Erfahrungsberichte

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Wer

rafi_grem[at]bluewin.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

14/15 WS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University - School of Economics

Studienfach

Volkswirtschaftslehre (3020)

Gesamteindruck

Mein Austauschsemester in Shanghai war eine ausgezeichnete Erfahrung und ich möchte an dieser Stelle der Zurich Insurance Group für die grosszügige finanzielle Unterstützung danken. Ohne diese wäre ein solches Semester wohl nicht möglich gewesen.

Kurz gefasst: Ich würde das Austauschsemester ohne zu zögern wieder absolvieren. Die besuchten Vorlesungen haben mir einen guten Überblick über die Geschichte, aktuelle Situation und zukünftige Herausforderungen von Chinas Wirtschaft gegeben.  Daneben blieb aber auch genug Zeit um neue Leute und die Stadt kennen zu lernen. Die unzähligen Erfahrungen sind aber teils schwer in Worte zu fassen. Speziell das allgemeine Leben in einer solchen Grossstadt ist unvergesslich.

Vorbereitung

Als Vorbereitung für das Austauschsemester habe ich mich mit den Informationen des International Relations Office der UZH auseinandergesetzt und die geforderten Unterlagen entsprechend eingereicht. Dieses hat dann den Grossteil der Kommunikation mit der Fudan übernommen und mich beim ganzen Prozess sehr gut unterstützt. Dabei musste ich eigentlich nur noch ein Online-Formular der Fudan ausfüllen und einige Formulare unterzeichnet beim International Relations Office vorbeibringen. 

Nachdem die Dokumente der FSE bei der UZH eingetroffen sind, musste ich nur noch das Visum beantragen und die Anrechenbarkeitsvereinbarung einreichen, was problemlos geklappt hat. Auch das ich einen Monat vor dem Studium noch durch China gereist bin war bezüglich des Visums kein Problem. Dieses galt 180 Tage, wobei ich aber nur einmal einreisen durfte. Da ich während des Semesters lieber in China selbst reisen wollte, musste ich keinen Wiedereintritt für das Visum beantragen. Dies klappt aber gemäss Kollegen relativ einfach an der Fudan. 

Ankunft

Die Ankunft in Shanghai klappte problemlos. Da ich bereits in China war, kam ich am der Shanghai Railway Station an, von der ich die Metro in die Stadt nehmen konnte. Wenn man vom Flughafen ankommt, hilft der Wikipedia-Eintrag um die richtige Verbindung zu finden.

Ich habe ein Hostel in der Nähe der East Nanjing Road gebucht und von dort aus nach Wohnungen gesucht. Ein Hostel in der Nähe wo man am Ende selbst wohnen möchte ist dabei empfehlenswert.

Das Studium hat Mitte September begonnen, ich kam aber bereits anfangs September in Shanghai an. Zu diesem Zeitpunkt war die Wohnungssuche noch einfach, es waren genügend Zimmer vorhanden. Von Mitstudenten die später angereist sind, habe ich aber gehört, dass sie eher Probleme hatten etwas zu finden. Ich fand es auch angenehm, die Stadt bereits etwas zu kennen, bevor das Semester dann angefangen hat. 

Zimmersuche
Wohnen

Eine Unterkunft in Shanghai zu finden war nicht schwierig. Nach meiner Ankunft anfangs September habe ich mehrere Agenten kontaktiert, welche mir einige Zimmer gezeigt haben. Deren Kontaktdaten habe ich über www.smartshanghai.com gefunden (die App WeChat ist wie Whatsapp und wird hier am häufigsten verwendet). Auf der Website sind ebenfalls nützliche Tipps zur Wohnungssuche zu finden. 

Die Verträge sind unterschiedlich, ich musste das Zimmer für min. 5 Monate mieten. Da ich aber nicht die ganzen 5 Monate bleiben wollte, musste ich für die übrige Zeit einfach einen Nachmieter finden (ansonsten bezahlt man bis Vertragsende).  Dabei sind jeweils 1-2 Monatsmieten als Kaution fällig. Die Mieten bewegen sich für diesen Teil der Stadt in etwa im Bereich was man in Zürich für WGs bezahlt, vielleicht sogar etwas höher. 

Aufgrund des Rats aus früheren Erfahrungsberichten habe ich ein Zimmer in der Stadt gesucht und eines direkt über der Station Laoximen gefunden. Diese Metro-Station ist sehr empfehlenswert, da sie eine direkte Verbindung zur Fudan hat, man alles was man braucht in 5 Minuten zu Fuss erhält und zudem nahe am Stadtzentrum ist. Eine direkte Metro-Linie zur Fudan ist meiner Meinung nach sehr wichtig, da es in gewissen Metro-Stationen länger dauern kann beim Umsteigen. Ein weiteres grosses Plus war meiner Meinung nach der direkte Anschluss an ein Chinesisches Viertel, wo es sehr billiges aber ausgezeichnetes Essen gab. 

