Bilder zum Bericht

Hong Kong Skyline (Raum Central) nachts von Kowloon

Upper University Street der HKU

Bildercollage der Demonstranten auf dem Campus der HKU

Sonnenuntergang auf Lantau Island

Dim Sum

Erfahrungsberichte

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Wer

regulaschuler[at]hotmail.com

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

14/15 WS

Universität

CN-
Hong Kong - University of Hong Kong

Studienfach

Englische Sprach- und Literaturwissenschaft (7440)

Gesamteindruck

Insgesamt hat mir Hong Kong so sehr gefallen, dass ich am Ende selbst überrascht war. Hong Kong ist eine Stadt, in welcher ein Austauschsemester zu absolvieren ich nur wärmstens empfehlen kann. Die Vielzahl der Kulturen, welche sich auf kleinstem Raum ballen, verleiht der Stadt ein unverkennbares und einzigartiges internationales Flair, welches sich sowohl kulinarisch als auch in den Gewohnheiten der Menschen äussert. Die Stadt ist interessant, die Menschen - abgesehen von vereinzelten Taxifahrern - äusserst nett und hilfsbereit, das Essen vielfältig und meist ausgezeichnet, aber dennoch preisgünstig, das politische Klima insbesondere in jüngerer Zeit auch für sonst politisch Desinteressierte aufregend. Gleichzeitig ist Hong Kong eine äusserst sichere Stadt, wo man sich meist mit Englisch problemlos verständigen kann. Auch die geographische Lage sprechen für einen Aufenthalt in Hong Kong: Mainland China mit Guangzhou, Beijing und Shanghai, aber auch Taiwan und zahlreiche andere sehenswerte Destinationen im asiatischen Raum sind nur wenige Flugstunden entfernt. Auch die Universität hat einiges zu bieten: zahlreiche Student Societies bieten Abwechslung vom Alltag, eine gute Infrastruktur macht das Studieren angenehm - und dabei sollte nicht vergessen werden, dass die University of Hong Kong nicht nur in Hong Kong selbst, sondern auch in ganz China als eine der prestigeträchtigsten Universitäten angesehen wird. Wer also ein neue Erfahrungen sammeln möchte, sich aber auch gleichzeitig nicht zu weit auf die Äste hinauswagen will und sich obendrein noch einen beeindruckenden Eintrag auf dem Lebenslauf sichern will, liegt mit Hong Kong richtig.

Vorbereitung

Das Bewerbungsverfahren war etwas langwierig, weshalb es sich lohnt, früh genug mit der Vorbereitung zu beginnen. Gewisse Dokumente sollten bereits früh beschafft werden (bspw. TOEFL-Test, Übersetzung und Beglaubigung der Leistungsübersicht etc.). Für die Kursauswahl gibt es offenbar kein zentrales Vorlesungsverzeichnis, sondern die Kurse (zumindest für Faculty of Arts) müssen auf der Homepage der jeweiligen School nachgesehen werden. Da ich Postgraduate (i.e. Masterstudentin) war, gab es für mich in dieser Hinsicht einige Komplikationen, da das Postgraduate-Austauschabkommen offenbar relativ neu ist. Der Vorteil davon, dass ich für jeden Kurs eine explizite Zulassungsbestätigung von der HKU einholen musste, lag darin, dass mir die Kurse dann zu Semesterbeginn so gut wie garantiert waren (was bei weitem nicht selbstverständlich ist).

Für das Bewerbungsverfahren verschickt die HKU eine Informationsmail, in welcher eine detailierte Anleitung gegeben wird, wer welche Dokumente auszufüllen und einzureichen hat. Es lohnt sich daher, vor dem Zusammenstellen der Dokumente das E-Mail und die darin enthaltenen Links genau zu studieren. Die Bewerbungsunterlagen für das Visum sind ebenfalls unter diesem Link abrufbar; sie sind zusammen mit den übrigen Unterlagen an Cedars (Studentenorganisation der HKU) zu senden, welche den Visa application process übernimmt.

Zuletzt lohnt es sich auch noch, sich vor der Abreise auch Gedanken darüber zu machen, ob und welche Unterlagen für das Studium, für allfällige Arbeiten und Nebenfächer benötigt werden. In gewissen Fächern ist die Main Library der HKU nicht optimal ausgerüstet, und es ist daher ratsam, die benötigten Materialien als Scans mitzunehmen.

