversitäre- und Fakultätsabkommen beworben und schlussendlich meine zweite Priorität erhalten. Die anschliessenden Schritte sind auch ziemlich gut erklärt. Ein Chinesisch Kurs ist bestimmt von Vorteil, wobei man damit auch erst vor Ort beginnen kann. Ich habe zu Beginn des Semesters ein paar Lektionen bei einer Privatlehrerin gebucht und die Basics des Taxi/Restaurant Chinesisch gelernt was bereits ziemlich hilfreich war.

Ankunft

Da ich bereits in den Sommerferien während einigen Wochen in China arbeitete konnte ich mir frühzeitig ein Zimmer in Shanghai organisieren und musste nicht deswegen früher anreisen. Ich reiste also knapp eine Woche vor Vorlesungsbeginn an. Zu Beginn macht es bestimmt Sinn die Stadt mit ihren Metrolinien und verschiedenen Stadtteilen kennenzulernen und auch einmal an die Universität zu fahren um abzuschätzen wie lange es dann wirklich dauern wird am kommenden Montagmorgen. Es bilden sich in den Wochen vor Semesterstart oft auch einige Facebook Gruppen von Austauschstudenten der Fudan, welche dann alle auch neu in der Stadt sind und sich auf ein Bier zum Kennenlernen oder ähnliches getroffen haben.

Zimmersuche
Wohnen

Da ich bereits einige Zeit in China und unter anderem im Juli für kurze Zeit in Shanghai war, konnte ich mir damals ein Zimmer organisieren und musste so im September erst auf Vorlesungsstart anreisen. Ich habe mein Zimmer in einer WG mit anderen Studenten und Praktikanten über die Plattform Smartshanghai.com gefunden. Dies ist generell sehr simpel. Es ist etwas aussergewöhnlich, dass ich mein Zimmer im Juli bereits für den September reservieren konnte. Normalerweise sind die Zimmer nur kurz online und schnell wieder vergeben. Ich wohne am Souzhou Creek ganz in der Nähe der East Nanjing Road. Eine perfekte Lage und von meinem Dach im 32. Stock hatten wir die beste Aussicht auf Shanghais Skyline weshalb es besonders im Sommer oft der Ort war wo der Abend mit einem Bier startete.

Universität

Die Fudan Universität ist in China eine renommierte Universität. Ich würde den akademischen Level tiefer einschätzen als an der UZH, doch es gibt laufend Hausaufgaben, Mid-Terms Prüfungen und Gruppenprojekte. Dies empfand ich jedoch keineswegs als störend, da ich genau diese interaktive Lehre an der UZH stark vermisse und zudem gerne den Aufwand ein bisschen aufs Semester verteilt habe. Der Lernaufwand auf die Endprüfungen war dann auch dementsprechend tief. Als BWL Bachelor Student wurde ich der Management School unterstellt. Ein Grossteil der Kurse, welche ich zur Auswahl hatte waren von einem Programm, welches die Universität mit zwei Mexikanischen Unis hat. Dies führte dann dazu, dass ich in zwei von vier Vorlesungen etwa 80% Mexikaner hatte, Ay caramba! In meinen Bachelor Kursen hatte es praktisch keine Chinesen, da diese wohl die Englischen Kurse scheuen. - Project Evaluation: Mexikanischer Professor; von DCF über NPV zu IRR aber kaum mehr dazu. Viele Hausaufgaben und nicht sehr spannend und kaum neues gelernt. - International Finance: Mexikanischer Professor; Wechselkurse, Internationale Märkte, Obligationen. Dieser Kurs half mir das Verständnis für Wechselkurse zu verbessern aber insgesamt auch eher oberflächlich - International Market Study: Chinesische Professorin; Dies ist ein Marketingkurs, der sehr empfehlenswert ist. Die Professorin gestaltet die Vorlesung interessant und ungefähr jede zweite Woche kommt ein Gastredner aus der Praxis. Gruppenprojekt als Endnote wobei man im Büro einer Marketing Agentur als Gruppe eine Präsentation hält und die Mitarbeiter als Juroren beurteilen. - Business in Korea: Interessanter Online-Kurs über Korea, wobei der Professor von Korea live gestreamt wird. Sehr simples Fach mit einer Prüfung in der Mitte des Semesters und einem 5 seitigen Paper am Ende.

Leben/Freizeit

Ich hatte in Shanghai wohl die beste Zeit meines Lebens was die Freizeit anbelangt. Da ich meine Vorlesungen an der Universität auf Montag und Dienstag beschränkt habe (und doch 22 ECTS machen konnte) hatte ich viel Zeit für Trips übers Wochenende oder ausgiebig im Shanghaier Nachtleben zu feiern. Es gibt extrem viel zu entdecken in China und man sollte die Zeit unbedingt nutzen um in andere Provinzen in China zu reisen. Besonders gut gefiel mir eine Reise in die Provinz Yunnan, welche in der Nähe des Himalayas liegt und noch einige Orte hat, welche noch nicht vom Massentourismus entdeckt wurden. Des Weiteren empfehle ich jedem das vielseitige Chinesische Essen auszuprobieren. Es gibt eine sehr grosse Vielfalt innerhalb Chinas Küche die entdeckt werden will. Sehr bequem ist, dass man überall und zu jeder Zeit etwas Warmes zu Essen bekommt und das Preis-Leistungsverhältnis von Streetfood einfach unschlagbar ist. Glücklicherweise gibt’s auch unzählige westliche Restaurants, wenn einem wiedermal nach heimischer Küche ist. In Shanghai selbst gibt es so viel zu entdecken, dass ich auch während den 4 Monaten in dieser Stadt nur die absolute Spitze des Eisberges gesehen habe und bereue, nicht noch mehr gesehen zu haben.