Erfahrungsberichte

zur Übersicht

Wer

ymettier[at]gmail.com

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

14/15 WS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University - School of Management

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Mein Auslandssemester in Shanghai und an der Fudan University im Herbst 2014 war sehr bereichernd für mich - in akademischer aber auch persönlicher Hinsicht. Die sehr praxisorientierte School of Management bietet äusserst lehrreiche und spannende Kurse an, welche das Wissen über den chinesischen Markt und dessen Funktionsweise fördern. Das Zusammenarbeiten mit chinesischen Kommilitonen fördert zudem das Verständnis der chinesischen Kultur, was ich enorm schätzte.

Die Stadt Shanghai selbst ist zudem einfach nur faszinierend. Es ist eine lebendige und abwechslungsreiche Stadt, in welcher nie Langeweile aufkommt. Der Kontakt mit der chinesischen Bevölkerung bleibt einem nicht vorenthalten, wobei äusserst spannende und bereichernde Situationen entstehen. Die Konfrontation mit kulturellen Differenzen ist sehr interessant und hat mich in diversen Aspekten persönlich weitergebracht. Es ist jedoch wichtig, dass man sich auf neue Herausforderungen einlässt und gewisse Situationen mit Humor nehmen kann. Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich dieses unvergessliche Auslandsemester ohne zu zögern wieder absolvieren würde. 

Vorbereitung

Der relativ umfassende Anmeldeprozess der Universität Zürich scheint im ersten Moment zwar mühsam, aber zahlt sich auf jeden Fall aus. Nach der Zusage der UZH anfangs Februar musste ich mich etwas gedulden bis ich weitere Informationen von der Fudan University erhalten habe. Ungefähr im April erhielt ich dann detaillierte Informationen, wie sich der Anmeldeprozess im Online Portal der Fudan University gestaltet. Dies ist relativ unkompliziert und einfach. Falls trotzdem Unklarheiten auftreten würden, ist die Ansprechperson der Fudan University, Frau Ivy Zhao, sehr hilfsbereit. Letztlich müssen einige Bewerbungsunterlagen an die Fudan University mittels Briefpost und Email zugestellt werden, welche vergleichbar mit den an die UZH eingereichten Dokumenten sind.

Die Zugangsdaten für das Online Buchungsportal der School of Management wurden ca. Mitte Juli zugestellt. Ein Countdown-Zähler zeigte an, dass die Kurse am 2. August um 3:00 Uhr morgens gebucht werden konnten. Ich kann nur empfehlen, mitten in der Nacht aufzustehen und die gewünschten Module zu buchen, da alle beliebten Module sehr schnell ausgebucht sind.

Vor der Abreise kann man sich ebenfalls für das Buddy Programm der School of Management anmelden, welches ich nur empfehlen kann. Jeder Austauschstudent erhält einen chinesischen Buddy und formt zusammen mit 5 weiteren Buddy-Paaren eine Buddy-Gruppe. Je nachdem wie engagiert man sein möchte, können Events, Trips oder einfach nur ein Abendessen mit anschliessendem Karaoke-Abend organisiert werden.

Ich habe ein Jahr vor dem Auslandssemester die Chinesisch-Sprachkurse des Sprachenzentrums besucht, welche ich wärmstens empfehlen kann. Dank diesen habe ich mich bereits mit der chinesischen Sprache und Kultur auseinandergesetzt und dies erleichterte mir zu Beginn meines Aufenthalts den Alltag. Um diese Kenntnisse zu festigen und zu erweitern, nahm ich Unterricht bei einer Privatlehrerin. Den Kontakt von meiner Chinesisch Lehrerin Betty habe ich von ehemaligen Austauschstudenten erhalten und ich möchte diesen gerne weitergeben. Ihre WeChat ID ist betty0240 und sie offerierte uns Lektionen für 50 RMB pro Stunde. Ich würde auf jeden Fall wieder bei ihr Privatlektionen nehmen.

Ich habe ein einmaliges Einreisevisum vom chinesischen Konsulat in Zürich erhalten. Falls man Hong Kong oder andere asiatische Länder bereisen möchte, ist es empfehlenswert zu versuchen, ein Mehrfach-Einreisevisum zu beantragen. Ich habe in Shanghai ein weiteres Einreisevisum erhalten, musste meinen Pass aber für ca. zwei Wochen abgeben.   

