Erfahrungsberichte

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Wer

kyburz.remo[at]bluewin.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

14/15 WS

Universität

CN-
Hong Kong - The Hong Kong Polytechnic University

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Der Gesamteindruck von meinem Auslandsemester an der Hong Kong Polytechnic University ist sehr gut. Das Semester von Ende August bis Ende Dezember in Hong Kong ist definitiv das Highlight meines Masterstudiums an der UZH.

 Es war eine sehr spannende und lehrreiche Erfahrung für ein Semester in einer asiatischen Metropole wie Hong Kong zu leben und zu studieren. Hong Kong bildet erwartungsgemäss einen totalen Kontrast zu Zürich und der Schweiz. Mit etwas mehr als sieben Millionen Einwohnern und den vielen Wolkenkratzern auf engstem Raum, ist Hong Kong eine wirkliche Grossstadt, die aber aufgrund der „kleinen „ Fläche doch immer übersichtlich bleibt. Hong Kong ist sehr international und wohl eine der „westlichsten“ asiatischen Städte. Daher hat man mit guten Englischkenntnissen und ein paar Brocken „Cantonese“ nie ein Problem herumzukommen und sich zu verständigen.  Die PolyU liegt auf der Kowloon-Seite von Hong Kong. Daher muss man die MTR, Bus oder Fähre nehmen um zur Hong Kong Island zu kommen. Aber die öffentlichen Verkehrsmittel sind sehr gut und man erreicht die meisten Orte in Hong Kong schnell und effizient. Die Uni ist trotzdem gut gelegen und liegt in einem Gebiet mit vielen Restaurants und nahe an einer zentralen MTR-Station.

Die Uni an sich war qualitativ ok, aber vom Unterrichtsniveau her tiefer als die UZH einzustufen. Trotzdem gibt es einiges zu tun, da sich der Unterrichtsstil sehr zu dem in der Schweiz unterscheidet. Es gibt viele Gruppenarbeiten, Präsentationen, Papers, Midterms etc. daher ist man während dem Semester immer etwas beschäftigt. Trotzdem gibt es auch genug Zeit um die Stadt zu erkunden, das Studentenleben zu geniessen und ab und zu einen Ausflug zu machen.

Ein Auslandsemester ist sicherlich für jeden eine kulturelle sehr spannende Erfahrung da man Leute aus der ganzen Welt kennenlernt und in einer völlig neuen Kultur lebt. Hong Kong ist eine fantastische Stadt in der immer etwas los ist und einem nie langweilig wird.  Daher kann ich ein Semester in Hong Kong nur empfehlen.  

Vorbereitung

Ich habe mich über die Website der Abteilung Internationale Beziehungen und  der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät schon im Vorhinein informiert welche Möglichkeiten es gibt für einen Austausch im Master. Da ich unbedingt nach Asien wollte habe ich mir eine persönliche Präferenzliste erstellt. Ausserdem habe ich auch die beiden Informationsveranstaltungen der Uni besucht. Wobei v.a. die zweite sehr informativ und hilfreich war.

Für die Bewerbung an der UZH habe ich den TOEFL absolviert, die Bewerbungsunterlagen ausgefüllt und Motivationsschreiben geschrieben. Nach der Nominierung mussten noch mehrere Dokumente an die Austauschuniversität geschickt werden. Ausserdem muss das Studentenvisum beantragt werden und man kann sich für das Studentenheim anmelden.

Die Fächerauswahl gestaltet sich etwas schwieriger. Man kann sich online auf http://www.af.polyu.edu.hk/syllabi/listing/1/page:2 schon im Voraus einen Überblick über die Kurse machen. Später bekam ich eine Liste für die Fächerauswahl von der Gastuniversität zugeschickt. Aber die Liste mit den verfügbaren Kursen hat sich leider mehrmals geändert. Zusätzlich sind nicht alle Kurse für die Austauschstudenten verfügbar, was die Planung erschwert (auch im Hinblick auf die Anrechnung an der UZH). Aus diesem Grund hat sich meine Anrechnungsvereinbarung an der UZH mehrmals geändert.
Dabei ist es nicht so einfach Credits zu bekommen in den Bereichen die man wirklich benötigt. Es war speziell schwierig Kurse in den Bereichen B&F und VWL angerechnet zu bekommen, da die WWF praktisch alle verfügbaren Master-Fächer in diesen Bereichen nicht in diesen Bereichen anrechnen lassen wollte. Stattessen wurden mir teilweise andere Fächer von der WWF empfohlen, die ich aber als Austauschstudent gar nicht besuchen durfte… 

Schlussendlich buchte ich 24 Credits wobei 6 in B&F, 6 in BWL und 12 im Wahlbereich angerechnet werden.

