Erfahrungsberichte

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Wer

stephanie.moser[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

13/14 SS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University

Studienfach

Volkswirtschaftslehre (3020)

Gesamteindruck

Gesamthaft betrachtet war mein Semester an der Fudan University eine sehr bereichernde Erfahrung und ich würde es jedem anraten, diese Möglichkeit warzunehmen. Für einmal in einem Land zu leben, das kulturell so verschieden zu der Schweiz ist, war einerseits extrem spannend, aber andererseits auch mit viel Geduld und Anstrengung verbunden. Die Mühen und Strapazen haben sich jedoch mehr als gelohnt und es hat mir Spass bereitet, dieses Land von einer local Perspektive kennenzulernen. Des Weiteren ermöglichte mir das Studium einen vertieften Einblick in das chinesische Bildungssystem sowie die wirtschaftliche und politische Situation in China zu erlangen. Für mich als Volkswirtschafts-Studentin sind diese neuen Kenntnisse  sehr wertvoll.

Vorbereitung

Kurz nachdem ich den Bescheid erhalten habe, dass ich für ein Semester an der Fudan University studieren darf, habe ich mich mit den anderen Austauschstudenten aus der Schweiz in Kontakt gesetzt. Es war nett zu wissen, mit wem ich dieses interessante Erlebnis teilen durfte und praktisch, um gegenseitig Informationen auszutauschen. Jedoch gab es von Zuhause aus nicht allzu viel vorzubereiten. Das Visa, das wichtigste überhaupt, erhält man einfach mit dem invitation letter der Fudan University innerhalb einer Woche. Falls zeitlich möglich, würde ich es jedem anraten, einen chinesisch Kurs bereits in der Schweiz zu besuchen. Obwohl Shanghai von vielen als eher westlich bezeichnet wird, kommt man mit Englisch nur sehr schwer durch den Alltag. Deshalb habe ich auch während meinem Aufenhalt jede Woche chinesisch Stunden genommen. Betty, meine Lehrerin, kann ich jedem nur empfehlen! Sie kam jeweils zu uns nach Hause und sie war extrem engagiert (bei Interesse ihre Nummer: +86 134 72430240).

Ankunft

Nach ein paar freien Tagen, um Shanghai zu erkunden und mich einzuleben, besuchte ich den Orientierungstag an der Fudan Universität, an welchem wir alle wichtigen Informationen über das Studium und das Einschreibeverfahren erhalten haben. Die Angaben waren jedoch nicht alle korrekt, weshalb wir schon zu Beginn mit der nicht so genauen und verlässlichen Vorgehensweise wie in der Schweiz Bekanntschaft machen durften. Aber dies war  nur eine von vielen Start-Schwierigkeiten, mit denen ich am Anfang zu kämpfen hatten. So dauert es beispielsweise ganze 3 Stunden um bei China Unicom ein Handy-Abo zu lösen. Dies lag vor allem daran, dass die Chinesen einem gerne etwas verkaufen möchten, was man eigentlich gar nicht will. Daher ist es wichtig sich immer vorab zu informieren und dann darauf zu bestehen, das zu bekommen, was man auch will. Sobald man dies tut, geht alles viel viel einfacher und schneller :) Zudem kann man in den meisten Fällen noch am Preis verhandeln, auch bei Wohnungen! 

Zimmersuche
Wohnen

Die Wohnungssuche ist am einfachsten vor Ort, da die Zimmer/Wohnungen sehr kurzfristig vermietet werden und man sich so ein besser Eindruck verschaffen kann. Am Besten kontaktiert man ein Makler kurz vor der Ankunft und schaut sich regelmässig die SmartShanghai Webseite an. Dort werden so ziemlich alle freien Zimmer/Wohnungen ausgeschrieben. Ich habe mich dafür entschieden, in eine Wohnung im Zentrum von Shanghai zu ziehen. Wichtig ist vor allem, dass die Wohnung in der Nähe einer Metrostation liegt, vorzugsweise von der Metro-Linie 10, welche direkt zu der Universität fährt. Die Strecken zwischen den einzelnen Stationen können sich zu Fuss sehr in die Länge ziehen.

