Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

14/15 WS

Universität

AU-
Sydney - The University of New South Wales

Studienfach

Wirtschaftschemie (8850)

Gesamteindruck

Das Austauschsemester war ein unvergessliches Erlebnis und ist jedem trotz des erheblichen Aufwands zu empfehlen. Man lernt dabei neben einem Land auch viele Leute von überall auf der Welt kennen und bekommt zudem den Einblick in die Unterrichtsmethoden einer anderen Universität. Um das Maximum aus dem Austausch mitzunehmen empfiehlt es sich vor oder besser nach dem Semester noch zu reisen, allenfalls mit den neu gefundenen Freunden.

Vorbereitung

Die erste (und wohl grösste) Hürde ist die Bewerbung für einen Studienplatz. Hier empfiehlt es sich, sich für mehrere Universitäten zu bewerben, allenfalls in verschiedenen Städten. Für Unis in Australien muss man neben den üblichen Unterlagen (Referenzschreiben, Motivationsschreiben, CV, Leistungsausweis) noch ein Sprachdiplom (z. Bsp. TOEFL) vorweisen. Nach der erfolgreichen Bewerbung bei der UZH war noch eine Bewerbung für die UNSW nötig, ich denke dies ist jedoch mehr Formsache. Gleiches gilt für das Studentenvisum, für welches man sich mit einer Bestätigung der Australischen Uni bewerben muss (kostet ca. 500 Franken). Eine OSHC (Overseas Health Insurance) ist Pflicht, ich habe eine von Medibank abgeschlossen (ca. 200 Franken). Ich habe zudem meine Wohnung vorgängig organisiert (siehe Zimmersuche/Wohnen). Dann noch Flug buchen und packen und ab geht’s nach Australien.

Ankunft

Sofern man kurz vor Unibeginn in Sydney ankommt und auf dem Campus lebt, wird man von der Uni abgeholt. Vor Ort erhält man seine Studentenkarte (welche man auch fürs kopieren oder als Wohnungsschlüssel braucht) und ein kleines Welcome Paket (verschiedene Infos). Leider landen die meisten Flüge am Morgen, Wartezeiten sind deshalb nicht zu vermeiden. Da in meinem Zimmer viele Dinge gefehlt haben (siehe unten) bin ich einkaufen gegangen (Ikea ist auch in Australien wohl das günstigste) und habe mein Bankkonto eröffnet (auf dem Campus gibt es eine Commonwealth Bank, vor welcher sich kurz vor dem Semesterstart lange Schlangen bilden, deshalb so früh wie möglich dorthin).

In der Orientation Week gibt es verschiedene Aktivitäten, Campusführungen und viele kostenlose BBQs (Wurst und Toast). Zudem gibt es einen offiziellen Welcome für alles Austauschstudierenden (über 1000 an der UNSW) inklusive Performance von Aborigines.

Zimmersuche
Wohnen

Ich habe auf dem Campus in einer kleinen Wohnung gelebt (University Terraces), welche ich mit einem anderen Austauschstudierenden geteilt habe. Wir hatten je ein eigenes Zimmer und teilten uns ein Bad, einen Balkon und eine Wohnzimmer mit Küche. Die Wohnung war möbliert (inklusive TV, Mikrowelle, Kühlschrank, Tisch in jedem Zimmer, Stühle usw.) doch leider fehlte vieles. Ich musste deshalb für etwa 150 Dollar Kochutensilien, Bettwäsche und weiter kleine Dinge in der IKEA einkaufen.

Das Wohnen auf dem Campus hat viele Vorteile und ist für Studenten aus der Schweiz sicherlich ein gutes Erlebnis. Das Ganze hat aber leider seinen Preis und man kann ausserhalb des Campus deutlich günstigere Wohnungen finden. Wer aber schon bei der Ankunft eine Bleibe haben will und die Mehrkosten nicht scheut, dem sind die Zimmer/Wohnungen auf dem Campus zu empfehlen. Man sollte sich dann aber für eine not-catered Option entscheiden, da dass Essen angeblich nicht gerade gut ist und man sehr strikte Essenszeiten hat. Bewerben für die Wohnungen kann man sich über die Uni Seite.

Universität

Der Campus liegt ca. 5km von Stadtzentrum entfernt. Der nächste Strand ist zu Fuss in weniger als 30 Minuten erreichbar, leider handelt es sich dabei aber nur um einen Badestrand (nichts für Surfer). Auf dem Campus gibt es einen kleinen Supermarkt, viele Essensmöglichkeiten, einen Arzt, eine Bank und vieles mehr. Die grossen Supermärkte sind etwa 10 Minuten entfernt.

