Erfahrungsberichte

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Wer

seline.keller[at]hotmail.com

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

14/15 SS

Universität

DE-BERLIN01
Berlin - Freie Universität Berlin

Studienfach

Ethnologie (7721)

Gesamteindruck

Der Gesamteindruck meines Austauschsemesters - wie könnte es auch anders sein - ist natürlich super. Ich habe viele tolle Erfahrungen gemacht, Leute kennengelernt, die Stadt Berlin erkundet und aber auch bezüglich meines Studiums viel gelernt. Es hat sich also voll und ganz gelohnt und ich würde wirklich jedem ans Herz legen, einen SEMP-Austausch zu machen - egal ob jetzt in Berlin oder anderswo.

Die Stadt Berlin habe ich aus persönlichen Gründen gewählt. Meine Maturareise hat mich vor ein paar Jahren für eine Woche nach Berlin geführt und ich habe mich in diese Stadt verliebt. Gerade im Sommer ist sie unglaublich lebendig und es gibt so viel zu sehen. Ich habe ein wenig gezögert, weil der Nachteil natürlich ist, dass man keine neue Sprache lernen kann (ausser die schöne deutsche Aussprache zu verbessern). Schlussendlich muss ich aber sagen, dass es die richtige Entscheidung war, weil ich nur einen einsemestrigen Austausch machen wollte. Um eine neue Sprache zu lernen reicht ein Semester einfach nicht aus. So konnte ich mich aber sehr schnell in Berlin einleben und hatte auch im Studium keine Probleme bzw. konnte frei zwischen allen angebotenen Lehrveranstaltungen wählen.

Vorbereitung

Die Vorbereitung war eigentlich ziemlich unkompliziert. Man meldet sich ja schon recht früh bei der SEMP-Koordinationsstelle des eigenen Instituts an (in meinem Fall ein Jahr vorher). Auf die weiteren wichtigen Schritte seitens der Gast-Universität wurde ich dann hingewiesen. Ich musste mich dort immatrikulieren, mein Nebenfach wählen und einen Zugang zum Portal Distributed Campus der Freien Universität Berlin einrichten. Das ist eine Art Webseite, auf der alle Fragen rund um ein Austauschsemester an der FU Berlin beantwortet werden. Es gibt wunderbar übersichtliche To Do-Lists und wenn man sich das alles genau durchliest sollten die meisten Fragen beantwortet werden.

Einige Wochen vor meiner Abreise habe ich mir dann das Vorlesungsverzeichnis durchgeschaut und Kurse rausgesucht, die mich interessieren. Kurz vor der Abreise habe ich mit der Koordinatorin meines Instituts das Learning Agreement erstellt und unterzeichnet. Als kleiner Tipp: Vereinbart diesen Termin nicht zu spät. Ich habe das wirklich erst in der letzten Woche vor Abreise gemacht. Da meine Koordinatorin noch kurzfristig einen Termin verschoben hat, wurde das am Ende ziemlich knapp. Also zur Sicherheit besser 2-3 Wochen vor der Abreise erledigen.

 Was natürlich auch noch zur Vorbereitung gehörte war die Unterkunft und die Anreise. Ich bin mit dem Nachtzug nach Berlin gereist. Das würde ich sofort weiterempfehlen. Das ist günstig (bei früher Buchung nur 30-40 CHF), unkompliziert und der Koffer muss nicht auf die Wage ;-)

Ankunft

Die Ankunft war sehr unspektakulär. Ich bin morgens um 7 am Hauptbahnhof angekommen und dann direkt mit meinem ganzen Gepäck zum Studentenwohnheim gereist.

Ich war zwei Wochen vor Semesterbeginn schon in Berlin und konnte so alles wichtige noch erledigen. Es gab Informationsveranstaltungen und Orientierungstage der FU, die ich allen zukünftigen Austauschstudenten ans Herz lege. Das war zwar manchmal ein wenig langweilig, aber man konnte dann grad alles auf einmal erledigen (Online-Account erstellen, definitiv immatrikulieren, Semesterticket anfordern etc.). Zudem hatte ich so auch noch ein wenig  Zeit, mich in der Stadt einzuleben, bevor die Uni anfing.