Universität

Während dem Semester habe ich gesamthaft fünf Kurse an der School of Economics besucht: Applied Econometrics, Macroeconomics, Environmental and EnergyEconomics, Monographic Study on Chinese Finance und China’s Reform and OpeningUp. Das Niveau der einzelnen Kurse variierte dabei stark. Die Kurse Applied Econometrics and Macroeconomics behandelten mehrheitlich die Grundkonzepte, die mir schon von der Universität Zürich bekannt waren. Im Gegensatz hierzu wurden in den übrigen Kursen ebenso spezifische Themen im Zusammenhang mit China diskutiert. Dies entsprach mehr meinen Erwartungen und was ich mir von den Fächern aus meinem Austausch erhofft habe. Insgesamt betrachtet schätzte ich besonders den sehr interaktiven Unterricht, was durch die geringere Anzahl an Studenten pro Vorlesung ermöglicht wurde. Als Leistungsnachweis mussten wir in den meisten Fächern Homeworks abgeben, Präsentationen halten und Papers schreiben. Aufgrund dieser etlichen Anforderungen war das Semester am Schluss eher intensiv. Jedoch hatte ich den Eindruck, dass dies schlussendlich mehr an der Quantität und nicht am Schwierigkeitsgrad gelegen hat. Während meinem Semester konnte ich feststellen, dass wir bisher von der Universität Zürich eine sehr gute und fachlich herausfordernde Ausbildung erhalten haben.

Von der School of Economics wurde während dem Semester einen Ausflug an die Shanghai Stock Exchange. Insgesamt vermisste ich jedoch ein grösseres Angebots-Programm spezifisch für internationale Studenten. Dies hätte das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb des Unterrichts enorm gestärkt, da mehrheitlich internationale Studenten den englischsprachigen Master an der School of Economics besuchen.

Leben/Freizeit

Während meiner Zeit in Shanghai war ich stets unterwegs und könnte viele Eindrücke sammeln. Aufgrund der Geschichte und Grösse von Shanghai ist das Angebot an Aktivitäten sehr vielfältig. Während ich unter der Woche tagsüber die meiste Zeit an der Universität verbracht habe, erkundigte ich am Wochenende und abends die Stadt. Es ist sehr hilfreich, die SmartShanghai App zu downloaden. Dort sind so ziemlich all Restaurants, Bar etc registriert und es wird jeweils die Adresse in chinesischen Schriftzeichen angezeigt. Dies ist extrem hilfreich bei Taxifahrten, da die Taxifahrer in der Regel kein Wort Englisch verstehen.

In meiner Freizeit verbrachte ich viel Zeit mit Freunden aus der ganzen Welt. Des Weiteren besuchte ich regelmässig chinesisch Stunden, um mir das Alltagsleben zu vereinfachen und der chinesischen Kultur näher zu kommen. Unsere chinesisch Lehrerin hatte uns in vielen Situationen unterstützt und ein paar Mal zu sich eingeladen, um selbst Dumplings, eine chinesische Spezialität, zu machen. Ebenso unternahm ich einige kleinere Reisen in Städte in der Nähe von Shanghai (Nanjing, Hangzhou). Zudem reiste ich mit Freunden für ein Wochenende in die Yellow Mountains –  um für einmal ein wenig Ruhe vom stressigen und smog-intensiven Grossstadt-Leben zu haben. Diesen Ausflug in die chinesischen Berge würde ich als eines der eindrücklichsten Erlebnisse bezeichnen. 

Von der Fudan Universität erhielt ich zudem einen chinesischen Buddy zugeteilt, welcher selbst noch am Studieren war. Mein Buddy unterstütze mich während dem Semester bei allen aufkommenden Problemen sowie Fragen und wir trafen uns regelmässig zum Lunch. Diese gemeinsame Zeit war für mich sehr interessant und verhalf mir dazu, die Kultur von China noch besser kennenzulernen und zu verstehen.