Die PostFinance bietet das Privatkonto Plus an, mit welchem man für 12 Franken pro Monat an allen Geldautomaten weltweit Bargeld ohne Gebühren beziehen kann. Ich habe dieses Angebot genutzt, da viele kleine Restaurants oder Läden nur Bargeld akzeptieren und die Transaktionskosten so sehr tief gehalten werden können. Visa und Mastercard werden in allen grösseren Einkaufsläden jedoch akzeptiert. 

Ankunft

Da ein weiterer Student der UZH ein Auslandssemester an der Fudan School of Management absolvierte, beschlossen wir zusammen nach Shanghai zu reisen und dort gemeinsam eine Wohnung zu suchen. Wir flogen bereits Mitte August ab (das Semester begann ca. Mitte September), um möglichst keinen Zeitdruck bei der Wohnungssuche zu haben. Vom Flughafen Pudong reisten wir dann mit der Maglev ins Zentrum von Shanghai und haben die ersten paar Nächte im Mingtown Nanjing Youth Hostel verbracht, welches direkt an der East Nanjing Road gelegen ist (die Haupteinkaufsmeile von Shanghai). Von diesem zentral gelegenen Hostel begaben wir uns auf Wohnungssuche.

Ich empfehle, bereits vor Ankunft die App „WeChat“ herunterzuladen (es ist das chinesische Pendant zu Whatsapp), da die Kommunikation in China hauptsächlich über diesen Messenger-Dienst stattfindet. Des Weiteren ist die App von SmartShanghai.com (eine der hilfreichsten Internetseite für Ausländer in Shanghai) sehr nützlich.

Am ersten Tag habe ich mir gleich eine chinesische Prepaid SIM Karte von China Unicom gekauft. Ich habe besonders darauf geachtet, dass ich mit ausreichend mobilen Datenvolumen versorgt war. 

Zimmersuche
Wohnen

Bereits vor der Abreise haben wir auf SmartShanghai.com nach Wohnungen gestöbert. Als wir dann ankamen, haben wir einige Agenten, die auf SmartShanghai Wohnungen inserierten, angeschrieben. Es dauert keine Stunde und wir hatten bereits für am gleichen Tag Besichtigungstermine. Nach einigen Besichtigungen sowie einer langen Verhandlung über den Mietpreis (die Chinesen mögen es zu verhandeln) haben wir unsere Wohnung im Huangpu Zhongxin City Compound gefunden. Dieser liegt direkt über der Metrostation Laoximen, welche die Metrolinien 8 und 10 bedient. Diesen Standort kann ich nur empfehlen, da sich Laoximen im Stadtzentrum befindet (zwei Metrostationen vom People’s Square) und weil man mit der Metrolinie 10 innerhalb von 40 Minuten direkt an die Fudan University gelangt. Ich rate davon ab, eine Wohnung zu beziehen, welche nicht an der Linie 10 gelegen ist, da die Laufdistanzen zum Umsteigen an einer Metrostation beträchtlich sind. 

Unsere Wohnung auf dem 21. Stock war sehr modern und westlich eingerichtet. Diese hatte 3 Schlafzimmer, 2 Badzimmer, ein riesiges Wohnzimmer, einen Balkon sowie eine gut ausgestattete Küche und eine Waschküche. Ich möchte hier nochmals anmerken, dass wir eine grosse Auswahl an Wohnungen hatten, da wir sehr früh nach Shanghai reisten und dadurch unsere Verhandlungsposition wesentlich besser war. Ich habe von einigen Mitstudenten gehört, dass sie Schwierigkeiten hatten, eine preislich akzeptable Wohnung zu finden, da sie erst kurz vor Beginn des Semesters anreisten. Preislich sollte man zwischen 3500 – 4500 RMB pro Zimmer rechnen, wenn man eine Wohnung im Stadtzentrum haben möchte. Ausserdem sollte man mit einer Mietzinskaution von ein bis zwei Monatsmieten rechnen, welche man am Ende der Vertragsdauer wieder ausbezahlt bekommt. 

Universität

Ich habe vorwiegend Kurse des International MBA (IMBA) Programmes besucht. Im Gegensatz zur UZH ist das Semester an der School of Management in zwei Quartale aufgeteilt. Das erste Quartal findet von September bis anfangs November und das zweite von Ende November bis anfangs Januar statt. Dazwischen hatten wir zwei Wochen keine Vorlesungen. Im zweiten Quartal hat man zudem die Möglichkeit, Blockvorlesungen (in der Regel vier volle konsekutive Tage) zu besuchen, welche vom Fudan-BI oder Fudan-HKU Programm angeboten werden.

