Erfahrungsberichte

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Wer

daniela.burki[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

14/15 WS

Universität

CN-
Beijing - Tsinghua University

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Das Erlebnis war einmalig und mein Entscheid, mich für die Tsinghua University in Peking zu bewerben, wurde mit jeder Erfahrung und mit jedem Erlebnis bestätigt. Da der chinesische Markt immer wichtiger wird und ein unglaubliches Potential für multinationale Unternehmen darstellt, konnte ich während meines Semesters in Peking erste Erfahrungen machen und ein Netzwerk aufbauen. Vor allem in den Fächern China Roots Seminar, Consumer Behavior und Business Innovation in an Interconnected World wurde der chinesische Markt und dessen Eigenschaften näher erläutert. Die wissenschaftliche Materie einmal von einem anderen Gesichtspunkt zu erlernen, als diese an der Universität Zürich gelehrt wird, war enorm spannend und bereichernd für mein Studium. Für mich persönlich war es zudem eine wertvolle und einmalige Erfahrung in einem Land zu leben, welches doch sehr verschieden von unserer westlichen Kultur ist. Da ich mich mit wenigen Erwartungen an das alltägliche Leben und den allgemeinen Lebensstandard nach Peking begab, wurde ich positiv überrascht. Alles in allem würde ich jedem ein Semester in Peking an der Tsinghua University empfehlen.

Vorbereitung

Die Vorbereitung; nach dem Bewerbungsverfahren für Peking und der definitiven Zusage; war durch die gute Unterstützung durch Mao (Ms.Yidan Song), der Exchange Koordinatorin der „School of Economics and Management“ der University of Tsinghua, relative einfach und mehrheitlich war alles sehr gut organisiert. Etwas ungewohnt war, dass sich das meiste erst kurz vor dem Semester genau regelte. Die Fächer konnten etwa einen Monat im Voraus über ein Biet-System, in einer ersten Vorrunde über das Internet gebucht werden. Auch die Unterkunft auf dem Campus konnte etwa drei bis vier Wochen vor Semesterbeginn online über ein Tool der Universität gebucht werden. Bei Fragen hatte ich jederzeit die Möglichkeit bei Mao nachzufragen und bekam innert kürzester Zeit eine Antwort. Durch das Buddy-Programm der „School of Economics and Management“ hatte ich vor Ort eine Ansprechperson, welche ich bei Unklarheiten hätte kontaktieren können. Aus all diesen Gründen und mit dem der finanziellen Sicherheit, durch das Stipendium der Zurich Insurance Group, war ich vorab sehr gut informiert und konnte ohne Bedenken mein Austauschsemester in Peking antreten. Leider hatte ich bevor ich nach China ging kaum Zeit mich mit der chinesischen Sprache auseinander zu setzten. Da die wenigsten Leute in Peking Englisch sprechen, wäre dies auf jeden Fall hilfreich gewesen. Jedoch waren alle Mitstudenten enorm hilfsbereit und halfen einem bei Sprachbarrieren jederzeit gerne weiter. Die wichtigste Vorbereitung für mich war schlussendlich, dass ich mich intensiver mit der asiatischen Kultur, im speziellen der chinesischen, vor meiner Bewerbung und Abreise auseinander gesetzt habe und mich versucht habe, so gut wie möglich anzupassen. 

Ankunft

Ich würde jedem empfehlen mindestens 2-3 Wochen vor Semesterbeginn anzureisen. Ich war über diese Zeit enorm froh, um mich etwas einzuleben und vor Ort zu organisieren. Nach der Ankunft muss sich jeder erstmals beim International Office registrieren und anmelden. Wenn man zudem beabsichtigt ausserhalb von China während des Semesters zu Reisen, ist es von Vorteil direkt ein „double entry“ Visa zu beantragen. Dies kann im Visa Office direkt neben dem International Office gemacht werden.

Zimmersuche
Wohnen

Trotz negativen Punkten in den vergangenen Reports anderer Studenten bezüglich den Studentenwohnheimen auf dem Campus wollte ich unbedingt versuchen ein solches Zimmer zu bekommen und mir war es wichtig auf dem Campus zu wohnen. Um sich für ein Zimmer anzumelden, konnten sich die Austauschstudierenden zu einem gewissen Zeitpunkt in ein online Tool einloggen. Dies war in der Schweiz drei Uhr morgens. Da es mir wichtig war, stand ich mitten in der Nacht auf und loggte mich punkt 3 Uhr morgens ein. Da die Nachfrage im vergangenen Semester sehr gross war, waren die Zimmer innert kürzerster Zeit vergeben. Ich hatte jedoch das Glück und bekam ein Einzelzimmer. 