Die Unterrichtsmethoden und vor allem Prüfungsmethoden unterscheiden sich stark von denen der UZH. Die meisten Fächer sind in eine Vorlesung und ein Tutorat aufgeteilt, für letzteres (und teilweise auch für die Vorlesungen) gilt eine Anwesenheitspflicht (min. 80%). In beinahe jedem Fach gibt es neben der Prüfung am Ende des Semesters weitere Arbeiten zu erledigen. Meist setzt sich die Endnote aus einer schriftlichen Arbeit, einer oder mehreren Prüfungen, einer Gruppenarbeit (oft Präsentationen) und teilweise einer mündlichen Note zusammen. Die Arbeit ist über das ganze Semester verteilt und die Endprüfung zählt kaum mehr als 40%. Die Prüfungen sind nicht äusserst schwierig, doch exzellente Noten sind aufgrund der weiteren Arbeiten (speziell der schriftlichen Arbeiten) nur mit einem gewissen Aufwand möglich. Die Durchfallquote ist sehr gering und Misserfolge sind mit der zeitgerechten Abgabe aller Arbeiten sehr einfach zu vermeiden. Insgesamt waren die Fächer interessant und interaktiver als an der UZH. Der Arbeitsaufwand während dem Semester ist wohl ein wenig grösser (an der UZH ist dieser ja sehr klein), doch oft hat man schon vor der Schlussprüfung das Fach bestanden.

Leben/Freizeit

Die Lebenskosten in Australien sind vergleichbar mit denen in der Schweiz, Fleisch ist deutlich günstiger, Markenartikel aufgrund der fehlenden Konkurrenz (Stichwort Einkaufstourismus) eher teurer. Alkoholpreise sind nahezu doppelt so hoch, was bei den vielen Homeparties das Budget stark belastet. Wie schon erwähnt ist ein Badestrand in Laufdistanz, für die Surfstrände muss man den Bus nehmen. Mein Favorit war Maroubra, da weniger überlaufen als Bondi und auch direkt zu erreichen. Surfboards können ohne Probleme in den Bus genommen werden. Der öffentliche Verkehr in Sydney hat oft mit Verspätungen zu kämpfen und teilweise fahren volle Busse an der Station vorbei ohne anzuhalten (äusserst mühsam in der Nacht). Unter dem Tag fahren beinahe alle 5 Minuten Busse in die Stadt und auch in der Nacht kommt man ein bis zweimal die Stunde in die Stadt oder von ihr zurück auf den Campus. Leider erhalten international Studenten keine Vergünstigungen.

An Sehenswürdigkeiten und möglichen Aktivitäten fehlt es in Sydney und der Umgebung sicherlich nicht und das Leben nahe am Meer ist auch nicht zu verachten. Der Lifestyle ist relaxt und das Wetter auch im Winter angenehm. In der Nacht kann es aber kalt werden und eine warme Kleider sind zu empfehlen (viele Häuser sind nicht geheizt).

An der Uni gibt es viele Sportclubs und ein Schwimmbad/Fitnesscenter und wie oben erwähnt, sind die Strände einfach zu erreichen. Für Sportfans lohnt sich der Besuch eines AFL Spiels, für mich einen der Besten Stadionsportarten. Das Zentrum des AFL ist in Melbourne (Stadien mit bis zu 100'000 Plätzen), doch Sydney hat mit den Swans eines der besten Teams.

Reisen in Australien ist ziemlich teuer, aber definitiv lohnenswert. Die Distanzen sind aber nicht zu verachten, Inlandflüge können bis zu 5 Stunden dauern. Flugpreise sind vergleichsweise günstig und für kürzere Distanzen ist der Greyhound Bus zu empfehlen. Für eine East Coast Tour hat man mit etwa einem Monat zu rechnen, die Westküste ist weniger überlaufen und meiner Meinung nach schöner, leider aber auch etwas teurer (der Greyhound bedient die Küste nicht, organisierte Touren oder ein Mietauto sind deshalb die einzigen Optionen). Für einen Abstecher ins Red Centre und weitere Teile des Northern Territory (Kakadu Nationalpark) reicht eine längere Woche, allenfalls die Ferien in der Semestermitte oder vor den Prüfungen. Für Leute mit Zeit ist ein Abstecher in umliegende Länder (speziell Neuseeland) zu empfehlen.