Trotzdem, man sollte sich darüber nicht zu viele Sorgen machen. Schlussendlich konnte ich mir doch einen guten Stundenplan zusammenstellen.

Beim ganzen Prozess wurde mir bei Fragen meistens schnell von der PolyU geholfen.

Ankunft

Bei der Ankunft werden einige Austauschstudenten von ihrem Buddy abgeholt, wenn man das vorher arrangiert. Ausserdem gibt es eine offizielle PolyU-Facebookgruppe für jedes Exchangesmester. Dort kann man sich auch schon vorher absprechen und sehen ob evtl. andere Leute auf dem gleichen Flug sind. Ich empfehle mit einem Taxi oder der MTR zum Studentenheim zu fahren.

Falls man im Studentenheim wohnt, sollte man dann dort einchecken und alle Formalitäten erledigen.

Es gab ausserdem eine Einführungsveranstaltung an der Uni wo man andere Austauschstudenten kennenlernt und einige Informationen über die Uni und Hong Kong erhält.

Wie schon erwähnt, werden v.a. am Anfang des Austauschs viele Aktivitäten über die Facebookgruppe organisiert und sollte diese Möglichkeit nutzen um mit anderen Austauschstudenten in Kontakt zu kommen. 

Zimmersuche
Wohnen

Ich habe in den Hung Hom Student Halls gewohnt und würde allen empfehlen im  Studentenwohnheim zu wohnen! Zum einen kann man so eine Menge Geld sparen (privates Wohnen in Hong Kong ist sonst sehr teuer) und es spielt sich ein Grossteil des Studentenlebens im Wohnheim ab.

Ich war zuerst etwas skeptisch wegen dem Wohnen mit einem Mitbewohner, aber abgesehen von kleineren Schwierigkeiten gab es nie Probleme. Ausserdem ist dies sicher mal eine gute Erfahrung, speziell wenn man aus der Schweiz kommt. Man hat die Wahl zwischen einem anderen Austauschstudenten oder einem lokalen Studenten als Mitbewohner. Ich habe mich dabei für einen anderen Austauschstudenten als Mitbewohner entschieden. Falls das Zusammenleben nicht klappt, kann man schlimmstenfalls immer noch wechseln.

Man teilt ein Zimmer mit einem Mitbewohner, sowie das Badzimmer mit 2 weiteren Studenten. Die Zimmer sind ziemlich klein, aber man hat Bett, Schrank, Pult, Kühlschrank etc. zur Verfügung.  Die Student Halls sind ausserdem nur 10 Minuten Fussweg von der Uni entfernt.

Die lokalen Studenten organisieren viele Events in den Halls an denen man auch teilnehmen kann, wenn man will. Man muss sich einfach bewusst sein, dass die Studenten aus China und Hong Kong eher „nachtaktiv“ sind und daher häufig abends v.a. im Common Area einiges los ist.

Die Student Halls haben einen 24h Security Service, Kantine, Waschmaschinen, Fitnesscenter, Swimmingpool, Ping Pong Tische, Computerzimmer etc. die man benutzen kann. 

Universität

Die Uni hat einen für Schweizer Verhältnisse grossen Campus mit vielen Unterrichtsgebäuden, mehrere Kantinen, Cafes, Bibliothek, Sportcenter usw.

Die Qualität des Unterrichts hängt qualitativ stark vom Professor ab und es gibt auch grosse Unterschiede im Wissensniveau der lokalen Studenten. Ich habe Fächer an der „School of Accounting und Finance“ aus zwei verschiedenen Masterprogrammen besucht: „Master of Finance „und „Master of Chinese Business Studies“.

