Erfahrungsberichte

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Wer

manuel.ruedisuehli[at]gmx.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

14/15 WS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University - School of Management

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Ein Semester in Shanghai zu studieren war wohl die beste Entscheidung meines Studiums.

Das äusserst praxisorientierte Studium an der Fudan School of Management ist eine wunderbare Abwechslung und Ergänzung zum theorielastigen Studium an der UZH. Die Vorlesungen sind äusserst interaktiv und an Stelle von Prüfungen werden die Studenten anhand individueller Assignments, Gruppenarbeiten, Präsentationen und Simulationen evaluiert.

Das absolut grösste Plus ist aber die Stadt Shanghai selber. Shanghai ist eine der aktivsten und vielfältigsten Städte der Welt, man fühlt sich regelrecht in der Metropole der Zukunft. Zudem liegt die Stadt geographisch perfekt um China zu bereisen und sich einen weiteren Einblick in den gigantischen ökonomischen Aufschwung des Landes zu verschaffen. Auch die täglichen Interaktionen mit den Chinesen und die dabei hervortretenden kulturellen Unterschiede sind äusserst interessant und persönlich bereichernd. Shanghai ist auch eine absolute Top-Destination für alle Gourmets und Nachtschwärmer. Es ist jeden Tag etwas los, und die meisten Läden und Restaurants haben bis spät in die Nacht geöffnet.

Vorbereitung

Der Anmeldeprozess an der UZH ist relativ langwierig und aufwendig, aber auch absolut die Mühe Wert. Nach der Zusage der UZH Anfang Februar wartete ich bis Mitte April auf weitere Infos aus Shanghai. Ich erhielt eine ausführliche Anleitung wie der Anmeldeprozess abläuft und wie man sich im online Bewerbungstool der Fudan Universität anzumelden hatte. Die Online-Bewerbung ist relativ schnell durchgeführt und falls Probleme auftreten ist die Kontaktperson der School of Management, Ivy Zhao, sehr hilfsbereit. Danach hatte ich  bis Mitte Juni Zeit dieselben Bewerbungsunterlagen wie an der UZH per Email und physischer Post an die School of Managment zu schicken.

Mitte Juli erhielten wir dann Zugang zum Studentenportal der School of Managment um uns mit den verfügbaren Kursen auseinanderzusetzen. Der Buchungszeitraum begann am 2. August um 3 Uhr Morgens Schweizer Zeit. Ich empfehle allen zukünftigen Austauschstudenten ebenfalls aufzustehen und die gewünschten Module innerhalb der ersten paar Minuten zu buchen. Am folgenden Morgen werdet ihr nur noch einzelne unbeliebtere Kurse buchen können.

Ebenfalls im Juli kann man sich für ein Buddy-Programm anmelden, was ich sehr empfehlen kann. Der Aufwand für die Anmeldung ist sehr bescheiden und kann sogar in den Ferien auf dem Smartphone erledigt werden.

Ein Mandarin-Kurs zur Vorbereitung ist eine gute Idee, da die meisten Chinesen kein oder nur schlecht Englisch sprechen. Falls man die Sprachkurse am Sprachenzentrum der UZH belegen will, sollte man bedenken, dass die Basis-Kurse jeweils im Herbstsemester beginnen. Aber auch ohne Vorbereitung kommt man in China schnell voran. Ich habe mir während meines Aufenthalts mit Hilfe einer Chinesischen Privatlehrerin sehr schnell Basiskenntnisse aneignen können und gegen Ende des Jahres bereits den HSK2 Sprachtest absolvieren können. Falls ihr ebenfalls Privatlektionen möchtet: Unsere Chinesischlehrerin Betty ist extrem hilfsbereit und kostet pro Stunde 50 RMB. Ihre WeChat ID ist betty0240.

Ankunft

Bereits in Zürich hatten sich alle UZH-Wirtschaftsstudenten, welche an die Fudan School of Management oder School of Economics gingen, getroffen und ausgetauscht. Im HS14 waren wir 5 Masterstudenten sowie 1 Bachelorstudent. Ich beschloss mit dem einzigen anderen Management-School Studenten der UZH zusammen nach Shanghai zu reisen und zusammen eine Wohnung zu suchen. Wir flogen bereits Mitte August nach Shanghai um möglichst keinen Stress bei der Wohnungssuche zu haben, und vor dem Semesterstart noch ein wenig reisen zu können. Ich kann allen zukünftigen Auslandstudierenden nur wärmsten empfehlen es uns gleichzutun, da ihr es im August noch deutlich einfacher haben werdet gute und preiswerte Wohnungen zu finden. Je näher der Semesterstart rückt, desto mehr Studierende kommen nach Shanghai und suchen nach Wohnungen.