Ich habe die Kurse Asia Business Insights, Chinese Business Practice – Business Model Comparison, Negotiation, E-Commerce Business Model Innovation und New Venture Creation: From Theory to Practice des IMBA Programmes besucht sowie die Blockveranstaltung International Business des Fudan-BI Programmes. Die ersten drei IMBA Module habe ich im ersten Quartal besucht und die letzten zwei IMBA Module im Zweiten. Nachfolgend möchte ich gerne kurz auf die einzelnen Vorlesungen eingehen.

·      Das Modul Asia Business Insight fokussierte sich auf die Analyse von verschiedenen Unternehmensstrategien. Dabei haben wir fünf verschiedene chinesische Unternehmen (unter anderem Huawei) besucht und mussten in Gruppen eines davon detailliert analysieren. Leider fanden alle Unternehmensbesuche in der vorletzten Woche des ersten Quartals statt und die Gruppenpräsentationen in der darauffolgenden. Inhaltlich gesehen war diese Vorlesung sehr spannend und lehrreich, organisatorisch leider aber nicht optimal.

·      Negotiation war eine ausserordentlich lehrreiche Veranstaltung. Wir haben jede Lektion eine Verhandlungssimulation mit anderen Studierenden durchgespielt (die Professorin hat immer geschaut, dass die Austauschstudierenden einen chinesischen Partner hatten). Anschliessend besprachen wir im Plenum die Verhandlung und haben ein Feedback erhalten. Zudem wurden einige Verhandlungstheorien sowie Frameworks vermittelt. Die Leistungsüberprüfung bestand zur Hälfte von Mitarbeit und Präsenz, zu 25% von einer individuellen schriftlichen Arbeit (man musste eine Verhandlung, welche man selber hatte, analysieren) sowie zu 25% aus einer Gruppen-Präsentation (ebenfalls eine Analyse einer vergangen Verhandlung). Diese Vorlesung kann ich auf jeden Fall weiterempfehlen.

·      Die Vorlesung Chinese Business Practice – Business Model Comparison kann ich ebenfalls weiterempfehlen. Der Professor ist ein ehemaliges Geschäftsleitungsmitglied von BP und weist eine enorme Arbeitserfahrung im asiatischen und insbesondere im chinesischen Arbeitsumfeld aus. Wir haben diverse Fallstudien gelöst und Strategien von Unternehmen analysiert, die in den chinesischen Markt eingetreten sind. Der Schwerpunkt der Leistungsüberprüfung war hier ebenfalls die Mitarbeit während dem Unterricht sowie zwei Gruppenpräsentationen (dies waren zugeteilte Fallstudien).

·      Die Veranstaltung E-Commerce Business Model Innovation legte den Schwerpunkt auf die Analyse von Geschäftsmodellen im Online Bereich. Der Professor hat verschiedene schnell wachsende chinesische Unternehmen vorgestellt und anhand von verschiedenen Frameworks evaluiert. Als Leistungsüberprüfung wurde ein Business Plan verlangt, eine kleinere individuelle Arbeit (Analyse des Geschäftsmodelles eines E-Commerce Unternehmens) sowie Mitarbeit während der Vorlesung.

·      New Venture Creation: From Theory to Practice fokussierte sich auf die Gründung eines Start-Ups, sowie deren Herausforderungen und Problemstellungen. Der erfahrene Professor, welcher selbst sein ehemaliges Start-Up an IBM verkaufte und nun ein neues gründete, gestaltete die Vorlesung äusserst interaktiv und lehrreich. Die Vorlesung wurde mit Gastvorträgen von Venture Capitalists und chinesischen Start-Up Gründer abgerundet. Die Leistungsüberprüfung fand in Form von vier individuellen Assignments, zweier Gruppenpräsentationen (eine Präsentation beinhaltete die Analyse eines chinesischen Start-Ups und die andere ein selbst erarbeiteter Business-Plan) sowie von der aktiven Mitarbeit statt. Ich kann dieses Modul  allen empfehlen, die sich für Entrepreneurship interessieren.