Ankunft

Die Ankunft in Hong Kong war gut bewältigbar. Vom Terminal kann man direkt in den Airport Express einsteigen, welcher bis Hong Kong Station fährt - dies ist preisgünstiger und schneller als ein Taxi. Eine Alternative dazu bietet der Airport Bus Service, welcher jedoch bei der ersten Ankunft nicht zu empfehlen ist. An der Hong Kong Station nahm ich ein Taxi zu meiner Unterkunft; hierbei ist es ratsam, die Adresse aufzuschreiben und auf einer Karte zu markieren, denn oft verstehen die Taxifahrer die Adresse nicht genau, wissen nicht, wo sie ist, oder kennen nur die Chinesische Anschrift.

In der ersten Woche habe ich mir dann eine OctopusCard gekauft, mit welcher man alle öffentlichen Verkehrsmittel benutzen kann, aber auch viele andere Zwecke hat, z.B. kann man in manchen Geschäften oder auch in den Kantinen auf dem Campus damit bezahlen. Sie ist am Schalter in allen MTR Stationen erhältlich, und muss an den Automaten mit Geld aufgeladen werden. Ebenso habe ich mir eine Prepaid SIM-Karte gekauft, welche in allen 7/11s erhältlich ist. Achtung: Es gibt keine Prepaid Nano-SIM-Karten! Auch wenn die Verkäufer behaupten, es gäbe sie, so erhält man doch immer eine Micro-SIM.

Danach galt es, sich bei der HKU zu registrieren, was auch am besten in den ersten Tagen gemacht wird - insbesondere für Postgraduatestudenten. Die Anmeldung war für mich sehr umständlich, da ich mich nicht wie alle anderen bei Cedars registrieren konnte, sondern speziell zum Faculty of Arts Office gehen musste. Dies führte dazu, dass ich die Student ID erst später als alle anderen bekommen habe; diese ist nötig, um Zutritt zu den Bibliotheken und Arbeitsräumen zu erhalten. Wieder anders als alle anderen konnte ich mich auch nicht für einen Chinesischkurs anmelden, sondern musste speziell von der School of Chinese Erlaubnis einholen, am Kurs teilzunehmen, da normalerweise Postgraduatestudenten nicht zugelassen werden. Aus diesem Grund konnte ich für den Kurs auch keine Credits bekommen. Ebenso musste die Einschreibung auf Moodle (OLAT-ähnliche Lernplattform) durch die Lehrperson vorgenommen werden. Danach verlief jedoch die Kurswahl reibungslos, was leider für die Undergraduatestudenten eher ein Ausnahmefall ist.

 Sodann fand am Freitag vor Vorlesungsbeginn ein Orientierungstag statt, an welche  alle Austauschstudenten teilnahmen. An diesem konnte man sich auch für den Cultural Bazaar anmelden, an welchem man sein Heimatland repräsentiert. Daran teilzunehmen kann ich nur empfehlen, denn dort kann man auch einheimische und andere internationale Studenten kennenlernen (und noch dazu tolle Preise gewinnen). Die Materialien dazu haben wir nicht mitgenommen, sondern von der Swiss Tourism und dem Schweizerischem Konsulat erhalten.

Zimmersuche
Wohnen

Für Undergradstudenten besteht die Möglichkeit, sich für einen Platz in einer Hall zu bewerben. Als PG ist das leider nicht möglich, da für die Bewerbung als PG die Student Identity Number benötigt wird, welche erst eine Woche vor Semesterbeginn mitgeteilt wird; zu diesem Zeitpunkt sind die Halls meist bereits voll belegt, und die Wartelisten lange. Ich musste daher ausswärtig eine Unterkunft suchen, was über diverse Sites und auch über die Facebook-Gruppe der Incoming Exchange Students möglich ist - es gibt immer Leute, die Mitbewohner suchen. Da ich nicht wusste, dass es eine solche Gruppe geben würde und ich mich auch nicht für eine Wohnung verpflichten wollte, die ich niemals gesehen habe, habe ich ein Serviced Apartment (Bad/Dusche, WC, Schreibtisch, Wasserkocher, Stauraum, Aussicht, 5' zu Fuss vom HKU East Gate und von Soho/Lan Kwai Fong; 1' von Sai Ying Pun MTR) bei der YWCA The Building gebucht. Dies war ein wenig teurer als ein Zimmer in einer WG, dafür war die Unterkunft sauber (wöchentliche Reinigung), sicher (keine Gäste nach 23:00), hatte Waschmaschine und Tumbler im Haus, und der Empfang war stets freundlich und äusserst hilfsbereit.