Wir hatten für die ersten 4 Nächte ein Zimmer im Mingtown Nanjing Youth Hostel gebucht, welches ich ebenfalls weiterempfehlen kann. Die Lage und das Preis-Leistungs-Verhältnis sind beinahe unschlagbar für Neuankömmlinge.

Um die Ankunft zu erleichtern empfehle ich bereits in der Schweiz die Messenger-App WeChat runterzuladen. In China funktioniert alles über WeChat, so auch die Wohnungssuche.

Zimmersuche
Wohnen

Vor der Abreise haben wir uns bereits ein wenig schlau gemacht über den Wohnungsmarkt in Shanghai, intensive Vorbereitungen sind aber unnötig. Am besten geeignet für die Wohnungssuche ist unbestritten smartshanghai.com. Am ersten Tag in Shanghai haben wir einzelne Agenten über WeChat angeschrieben nachdem wir ihre Kontaktangaben auf smartshanghai.com bei interessanten Wohnungen gefunden hatten. Innerhalb einer Stunde war bereits ein Besichtigungstermin ausgemacht für denselben Nachmittag. Es gilt zu bedenken, dass die Vermieter höhere Preise für Westler verlangen werden, weshalb es sich durchaus lohnt hart und lange zu verhandeln.

Wir fanden eine westlich eingerichtete Wohnung mit 3 Schlafzimmern und rund 150 Quadratmetern Grundfläche. Das Apartment befindet sich im 21 Stockwerk des Huangpu Zhongxin City Compounds im 5. Turm. Ich kann den Compound wärmstens weiterempfehlen, da die Lage einfach unschlagbar ist. Der Compound liegt direkt über der Metrostation Laoximen welche die wichtigen Linien 8 und 10 bedient. Laoximen ist lediglich 2 Stationen von People’s Square entfernt und sehr nahe der lebhaften French Concession gelegen. Generell würde ich empfehlen möglichst nahe des Stadtzentrums am People’s Square und möglichst nahe der Metro-Linie 10 zu wohnen, welche zur Fudan Universität führt. Denkt daran, dass Transfers zwischen Metro-Linien ein Weilchen dauern, da die Stationen riesig sind. Wir brauchten rund 40min Tür zu Tür, bis wir an der School of Management waren. Preislich zahlten die Austauschstudenten im HS14 je nach Lage und Einrichtung ihrer Wohnungen zwischen 3500 und 4000 RMB pro Monat und Person.

Universität

Wenn ihr an der School of Management studiert, werdet ihr in erster Linie Kurse des international MBA (IMBA) Programms buchen können, welches in Zusammenarbeit mit dem MIT entstanden ist. Die Kommilitonen sind zur Hälfte Chinesische MBA Studenten im zweiten Jahr und zur anderen Hälfte Austauschstudierende. Das Semester ist in zwei Quartale aufgeteilt. Die Vielzahl der IMBA Kurse finden im ersten Quartal statt (September-November). Im zweiten Quartal (November-Januar) haben Austauschstudierende zudem die Möglichkeit MBA Kurse des Fudan-HKU sowie des Fudan-BI Programmes zu buchen. Diese Kurse sind Blockkurse und finden in der Regel in vier aufeinanderfolgenden Tagen statt. Die IMBA Kurse sind hingegen wöchentlich stattfindende Kurse welche entweder 13:30 – 17:00 oder 18:00 – 21:30 stattfinden.

Der Unterrichtsstil an der Fudan School of Management ist sehr unterschiedlich, zum Unterrichtsstil an der UZH. Der Unterricht ist sehr interaktiv, es werden Unternehmen besichtigt, es werden Simulationen durchgeführt oder Präsentationen von Studenten gehalten. Prüfungen gibt es keine, die Evaluation besteht hauptsächlich aus individuellen Arbeiten, Gruppenarbeiten, physischer Präsenz in den Vorlesungen sowie mündliche Beteiligung in den Vorlesungen. Für einen Grossteil der Module erhält man 2 Chinesische Punkte, was 4 ECTS entspricht. Es ist daher empfehlenswert 4 oder 6 Kurse zu buchen, wobei ich 6 Kurse empfehlen würde, da der Arbeitsaufwand gut verkraftbar ist.