Durch die einzelnen negativen Berichte auf der Homepage der Universität Zürich ging ich mit sehr wenigen Erwartungen bezüglich der Unterkunft nach Peking. Jedoch fand ich die Studentenwohnheime für die Austauschstudierenden sehr geräumig und für chinesische Verhältnisse gut ausgestattet. Nach einem kleinen Ausflug in die IKEA war das Zimmer in Kürze sehr wohnlich eingerichtet. Da die Preise im Vergleich zu der Schweiz sehr tief sind, konnte ich mir vieles Anschaffen (Kühlschrank, extra Matratze, Wasserspender und anderes). Zudem hatte ich auch mein eigenes Badezimmer, was für mich sehr grosser Luxus war. Im Vergleich zu anderen Austauschstudierenden, welche sich für eine Wohngemeinschaft „off Campurs“ entschieden haben, schienen mir dadurch einige Unannehmlichkeiten mit chinesischen Agencies und Landlords erspart geblieben zu sein. Zudem ist es viel günstiger auf dem Campus zu wohnen und die Zimmer werden jeden zweiten Tag gereinigt. Weiter wurde wöchentlich die Bettwäsche gewechselt. Um diesen Standard beneideten mich jene Kommilitonen, welche „off Campus“ eine Wohnung gesucht hatten. 

Universität

Die Tsinghua University gilt als eine der Top Universitäten in China und die School of Economics and Management als eine der besten. Dies wird einem am Einführungstag direkt so vermittelt. Die Universität ist sehr stolz auf ihr Netzwerk und die „School of Economics and Management“ auf ihr Advisory Board, welches viele Namhafte CEOs umfasst.  

Das Angebot an Studentenverbänden und Sportgruppen ist zudem sehr gross. Weiter wurde für die Austausch-Studierenden ein Buddy-Programm organisiert. An einem Einführungstag lernten wir unseren Buddy kennen und weiter wurden wir auch nach Sportarten gefragt, welche wir betreiben. Im Verlauf der ersten Wochen wurden wir dann von den entsprechenden Sportorganisationen angefragt, ob wir gerne an den Trainings mitmachen möchten. Durch die vielen anderen Angebote und Events, welche von der School of Economis and Management organisiert wurden, kam ich mit vielen Austauschstudierenden und auch chinesischen Studenten in Kontakt. Nach bereits 2-3 Wochen kannten sich alle Austauschstudierenden des gleichen Programms untereinander. 

 Belegte Fächer: 

·       China Roots Seminar 1 (Economy & Industry) (1 Credit = 2 ECTS):

Dieses Fach umfasste 4 Lektionen (1 Lektion entspricht 3h 25min inkl. Pausen) über 4 Wochen. Neben der Anwesenheitsplicht beruht die Bewertung der erbrachten Leistung auf einem finalen wissenschaftlichen Paper, welches von jedem Studenten individuell verfasst wurde.

Dieses Fach ist primär für die Austauschstudierenden gedacht, denn der Professor versucht in 4 Lektionen den Studenten aus westlichen Ländern die wirtschaftlichen Zusammenhänge von China näher zu bringen und zu erklären. Mir persönlich brachte dieses Fach sehr viel und es ist inhaltlich sehr spannend ausgestaltet. Mit dem Wissen dieses Fachs ist es einfacher gewisse Gegebenheiten im alttäglichen Leben Chinas besser zu verstehen. Dabei lag der Fokus unter anderem auf der Öffnung Chinas, der Politik und der Organisation der Partei, deren Kultur und der Wichtigkeit von Guanxi und dem Wirtschaftssystem, welches nach wie vor durch viele „State Owned Enterprises“ (SOEs) geprägt ist.

·       Marketing Research (2 Credits = 4 ECTS):

Im Fach Marketing Research wurden uns im Unterricht gängige Research Methoden vermittelt, welche ich jedoch von der Universität Zürich mehrheitlich bereits kannte. Dennoch war der Unterricht etwas mehr praxisorientiert als ich es von Quantitativen Research Fächern der Universität Zürich gewohnt war. Als Hausaufgaben mussten wir uns mit verschiedenen Cases auseinandersetzten und jeweils in der Klasse präsentieren. Das finale Projekt war eine Arbeit als ganze Klasse (ca. 16 Personen), bei welchem wir ein Start-up Unternehmen aus China mit erlernten Marketing Methoden berieten. Wir fungierten in diesem Sinne als ein Berater-Team. Hierbei ist jedoch zu erwähnen, dass die Möglichkeit des Freeriding für gewisse Kommilitonen verlockend war. Dies gestaltete die Gruppenarbeit teils etwas ineffizient. Weiter war auch in diesem Kurs die Anwesenheit und die Partizipation des Unterrichts ein Leistungsparameter.

·       Consumer Behavior (2 Credits = 4 ECTS):

Wie der Kursname bereits sagt, ging es in diesem Kurs um die Theorien bezüglich des Konsumentenverhaltens. Das spannende an diesem Kurs war vor allem der Vergleich der chinesischen mit der westlichen Welt, welcher die Professorin stets auf eine sehr interessante Weise hervor brachte. Die Leistungserbringung in diesem Kurs war neben der Anwesenheit und der Mitarbeit im Unterricht ein finales Paper, eine Case-Analyse inklusive Präsentation und eine kleine Abschlussprüfung. Dieser Kurs war einer meiner präferierten, da zum einen die Professorin sehr engagiert ist und zum anderen da ich die Thematik und die kulturellen Unterschiede bezüglich Marketing sehr spannend finde.