·      Die Blockvorlesung International Business fand zwischen den zwei Quartalen statt. Diese vier-tägige Veranstaltung war relativ intensiv, aber durchaus lehrreich. So mussten wir schon vor der Veranstaltung drei kleinere Fallstudien zu internationalen Strategien von Unternehmungen lösen und Präsentationen vorbereiten. Auch nach der Blockvorlesung mussten wir noch Hausaufgaben lösen, was sehr zeitintensiv war. Die Professorin pflegte einen frontalen Unterrichtsstil und konnte so sehr viele Themenfelder abdecken. Die Note setzte sich schlussendlich zu 70% von einer Arbeit zusammen, die nach der Vorlesung verfasst werden musste (zu einer Internationalisierungsstrategie eines Unternehmens sowie Standortevaluationen) sowie der Mitarbeit während der Veranstaltung.

Zusammenfassend kann ich feststellen, dass der Unterrichtsstil im Vergleich zur UZH viel interaktiver und lebendiger ist. Die aktive Mitarbeit der Studenten während der Vorlesung wird gefördert. Zudem wird der Schwerpunkt in den meisten Kursen auf die Praxis gelegt, was sich bereits im Werdegang der Professoren widerspiegelt. Die wenigsten haben einen akademischen Weg verfolgt, sondern haben mehrjährige Erfahrung in verschiedenen Industrien. Ausserdem fand ich es sehr wertvoll, dass wir Unternehmen besichtigten und so hautnah erleben konnten, wie diese operieren. Die Leistungsüberprüfung basiert meistens auf aktive Mitarbeit, Gruppenarbeiten und –präsentationen sowie individueller Arbeiten. Für die meisten angebotenen Kurse erhält man zwei chinesische Punkte was vier ECTS gleichgestellt wird. Ich empfehle zwischen vier und sechs Kurse zu buchen, wobei sechs Kurse problemlos absolviert werden können, da der Arbeitsaufwand im Vergleich zur UZH tiefer ausfällt. 

Leben/Freizeit

Shanghai ist einfach eine beeindruckende Stadt. Man erlebt richtig wie sich diese Stadt im Wandel befindet. Es sind die höchsten Gebäude der Welt zu bestaunen sowie deren Aussichtsplattformen zu geniessen, aber auch traditionelle chinesische Altbauten verzaubern mit ihrem Charme. Überall schiessen neue Hochhäuser aus dem Boden und ständig wandeln sich alte chinesische Quartiere zu hochmodernen Luxusquartieren. Man spürt den wirtschaftlichen Boom förmlich.

Das Metronetz von Shanghai ist riesig und man erreicht die entferntesten Ortschaften damit zu einem absoluten Tiefstpreis (max. 7 RMB pro Fahrt). Taxis sind zu Haufen vorhanden. Man muss jedoch vorsichtig sein, denn sobald die Metro schliesst, werden diese aufgrund der rasant steigenden Nachfrage rar. Dabei empfiehlt sich die App der Unternehmung „Uber“, die mir in manchen Situationen die Wartezeit markant verkürzte.

Die Infrastruktur ist aber nicht nur in Shanghai mobilitätsfördernd. China hat ein eindrucksvolles Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsnetz. Ich habe mehrere umliegende Städte besucht und immer den Zug benutzt, was sehr preiswert und bequem ist. Wichtig ist, dass man für den Ticketkauf den Pass vorzeigen muss. Ich kann besonders Suzhou, Wuxi und Beijing sowie einen Ausflug in die Yellow Mountains empfehlen.

Für mich war die kulinarische Vielfalt ein absolutes Highlight. Die unzähligen Restaurants bieten von der nord-westlichen Küche Chinas bis hin zur Küche Hong Kongs alles an. Falls man wieder ein wenig Heimweh verspürt, offerieren eine Vielzahl von Restaurants westliches Essen (was vergleichsweise zu chinesischem Essen sehr teuer ist). Besonders hat mir der Street Food geschmeckt, welcher meistens erst zu späteren Stunden angeboten wurde. An Bars und Clubs mangelt es in Shanghai auch nicht. Speziell ist hier sicherlich, dass man als Ausländer in praktisch keinem Club Eintritt bezahlen muss.

Allen künftigen Austauschstudierenden möchte ich nahe legen, dass VPN der UZH bereits in der Schweiz zu installieren (auf allen Geräten) und sicherzustellen, dass alles funktioniert. Das Internet in Shanghai und in ganz China ist sehr langsam. Es ist empfehlenswert, die schnellstmögliche Internetverbindung sowie eine „international function“ (welche anscheinend die Ladezeit von internationalen Webseiten verkürzt) installieren zu lassen. Damit sollte das streamen von Youtube-Videos und skypen kein Problem mehr sein.