Nachfolgend möchte ich meine besuchten Vorlesungen vorstellen und evaluieren um einen Einblick zu geben was euch erwarten dürfte.

Im ersten Quartal besuchte ich die Vorlesungen Negotiation, How to build a successful luxury brand in 7 steps sowie China business insights.

  • In Negotiation wurden jede Stunde Verhandlungssituationen mit anderen Studierenden simuliert, was auch dank der kulturellen Differenzen äusserst interessant war. Die Bewertung bestand zur Hälfte aus Präsenz und Mitarbeit, zu 25% aus einer individuellen rund 5 seitigen Arbeit sowie zu 25% aus einer Gruppen-Präsentation. Die Vorlesung war eine der wertvollsten meines gesamten Studiums weshalb ich sie auch weiterempfehlen möchte.
  • How to build a successful luxury brand in 7 steps würde ich ebenfalls weiterempfehlen. Die Vorlesung ist äusserst unterhaltend, insbesondere wegen der Professorin, welche zu der Zeit eine eigene Hut-Linie entworfen hatte. Es galt in einer Gruppe eine fiktive Luxusmarke aufzubauen, oder eine bestehende Marke zu einer Luxusmarke zu entwickeln. Anhand eines bereitgestellten Frameworks konnte man dann seiner Kreativität freien Lauf lassen und den Chinesischen Luxusmarkt fiktiv erobern. Teilweise wurden anstellen von Vorlesungen auch Exkursionen zu Luxusmarken wie z.B. Luis Vuitton oder Hermes organisiert.
  • Die Vorlesung China business insights wäre thematisch enorm spannend, war aber leider schlecht organisiert. Es galt 5 verschiedene Chinesische Unternehmen zu besichtigen und deren Strategie zu analysieren. Jede Gruppe hatte dabei ein Unternehmen kritisch zu hinterfragen. Leider wurde der Zeitplan der Vorlesung gehörig durcheinandergebracht, wodurch am Ende alle Unternehmen in der zweitletzten Vorlesungswoche des ersten Quartals besichtigt werden mussten. In der darauffolgenden Woche fanden dann bereits die Präsentationen zu den jeweiligen Unternehmen statt.

Im zweiten Quartal besuchte ich die Block-Vorlesung International Business des Fudan-BI Programms sowie die IMBA Vorlesungen E-Commerce Business Model Innovation und New Venture Creation.

  • International Business wird von einer norwegischen Professorin der Norwegian Business School gehalten, und war mehrheitlich eine Frontalvorlesung. Vor der Vorlesung mussten wir in Teams 3 Harvard Cases lösen, was einige Zeit in Anspruch nahm. Auch während dem viertägigen Blockkurs musste am Abend jeweils noch Zeit in Hausaufgaben investiert werden. Die Note besteht schlussendlich zu 70% aus einer individuellen Arbeit nach der Vorlesung, in welcher eine Internationalisierungsstrategie eines Unternehmens analysiert werden muss.
  • E-Commerce Business Model Innovation und New Venture Creation sind zwei sehr ähnliche Vorlesungen. In beiden geht es generell darum Hilfestellung bei einer allfälligen Start-Up Gründung zu geben. New Venture Creation gefiel mir persönlich besser. Der Professor hatte selber ein Start-Up an IBM verkauft und hielt die Vorlesung mit viel Elan und in perfektem Englisch.

Zusätzlich zum Vorlesungsangebot bot die School of Management im September einen dreitägigen Ausflug für Austauschstudierende an. Dabei wurde das Alibaba Hauptquartier in Hangzhou sowie ein Real Estate Developer besichtigt. Auch ein wenig Sightseeing in Ningbo und Hangzhou waren möglich.

