Bilder zum Bericht

Street Art ist an sehr vielen Orten anzutreffen

Bon appetit!

Aussicht vom Mont Royal

letztes Mal Piknic Electronik im 2014 mit einem wunderschnen Sonnenuntergang und Blick auf die Skyline

Erfahrungsberichte

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Wer

marcel.lauber[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

14/15 WS

Universität

CA-
Montreal - McGill University

Studienfach

Psychologie (7200)

Gesamteindruck

Nach nur vier Monaten kann ich sagen, dass ich mich in der zweitgrössten Stadt von Kanada zu Hause fühle. Das soll nicht poetisch klingen, sondern es ist tatsächlich so. Ich hatte Tränen in den Augen als ich im Bus zum Flughafen fuhr und überlegte mir, welche Jobs ich machen könnte, um länger zu bleiben.

Die Multikulturalität bereichert den Alltag so sehr. Die hochfrequentierte Métro. Die wunderschönen langen Sommer mit unzähligen Festivals, Parties und Konzerten. Die berühmten Herbstfarben, die extrem kalten Temperaturen im Winter, welche die Leute etwas ängstlich stimmt und gleichzeitig miteinander verbindet. Die ersten warmen Frühlingstage, die die Leute aus ihren Häusern auf die Strasse locken und gleichzeitig die Festivalsaision ankünden.

Montréal ist perfekt für deinen Austauschaufenthalt, weil es auf der einen Seite sehr viele (internationale) Studenten hat und auf der anderen Seite weil es eben nicht nur Studenten hat. Somit kannst du von beiden Welten (Leben in einer Studentenstadt & Leben in einer Metropole) profitieren!

Viele junge Leute wohnen in Montréal. Es ist eine dynamische Stadt, die nicht stillsteht, sondern sich weiterentwickelt und etwas bewegen will. Mir hat dieser Spirit gefallen und er hat mich inspiriert.

Vorbereitung

Ich habe alles brav gemacht wie auf der UZH Mobility Webseite dargestellt. So auch auf der McGill Webseite für Incoming Exchange Students. Dort ist alles verständlich aufgelistet. Wer nur für ein Semester geht, braucht keine Study Permit (steht auch auf der Webseite). Als Einsemestler musste ich lediglich ein PDF File ausdrucken (proof of enrollment) und meinen Schweizer Pass dabei haben. Ein Visa brauchte ich für meine Aufenthaltsdauer ebenfalls nicht.

Da ich kein TOEFL oder Cambridge Diplom hatte (und machen wollte), liess ich mein Englisch-Level vom UZH/ETH Sprachzentrum testen. Dies war kostete zwar ebenfalls Geld, kam aber etwas günstiger und hat gut funktioniert.

Ankunft

SWISS bietet Direktflüge, früh buchen lohnt sich!
Vom Flughafen nimmt man den Bus 747 in die Stadt. Dauert +/- 30 Minuten, je nach Verkehr. Vom ersten Busstop aus, Lionel Groulx, hat man guten Métro Anschluss so ziemlich überall hin.

Am Flughafen kann man eine Tageskarte lösen, für drei Tage oder für eine Woche. Zudem gibt es monatliche Abos, die man zu einem späteren Zeitpunkt an der Métrostation Berri-UQAM lösen kann (man muss extra vorbei gehen, in einer riesen Schlange warten, und erhält dann seine persönliche Karte mit Foto, die für jeweils einen Monat validiert werden kann - vergünstigt). Die Monat-Abos lohnen sich v.a. wenn man täglich Bus/Métro fährt und nicht gleich neben dem Campus wohnt und alles zu Fuss macht. 

Zimmersuche
Wohnen

Ich habe während meiner ersten Woche bei einer Couchsurferin gewohnt, die ich zwei Jahren vorher kennengelernt hatte. So konnte ich bei ihr wohnen bis ich ein Zimmer fand. (Couchsurfing kann ich empfehlen, so oder so.)
Das einfachste ist, wenn man Freunde/Bekannte fragt, ob sie einem beherbergen können bis man was gefunden hat. Wenn das nicht klappt, würde ich in ein Hostel gehen bis du was gefunden hast. So haben das einige meiner Freunde gemacht. Wenn du willst, kannst du dich bereits ein paar Tage bevor du ankommst bewerben. Das schadet bestimmt nicht. Unterschreib einfach nichts, bevor du dir vor Ort ein Bild gemacht hast.

Wo findest du ein Zimmer?

- Facebook Gruppen

- McGill (Off-Campus) Housing

- www.kijiji.ca (craigslist gibt's auch noch, finde ich aber weniger übersichtlich)

In verschiedenen Facebookgruppen (z. B. Free & For Sale für McGill Studenten) findest du diverse Zimmereinrichtungsgegenstände. Auf kijiji ebenfalls. Zudem lohnt es sich in der ersten Semesterwoche durch die Strassen zu gehen. Meine Roommates und ich haben unsere beiden Sofas für's Wohnzimmer beide gratis (und sauber) frisch von der Strasse mitgenommen. 

Noch eine Anmerkung: Es ist möglich in einer Student Residency zu wohnen (z.B. Varcity 515). Das ist downtown, grosse Zimmer, Front Desk, Fitness Room, Aufenthaltsraum, Billiardtische, usw. Es gibt da nur Studenten. Kostet etwas mehr als an anderen Orten, dafür hat man all die Extras und ist nah an der Uni.

Ich möchte jedoch anmerken, dass ich froh bin, nicht da gewohnt zu haben. Abseits vom Campus/Downtown bekommst du einfach mehr mit vom Leben in Montréal. Ich empfehle die Quartiere (Lower) Plateau und Mile End.

(Boah.. Ich möchte zurück!)

