Erfahrungsberichte

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Wer

basil.odermatt[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

13/14 SS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University

Studienfach

Volkswirtschaftslehre (3020)

Gesamteindruck

Ich habe sechs ausgezeichnete Monate in China verbracht und könnte mir sehr gut vorstellen, das Land schon bald wieder zu besuchen. Ein Semester im Ausland zu verbringen, kann ich jedem absolut empfehlen. Die chinesische Kultur ist zwar gewöhnungsbedürftig, insbesondere die Manieren, aber gerade durch ihre Andersartigkeit äusserst interessant. Ich würde auf jeden Fall wieder eine exotische Destination für mein Austauschsemester wählen. Es hat mir enorm Spass gemacht, Chinesisch zu lernen und die Sprache in Shanghai sowie auf meinen Reisen anzuwenden. China ist landschaftlich und kulturell so vielfältig, daher kann ich nur raten, möglichst viel Zeit zum herumreisen einzuplanen. Die chinesische Mauer in Peking zu besichtigen, ist ein absolutes Muss, die tibetische Kultur und Gastfreundschaft kennen zu lernen, ein unvergessliches Erlebnis.

An der Fudan University habe ich inbesondere die kleinen Klassen schätzen gelernt. In einem Kurs, World Economy and China, mussten wir in Gruppen eine Diskussionsrunde leiten. Mit unserem australischen Professor konnten wir die Beziehungen Chinas mit dem Ausland kritisch beäugen. Die chinesischen Professoren waren mehr darauf bedacht, ihr Land ins gute Licht zu rücken und waren nicht allzu empfänglich für kritische Einwände. Alle meine Kurse hatten einen Bezug zu China, dadurch erhielt ich Einblicke in die chinesische Sichtweise der Wirtschaft und Energiepolitik. Wir mussten in jedem Fach eine Arbeit abgeben, dies ist sicherlich auch ein starker Kontrast zur UZH. Ein bisschen schade ist, dass nur ausländische Studenten in diesem Programm sind, der Austausch mit chinesischen Studierenden ist dadurch nur eingeschränkt möglich.

Vorbereitung

Die Vorbereitung auf mein Austauschsemester bestand aus dem Besuch eines Chinesisch-Kurses am Sprachenzentrum, die Ausarbeitung eines ungefähren Stundenplans und das Lesen einiger Erfahrungsberichte. Ansonsten habe ich das Ganze mehr oder weniger auf mich zukommen lassen und mir vor Ort ein Bild gemacht. Minimale Sprachkenntnisse kann ich wirklich empfehlen, ansonsten ist es von der Person abhängig, wie detailliert die Planung sein soll. Bei mir lief schlussendlich alles reibungslos ab.

Ankunft

Ich bin am Morgen in Pudong gelandet und begab mich dann mit der Metro Richtung Stadtzentrum. Dort habe ich dann in einem Hostel eingecheckt. In der Metro sind alle Ortsnamen auch auf Englisch angeschrieben, daher fällt die Orientierung leicht.

Zimmersuche
Wohnen

Die meisten bisherigen UZH/Fudan-Austauschstudenten haben eine Wohnung im Stadtzentrum gegenüber dem Dormitory bevorzugt. Daher war auch für mich das Studentenwohnheim nie eine echte Option. Dank den Erfahrungsberichten wusste ich, dass die Wohnungssuche nicht allzu schwierig sein sollte. Ich habe mich ganz darauf verlassen und bin ohne jegliche Vorbereitung diesbezüglich in Shanghai gelandet. Die ersten paar Nächte habe ich in einem Hostel in der Nähe von East Nanjing Lu (Linie 2, Flughafen und Linie 10, Fudan) verbracht und mich auf smartshanghai.com nach Shared Apartments erkundigt. Nach wenigen Besichtigungsterminen habe ich mich entschieden, in eine bestehende WG mit zwei Chinesinnen in der Nähe des People's Square zu ziehen. Diese Entscheidung habe ich - obwohl mein Zimmer und der Rest der Wohnung wenig zu bieten hatten - nie bereut. Dank meinen Mitbewohnerinnen kam ich in Kontakt mit lokalen Leuten und fand so beispielsweise auch meine Chinesisch-Lehrerin.

Gemäss Mietvertrag musste ich einen Nachmieter für meine Wohnung finden. Da ich bis kurz vor meinem definitiven Abflug aus Shanghai auf Reisen war, hatte ich keine Zeit mehr, einen neuen Mieter zu finden (im Juli/August verlassen viele Studenten Shanghai und die neuen Austauschstudenten kommen erst im September). Dadurch verlor ich meine Kaution von 1.5 Monatsmieten. Dies würde ich im Nachhinein sicher besser regeln und - falls möglich - ein Zimmer aussuchen, dass keine solche Auflagen hat.

Eine Wohnlage direkt an der Linie 10 wäre wohl etwas komfortabler gewesen, man könnte sich damit gut 15 Minuten Anreise an die Uni sparen und zudem der Rush Hour etwas aus dem Weg gehen. Ansonsten spielt der Standort der Wohnung nicht eine allzu grosse Rolle, mit dem Taxi ist man relativ schnell in den verschiedenen Stadtteilen.

Universität

Ich habe insgesamt vier Kurse besucht, die mir total 20 UZH-Credits eingebracht haben. Die Präsenzzeit ist eher gering und Präsenzpflicht besteht nur teilweise, da man aber fast überall Arbeiten abgeben und Vorträge halten muss, ist der Arbeitsaufwand dennoch nicht zu unterschätzen. Mit diesen vier Kursen war ich gerade ausreichend beschäftigt und hatte genügend Zeit, Shanghai und das restliche China zu erkunden. Empfehlenswert sind sicherlich Kurse mit Bezug zu China, da lernt man einiges dazu. Zudem bevorzuge ich ausländische Professoren, da die Englischkenntnisse der Chinesischen Dozenten meist begrenzt sind und kritische Diskussionen über China nur schwerlich zustande kommen.

Leben/Freizeit

Ein Grossteil meiner Freizeit verbrachte ich mit meinen Mitstudieren. Gemeinsames Mittag- oder Nachtessen war üblich, man konnte sich das Essen im Restaurant ja auch durchaus leisten. Der Ausgang kam sicherlich auch nicht zu kurz (gerade in der Anfangsphase), ist eben ein probates Mittel um Leute kennen zu lernen. Am Wochenende standen häufig Trips in die umliegenden Städte auf dem Programm. Ein Ausflug in die Yellow Mountains kann ich wärmstens empfehlen, die Aussicht ist - bei schönem Wetter - atemberaubend. Zudem ist es in wenigen Stunden von Shanghai aus erreichbar und man entkommt - wenigstens für einige Tage - der verpesteten Luft der Grossstadt. Richtig China entdeckt habe ich aber erst nach Ende des Semesters. Auf meinen Reisen durch Yunnan und Sichuan sowie Tibet und Nepal habe ich einmalige Eindrücke und Erfahrungen sammeln dürfen. Dazwischen habe ich noch einen Trip nach Taiwan eingestreut.

Ansonsten hatte ich zwei Mal pro Woche Chinesisch-Unterricht bei meiner Nachbarin. So erzielte ich einige Fortschritte in dieser Sprache, insbesondere der Aussprache, und konnte mich auch super über Chinesische Traditionen und Umgangsformen unterhalten. Meine Mitbewohnerinnen und ich wurden von ihr auch regelmässig am Sonntagabend zum Nachtessen eingeladen.