Leben/Freizeit

Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. Das Angebot an Freizeitaktivitäten in Shanghai scheint grenzenlos. Shanghai ist eine extrem vielfältige Stadt und ist in stetigen Wandel. Unser Compound in Laoximen befand sich unmittelbar neben traditionellen Chinesischen Quartieren mit engen Gassen und billigen aber köstlichen Strassenküchen. Immer wieder sieht man reihenweise abgerissene Häuserreihen sowie Hochhäuser im Rohbau zwischen den alten Vierteln, was einem den steten und schnellen Wandel der Stadt vor Augen führt. Auch die Infrastruktur in Shanghai sowie allgemein in China ist beeindruckend. So hat Shanghai bereits das grösste U-Bahn Netz der Welt und baut dieses stetig weiter aus. Ebenfalls äusserst beeindruckend sind die zahlreichen erhöhten Autobahnen, welche sich zwischen den Hochhäusern durchschlängeln und die Reisezeiten extrem verkürzen können sofern nicht gerade Rushhour ist. Sehr nützlich und eindrucksvoll ist zudem das Hochgeschwindigkeitsbahnnetz in China. Bei 300km/h lässt es sich sehr bequem und billig in alle grossen Chinesischen Städte reisen. So reiste ich mit dem Hochgeschwindigkeitszug beispielsweise nach Peking, Nanjing, Wuxi und Suzhou. Insgesamt ist Shanghais geographische Lage äusserst gut für Reisen innerhalb Chinas sowie die umliegenden Länder geeignet. Auch Hong Kong, Macau, Taiwan, Japan oder Korea sind innerhalb von maximal zwei bis drei Flugstunden erreichbar.

Es gibt eine grosse internationale Community in Shanghai, was einem besonders in der French Concession bewusst wird, in welcher viele Ausländer wohnen und in den kleinen charmanten Restaurants und Bars ausgehen. Insgesamt ist das Nachtleben extrem vielfältig und an jedem Wochentag ist etwas los. Als Westler kommt man überall in China gratis in Clubs rein, da Westler das Image eines Lokals aufwerten. Hütet euch aber vor den gratis Drinks die man als Westler offeriert bekommt, diese enthalten nämlich Alkohol minderwertiger Qualität und verursachen einen starken Kater am nächsten Tag. Das Essen in Shanghai ist ebenfalls enorm vielfältig. Neben dutzenden verschiedenen Chinesischen Küchen, sind auch die Japanische und Koreanische Küche weit verbreitet. Asiatisches und speziell Chinesisches Essen ist äusserst preiswert. Auf der Strasse isst man für ca. 3 Schweizer Franken, und in sehr guten Chinesischen Restaurants kostet ein grosses Festmahl rund 20 Schweizer Franken. Auch für die Heimweh-Europäer gibt es endlos viele Restaurants aus ihren Heimatländern, für welche man aber schnell mal ein wenig tiefer in die Tasche greifen muss.

Für Studenten die sich neben  dem ganzen Schlemmen und Feiern auch sportlich betätigen wollen kann ich das Physical Gym direkt am People’s Square empfehlen. Das Fitness Center ist super ausgestattet und befindet sich im obersten Stock der Raffles City Mall. Als Student kriegt man dort ordentlich Rabatt, weshalb auch beinahe alle unsere Kommilitonen ebenfalls dort trainieren gingen. Für 5 Monate bezahlte ich 1800 RMB.

Nun noch zu den wenigen Wermutstropfen eines Shanghai-Aufenthalts. Das Internet ist in Shanghai und generell in ganz China äusserst langsam. Versichert euch zudem unbedingt das euer UZH-VPN funktioniert bevor ihr nach China abreist, ansonsten habt ihr keinen Zugang zu Google, Facebook, YouTube oder sogar eurem Email Provider. Ausländische Webseiten werden zudem künstlich verlangsamt, weshalb ich euch dringend empfehlen würde das schnellstmöglich Internet sowie eine sogenannte international function für rund 50 RMB extra pro Monat installieren zu lassen, damit ihr You Tube Video anschauen oder skypen könnt.

Ein weiterer Negativpunkt ist die Luft- und Wasserverschmutzung. Das Hahnenwasser ist nicht zum trinken geeignet, weshalb man das Trinkwasser für zu Hause am besten in Plastikflaschen (4L) kauft. Die Luftverschmutzung ist in China allgegenwärtig, wobei es zu erwähnen gilt, dass Shanghai wohl eine der am wenigsten verschmutzten Städte in China ist, da die Regierung die meisten Fabriken ins Umland verbannt hat. Normalerweise wies Shanghai während meines Aufenthaltes einen PM2.5 AQI zwischen 80 und 180 auf, wohingegen Peking oder Shanghais umliegende Provinzstädte auch öfters mal einen AQI von über 400 aufwiesen. Zur Orientierung – alle Werte unter 50 werden als gut angesehen und Zürich dümpelt normalerweise bei 10 bis 30. Auffallend war der typische smog-cough den ich selber sowie ein Grossteil aller Westler in den ersten Wochen in China hatten. Nach rund einem Monat gewöhnte sich meine Lunge und Nase an die neuen Gegebenheiten und die anfänglichen Symptome verschwanden.

Gerne stehe ich euch für weitere Fragen und Tipps zur Verfügung.