Universität

In Shanghai habe ich Kurse besucht, die sich alle mit unterschiedlichen Aspekten der Chinesischen Wirtschaft befasst haben. Während ein Kurs einen Gesamtüberblick gab, haben sich die anderen auf Foreign Direct Investment, Foreign Trade und Industrial Policy fokussiert. Die Vorlesungen waren generell interessant. Es gab aber auch Überschneidungen, wodurch es manchmal auch etwas repetitiv werden konnte.

Das Niveau der Vorlesungen ist schwer mit dem der UZH zu vergleichen, da das Konzept des Unterrichts anders aufgebaut war. Während wir an der UZH mehr theoretischen Unterricht und Grundlagen zu Modellen gelernt haben, wird an der FSE mehr anhand von Fakten das Funktionieren der Chinesischen Wirtschaft erklärt. Zur Qualität der Vorlesungen lässt sich sagen, dass dieses wie auch an der UZH vom Professor abhängig war. Einige Professoren sprachen gutes Englisch und strukturierten die Vorlesung inhaltlich über das Semester. Bei anderen Professoren musste man  onzentriert zuhören, um diese zu verstehen, und ein roter Faden war teils nur schwer zu finden.  

Die Organisation der FSE liess leider etwas zu wünschen übrig. Zwar war jeweils klar wie die Leistungsprüfung stattfinden würde (entweder eine Prüfung, ein oder mehrere Reports oder eine Präsentation), jedoch wurden Prüfungsdaten erst sehr spät verbindlich mitgeteilt. Dies machte eine Planung für den Rückflug etwas mühsam. Daneben bot die FSE ein Buddy Programm an. Dieses wurde aber leider erst sehr spät im Semester kommuniziert, wodurch gerade die wichtigste Phase am Anfang des Semesters ohne Buddy stattfand.  

Von der Anrechnung her wurden die Punkte der Fudan mal 2 in ECTS umgerechnet. Die meisten Fächer konnte ich mir auch in den Wahlpflicht-Töpfen anrechnen lassen. 

Leben/Freizeit

Das Leben in einer Grossstadt wie Shanghai ist einzigartig. Speziell die Chinesische Küche, welche in Shanghai aus allen Provinzen vertreten ist, hat es mir sehr angetan. Wenn man aber einmal genug davon haben sollte, kann aber auch Essen aus der ganzen Welt einfach gefunden werden. Woran ich mich wohl am besten erinnern werde, sind die Wochenendausflüge aus der Stadt hinaus, beispielsweise auf die Yellow Mountains oder nach Hangzhou. Diese Orte sind unbeschreiblich und beim Kontakt mit den dort anwesenden Chinesen merkt man auch, wie westlich Shanghai vergleichsweise bereits ist. Da ich in der Stadt gelebt habe, habe ich keine der Sport-Angebote der FSE in Anspruch genommen. Jedoch habe ich Squash Courts und eine Kletterhalle regelmässig besucht. Zusätzlich habe ich in einer kleinen Gruppe noch Chinesisch-Unterricht genommen, was ich nur weiterempfehlen kann.

 Zum Schluss noch einige nützliche Tipps:

 - www.smartshanghai.com: Extrem hilfreiche Expat-Website um Wohnungen, Bars, Restaurants etc. zu finden (inkl. Chinesischer Adresse fürs Taxi)

- www.sherpa.com.cn: Obwohl ich meist in Restaurants mit Kollegen ging, gibts doch Tage an denen man sich das Essen gerne günstig liefern lässt. (Nachmittags vor 18 Uhr ist die Lieferung gratis)

- WeChat: Eine Smartphone-App wie Whatsapp, die hier am meisten verbreitet ist

 - Mobiltelefon: Ich habe bei China Unicom eine SIM-Karte bezogen und war zufrieden. Einziger Negativpunkt war, dass egal wann man das Abo/Prepaid eröffnet, man zahlt für den ganzen Monat und am 01. des nächsten Monates muss bereits der nächste Monat bezahlt werden. Wenn man also am 30. des Monats anreist wartet man am besten bis zum nächsten Monat und spart sich eine volle Monatsgebühr. Soweit ich weiss ist China Mobile nicht zu empfehlen, da deren 3G nicht mit europäischen Smartphones kompatibel ist.