On a last note - kam mir gerade noch in den Sinn: Es gibt noch Sherpal Apartment Tours, wo du mit einem Minibus verschiedene Apartment besichtigen gehst. Dort habe ich immerhin eine meiner Roommates kennengelernt.

Universität

Die Universität ist wunderschön gelegen! Ich war u. a. in Harvard und der Campus dort hat zwar ein paar imposante Gebäude, aber der McGill Campus ist um Meilen schöner. Mitten in Downtown, vor einem erstrecken sich die Wolkenkratzer, hinter einem geht es den Wald hoch zum Hausberg (-hügel) Mont Royal. Zudem sind einige Gebäude so schön verziert, dass Ähnlichkeiten mit Hogwarts (aus Harry Potter) aufkommen...

Wie schon meine Vorgängerin schreibt gibt es sogenannte Frosh Events (für Erstsemestrige) in der Woche bevor die Uni losgeht. Es werden gefeiert, gespielt und Freundschaften geschlossen. Als Austauschstudent gibt es dafür allerdings auch genügend andere Events, wo die Leute etwas älter sind.

Ich habe einen Französisch Kurs besucht, der mir sehr gefallen hat, besonders wegen dem Lehrer mit seinem sehr krassen Humor. Falls du vorhast, französisch zu lernen, geh zu Monsieur Deslauriers, unbedingt! Für Französisch-Kurse musst du aber noch einen Placement-Test machen. Ich rate dir, den möglichst früh zu absolvieren, dann hast du eine grössere Auswahl der noch freien Kurse.

Meine Psychologie Vorlesungen waren ähnlich gross wie in der Schweiz, allerdings waren die Professoren rhetorisch einiges besser, lebhafter und bunter. Es gab Midterms, wobei das gar nicht mal so schlecht war, denn dadurch fiel mir das Lernen einfacher für die Final Exams. 

Während der Prüfungszeit, zwei Wochen nach der letzten Vorlesungswoche, war die Bibliothek für 24/7 (inkl. einem Café) geöffnet. Das fand ich ziemlich krass. Einmal habe ich dort bis vier Uhr morgens gelernt und ich habe mich gefühlt wie nach einer Nacht im Ausgang in Zürich. Erstaunt hat mich aber vor allem, wie viele Leute immer noch da waren! McGill ist die beste Universität Kanadas. Den Leistungsdruck habe ich gespürt, auch nur schon verglichen mit Studenten von anderen Unis in Montréal. Schon während der ersten Woche war die Bibliothek gefüllt mit Studenten. Damit will ich dir jetzt aber keine Angst einjagen. Ich war am Wochenende vor einer Midterm Prüfung spontan auf einem Roadtrip nach Toronto, Ottawa und den Niagara Falls und habe im Auto gelernt. Und es hat gut gereicht. Halte den Aufwand für die Uni in einem gesunden Bereich, Montréal (und die Umgebung) hat so viel zu bieten!

Leben/Freizeit

In diesem Abschnitt fällt es mir schwer mich kurz zu halten... Ich gebe mein Bestes! Schreibe mir ein Mail oder triff mich persönlich und ich werde dir erzählen so viel wie du willst!

Montréal ist die Stadt mit der höchsten Dichte an Restaurants! Noch nie in meinem Leben habe ich so gut und so vielfältig gegessen wie in Montréal. (Mein Bauch hat begonnen zu kribbeln seit ich den letzten Satz geschrieben habe...) Das vietnamesische Restaruant Hà hat meine Geschmackssinne verwöhnt wie noch kein anderes Restaurant jemals zuvor. Patati Patata, ein kleines Diner an einer Kreuzung, serviert dir einen leckeren Teller Poutine (lokale Spezialität) in dieser einmaligen Atmosphäre. Dort hatte ich mein letztes, emotional geladenes Mittagsessen, bevor ich mich zum Flughafen für den Heimweg aufmachte... Ok, mehr Infos zum Essen gibt's auf Nachfrage.

Unzählige Bars. Überall! Mit so viel Gefühl und Atmosphäre.
Rue St Laurence ist die Haupt-Party-Strasse. Am Tag ist sie auch schön, verziert mit Street Art, wie auch andere Teile des Plateaus. Rue St Denis, Rue Mont Royal: Ebenfalls voll mit coolen Bars. Downtown gibt's auch was, gefiel mir aber weniger gut.

Jazz Bars: Diese Onze (!), Upstairs (downtown), Les Bobards (jeden Dienstag),...Jedes Jahr im Sommer findet das Montréal Jazz Festival statt. Es gibt viele weitere Festivals. Wenn dir Elektronische Musik gefällt, geh unbedingt ans Piknic Electronik! Findet auf der Insel Jean-Drapeau statt, von wo aus du wunderbar den Fluss und Downtown sehen kannst (und den Sonnenuntergang). TAM-TAM ist etwas cooles an schönen Sommer-Sonntagen. Auf mtlblog.com und nightlife.ca (auch über Facebook erreichbar) kannst du dich informieren.

Gehst du gerne Wandern? Dann schreib deine Mail-Adresse auf die MOC (Mcgill Outdoors Club) Mailing Liste. Oder organisiere selber ein Trip und geh Kayak fahren inmitten der farbigen Wälder eine Autofahrtsstunde auswärts von Montréal.

Falls du auf dem Plateau wohnst, kann ich dir Segal's Market, zum Groceries einkaufen, empfehlen. Dort findest du alles zu den günstigsten Preisen in Montréal. Und eine solche Ladenatmosphäre hast du noch nie erlebt, vor allem in der Schweiz nicht.

So, hier höre ich auf. Schreib mir, wenn du mehr wissen willst und lies auch den Bericht meiner Vorgängerin.