·       R&D Investment and Intellectual Property Management (3 Credits = 6 ETCS):

Dieses Fach war sehr spannend und brachte mir persönlich fachlich einiges. Die Professorin behandelte neben Real Options viele verschiedene Aspekte bezüglich Investitionsentscheiden bei Forschung und Entwicklung und diskutierte auch die Schwierigkeiten, wenn es um das Intellectual Property Right Management geht. Das Fach gab insgesamt 3 Credits und war daher auch das aufwendigste Fach. Neben wöchentlichen, detaillierten Case-Analysen und Präsentationen, musste am Ende des Kurses eine umfangreiche Analyse eines Unternehmens eingereicht werden, welche sich mit der finanziellen Situation, der Investmentseite in Forschung und Entwicklung, der Patentsituation und potentiellen Real Options auseinander setzte.

·       Business Innovation in an Interconnected World (2 Credits = 4 ECTS):

Dieses Fach setzte sich mit aktuellen Trends in der heutigen, vernetzten Welt auseinander. Die Vorbereitung auf die Lektionen geschah durch die Analyse von mindestens zwei Cases, welche als Report eingereicht werden mussten. In den Lektionen diskutierten wir diese Cases dann ausführlich und erarbeiteten im Plenum die verschiedenen Lösungsansätze. Teilweise war dies etwas langatmig, da es bereits Hausaufgabe war, sich im Detail mit den Cases auseinander zu setzen. Neben den Case-Diskussionen waren jede Woche zwei Gruppen mit einer Präsentation zu einer gewählten Unternehmung an der Reihe. Im Fokus waren jeweils die Geschäftsmodelle der unterschiedlichen Unternehmen. Am Ende des Kurses musste noch ein abschliessendes Projekt und einen Report eingereicht werden. Für die Anzahl Credits war dieses Fach eines eher aufwändig. Jedoch würde ich dieses Fach jedem weiter empfehlen wegen der spannenden und aktuellen Thematik.

·       Technology Driven Business Innovation (2 Credits = 4 ETCS):

Dieses Fach war jenes, welches mir persönlich am wenigsten gebracht hat, und ist auch das einzige, welches ich nicht weiter empfehlen würde. Neben der Organisation und Kommunikation waren auch die Vorträge und Präsentationen, welche durch Referenten aus der Praxis von ein und derselben Firma gehalten wurden, eher langweilig. Jede Woche kam eine andere Person aus einer bestimmten Abteilung der entsprechenden Firma und erzählte, teilweise sehr aus dem Kontext und mit nur knapper Einführung, aus ihrem Bereich und ihrer Arbeit. Unter den ganzen Lektionen war eine, welcher ich ohne Probleme folgen konnte, und deren Aufbau der gezeigten Präsentation einigermassen einen roten Faden aufwies. Die Leistungserbringung war neben der Anwesenheitspflicht ein finales Essay oder eine spezifische Aufgabenstellung einer Lektion.

·       Elementary Chinese (nicht anrechenbar):

In diesem Kurs lernten wir grundlegende chinesische Wörter für den alltäglichen Gebrauch. Es wurde keinen grossen Wert auf die Schriftzeichen gelegt und wir bekamen die wichtigsten Begriffe und Wörter in Pinyin beigebracht. Dies war vor allem im Alltag enorm hilfreich und ich würde jedem Austauschstudenten empfehlen, trotz der nicht möglichen Anrechnung, diesen Kurs zu belegen. Über die Sprache und den Unterricht, habe ich zudem weitere interessante Einblicke in die chinesische Kultur erhalten. Die Leistungskontrolle wurde durch eine schriftliche Midterm Prüfung und eine mündliche Präsentation am Ende der Kursperiode erbracht. 

Leben/Freizeit

Auf dem Campus und direkt neben den Wohnheimen sind unterschiedliche Mensen, Sportanlage/Gym, ein kleinerer Supermarkt, Restaurants, ein Café und eine Wäscherei vorhanden. Dadruch gestaltete sich das alltägliche Leben sehr einfach. Mit dem Fahrrad war es zudem sehr gut möglich, sich schnell auf dem Campus fortzubewegen. Ein Fahrrad kann ganz einfach für ca. 200-300 RMB auf oder direkt um den Campus erworben werden.

In der Freizeit trifft man sich meistens mit anderen Austauschstudenten auf dem Campus oder in der näheren Umgebung. In Wudaokou befinden sich zudem viele Studentenbars, Restaurants und KTV (Karaoke Bar). Zu Beginn des Semesters, als noch nicht so viel für die Universität an Aufgaben anstanden, profitierte ich von der freien Zeit, um Peking und seine kulturellen Facetten zu erkunden. Da das Essen und Kochen in der asiatischen Kultur von grosser Bedeutung ist, war dies bereits eines der Highlights. Eines der eindrücklichsten Erlebnisse waren jedoch die Vorträge von Tim Cook und Mark Zuckerberg. Da in diesem Semester das Advisory Board der „School of Economics and Management“ stattfand, ergab sich die einmalige Möglichkeit, solchen Gastvorträgen beizuwohnen.