Da die Mieten in Hong Kong allgemein sehr hoch sind (im Vergleich zu den Lebenskosten und Löhnen), ist es möglich, bei der HKU finanzielle Unterstützung zu beantragen.

Universität

Die HKU verfügt über einen sehr grossen und meist auch modernen Campus. Es gibt mehrere Levels (Upper and Lower University Street), was anfangs etwas verwirrend sein kann; es gibt auch viele Coffee Shops, Kantinen, Take-Aways, Brötchenstände, Banken, Studentenshops und Bookstores. Empfehlenswert ist Bijas am Centennial Campus (nahe West Gate), welches Chinesisch-vegetarisches Essen anbietet. Es gibt auch eine grosse Main Library (Main Campus), mit wohl mehr Arbeitsplätzen als Büchern - der physische Bestand ist etwas mager, dafür ist der Online-Bestand grösser als in Zürich (obwohl dies auch nur für bestimmte Fächer gilt - Englisch etwa nicht...). Falls ein spezifisches Thema detailiert bearbeitet werden muss, lohnt es sich daher, die Materialien als Scans mitzunehmen. Zum arbeiten ist die Law Library eher zu empfehlen, da dort die Arbeitsplätze bequemer und moderner ausgestattet sind und über Steckdosen verfügen. Die Ausleihe von Büchern funktioniert über die StudentCard, das Kopieren und Ausdrucken über die OctopusCard.

Die Form der Kurse hat sich in meinen Augen nur wenig von derjeningen an der UZH unterschieden, insbesondere im Fachbereich Englisch - der Unterricht findet an der School of English fast ausschliesslich in Seminaren statt, und der Leistungsnachweis besteht meist aus kürzeren oder längeren Seminararbeiten.

Insgesamt herrschen an der Uni - im Sommer wie auch im Winter - arktische Temperaturen, da beständig gekühlt wird. Es lohnt sich, einen dicken Pullover mitzunehmen.

Die HKU stellt ein Buddy-Programm zur Verfügung, das heisst, dass jede/r AustauschstudentIn automatisch einem/r lokalen StudentIn zugeteilt wird, welche/r für Fragen zur Verfügung stehen sollte. Dieses Programm ist weitgehend nutzlos; nur ein Bruchteil der Austauschstudenten hat jemals von ihrem Buddy gehört, geschweige denn ihn/sie gesehen. Dennoch ist die Situation auch gut ohne Buddy bewältigbar. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass der Kontakt zu einheimischen StudentInnen nur schwer herzustellen war, zumindest mit mangelnden Kantonesischkenntnissen; zwar sind alle meist bereit, auch auf Englisch zu kommunizieren, jedoch sprechen sie unter sich Kantonesisch, was den Anschluss erschwert. Besseren Erfolg hatte ich mit anderen internationalen StudentInnen oder auch solchen von Mainland China.

Transportmässig ist die HKU gut zu Fuss oder mit dem Taxi, aber auch mit vielen Busverbindungen und Green Minibus Services zu erreichen; ab Dezember 2014 sollte auch die MTR-Station direkt beim West Gate der Uni offen sein.

Leben/Freizeit

Die Lebenskosten in Hong Kong sind generell tiefer als in Zürich: Ein Hauptgang in einem Restaurant kostet zwischen 40-140 HKD (5-17CHF); eine Busfahrt je nach Einstiegsort ca. 4-8HKD. Für die MTR kann eine StudentOctopusCard beantragt werden, sodass man nur noch 50% des normalen Preises bezahlen muss. Zum Einkaufen stehen eine Reihe von Malls sowie unzählige kleinere Läden in allen Preiskategorien zur Verfügung.

Ebenso gibt es unzählige Bars und Restaurants - meist in der Nähe von Central, welche sich jedoch im Raum Soho ballen. Hier liegt auch das Ausgangsviertel Lan Kwai Fong, welches auch unter der Woche viele Nachtschwärmer anzieht.

Auch kulturell hat Hong Kong mit vielen Museen und Tempeln viel zu bieten; es empfehlen sich auch die Markets (etwa Ladies' Market oder Temple St. Night Market), welche von Souvenirs über Selfie-Sticks bis Kleidung und Street Food alles zu bieten haben, diverse Wanderrouten (etwa an den Infinity Pool in Lantau oder auf den Victoria Peak, welcher für Faule auch per Peak Tram zu erreichen ist), die Happy Valley Pferderennen und Festivals während den Feiertagen des Chinesischen Kalenders.