Die Fächer im „Master of Finance“ sind definitiv anspruchsvoller und man behandelt auch schwierige und interessante Themen. Die Professoren halten die Vorlesungen aber häufig sehr eintönig und sprechen 3 Stunden am Stück mit der Unterstützung einer Powerpoint Präsentation. Es findet fast keine Interaktion mit den Studenten statt und Aufgaben werden auch eher selten gelöst.
Die Prüfung bestand dann aber zu 100% aus Rechnungsaufgaben, daher wird erwartet dass man die Aufgaben aus dem Buch zuhause löst. Ich besuchte das Fach „Investments“ und „Quantitative Methods for Finance“ (wobei ich 2. noch abwählte, da es sich stark mit vergangenen Fächern an der UZH gedeckt katte).

Im Master of Chinese Business Studies besuchte ich folgende Fächer: „Key Issues in China Business“, „Chinese Economy and Business Strategies“, „Cross-Cultural Management“. 

Das Niveau in diesem Master empfand ich persönlich als tiefer und viele der lokalen Studenten sind aus Mainland China und besitzen nur mittelmässige Englischkenntnisse. In allen Fächern gab es viele Gruppenarbeiten, Präsentationen und personal Essays. Die Professoren legen hier Wert darauf, dass die internationalen Studenten auf Gruppen mit Chinesischen Studenten aufgeteilt werden. Dies war eine spannende Erfahrung und zeigte auch gut die kulturellen Unterschiede auf. Trotz Schwierigkeiten und verschiedenen Arbeitsweisen war es eine bereichernde Erfahrung.

Die Professoren sind hier viel aktiver und fördern die aktive Mitarbeit. Es werden oft Fragen gestellt und auch verschiedene Medien benutzt.
Inhaltlich würde ich v.a. „Key Issues in China Business“ empfehlen, da man dabei einen sehr guten Überblick über Chinas Vergangenheit erhält und sieht welche Chancen/Schwierigkeiten Firmen heute haben wenn sie in China tätig sein wollen.

Alle Fächer haben eine Anwesenheitspflicht und wie erwähnt gibt es trotz tieferem Niveau als an der UZH viel zu tun während dem Semester. Je nach Fach gibt es neben den Final Exams auch noch Midterms. 

Leben/Freizeit

Hong Kong ist eine fantastische Stadt in der immer etwas läuft. Es gibt unglaublich viele Restaurants im Umfeld des Studentenheims (Hung Hom) oder im nahegelegenen Tsim Sha Tsui Quartier. Die Restaurants reichen in der Preisklasse von billig (ca. 3-4 CHF) bis sehr teuer. Auf der Hong Kong Island Seite gibt es Wan Chai und Lan Kwai Fong welches beides gute Ausgangsviertel sind mit vielen Bars und Clubs. Daneben bietet die Stadt Sehenswürdigkeiten wie verschiedene Tempel, Avenue of Stars, Starferry, Victoria Peak, Pferderennen und mehrere Märkte. Wenn man der Stadt entfliehen möchte ist man schnell an einem der umliegenden Strände oder man geht auf eine Wanderung auf einem der vielen Wanderwege in den Bergen und Hügeln ausserhalb von Hong Kong. Die Temperaturen sind Anfang Semester sehr heiss und bis Ende November noch ziemlich warm. Erst dann wurde es kälter und man benötigte lange Hosen und Jacke. 

Mit etwas Glück und Planung kann man sich einen Stundenplan zusammenstellen, der ein verlängertes Wochenende ermöglicht. Hong Kong ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge nach China und andere asiatische Länder. Airlines wie „Hong Kong Express“, „Hong Kong Airlines“ oder „Cathay Pacific“ (abonniert die Tuesday Fan-Fares) bieten teilweise günstige Flüge an. Ich nutze dieses Angebot und besuchte mit anderen Austauschstudenten mehrere Städte in China und andere Stationen in Asien.

Die Uni bietet auch einige organisierte Ausflüge an. Die meisten Austauschstudenten organisieren aber selber Trips.

Schlussendlich lohnt es sich offen zu sein für Neues und sich auf eine fremde Kultur einzulassen. Hong Kong bietet eine super Gelegenheit um interessante Leute aus der ganzen Welt kennenzulernen und neue Freundschaften zu schliessen.