Zimmersuche
Wohnen

Eigentlich hatte ich geplant, mir ein WG-Zimmer in Berlin zu suchen. Das hat sich aber ein wenig schwieriger herausgestellt, als ich zuerst dachte und ich hatte im Dezember/Januar auch sonst gerade viel zu tun. Deshalb habe ich mich dann im letzten Moment doch noch für ein Zimmer im Studentenwohnheim Halbauer Weg angemeldet.

Die FU hat ein bestimmtes Kontingent an Wohnheimplätzen für Austauschstudierende reserviert. Dazu bekommt man einige Monate vor Semesterbeginn eine E-Mail mit dem Link zur Anmeldungsseite.

Das Leben im Studentenwohnheim hat viele Vorteile. Einerseits habe ich mir so die ganze Mühe erspart, mir ein WG-Zimmer zu suchen (was wie erwähnt nicht ganz einfach ist). Ich musste wirklich nur auf der Webseite meine Daten eintragen und die Kaution überweisen - fertig. Das war also um einiges unkomplizierter als die sonstige Wohnungssuche. Ein weiteres Plus des Studentenwohnheims sind die Mietkosten. Diese sind wirklich sehr tief (ca. 220 Euro) und es bleibt so mehr Geld für die Freizeit übrig :-) Im Wohnheim leben hauptsächlich Studenten aus dem Ausland (sowohl für einen kurzen Austausch als auch für mehrere Jahre), deshalb sind interkulturell interessierte Leute da sicher an der richtigen Adresse.

Allerdings gibt es auch ein paar Nachteile: Mit der Sauberkeit ist das in Studentenwohnheimen so eine Sache (vor allem in der Küche). Da sollte man schon ein wenig unkompliziert sein, sonst kann das schwierig werden. Ausserdem lag mein Studentenwohnheim ziemlich weit weg vom Zentrum Berlins in Lankwitz (ca. 40 Minuten bis Alexanderplatz oder 30 Minuten bis Friedrichstrasse). Es ist zwar schön ruhig da, aber wer gerne nach dem Ausgang in wenigen Minuten zu Hause ist, der sollte besser nicht in dieses Studentenwohnheim ziehen. Ein weitere Nachteil ist, dass man mit Deutschen Studenten fast nicht in Kontakt kommt. Dies wäre in einer WG sicher einfacher.

Universität

An der Freien Universität Berlin hat es mir sehr gefallen. Gerade das Institut für Sozial- und Kulturanthropologie war sehr toll und auch die meisten Lehrveranstaltungen habe ich in sehr positiver Erinnerung.

Der Campus liegt etwas ausserhalb von Berlin, in Dahlem. Das ist eine etwas reichere Wohngegend mit vielen schönen Häusern und Pärken. Die Uni ist sehr weitläufig verteilt und wenn man zu Fuss unterwegs ist, braucht man vom einen zum anderen Seminarraum schon mal 20 Minuten. Es gibt aber wunderbar viel Grünfläche überall, wo man sich in einer Mittagspause hinsetzen kann.

Es gibt mehrere Mensen an der FU, die seeeeeehr günstiges Essen anbieten (zwischen 1 und 3 Euro pro Teller). Es gibt auch eine Veggie-Mensa, die ich sehr empfehlen kann. Sie ist etwas kleiner als die Mensa im Hauptgebäude und das Essen schmeckt für Mensa-Verhältnisse ziemlich gut.  Dazu gibt es in der ganzen Uni verteilt auch verschiedene Cafes, die oft von Studierenden betrieben werden.

Die Abteilung für Austauschstudierende habe ich in sehr guter Erinnerung. Sie gaben sich viel Mühe, den Aufenthalt für die Austauschstudierenden angenehm zu gestalten und alle Informationen übersichtlich bereitzustellen. Es gab auch viele Ausflüge, für die man sich anmelden konnte (davon habe ich persönlich allerdings nicht so viel Gebrauch gemacht).

Leben/Freizeit

Ich würde jedem empfehlen, sich für Unisport-Kurse anzumelden. Ich habe einen Sportkurs (Jokeiba, war super toll!!) auf dem Tempelhofer Feld besucht. Abgesehen davon, dass man so die in Berlin angelegten Extra-Kilos wieder abtrainieren kann, lernt man auch noch Leute kennen. Für mich war das eine super Möglichkeit, auch mit Deutschen in Kontakt zu kommen. Wir fuhren am Ende des Semesters sogar zu einem Turnier, das war eines meiner besten Erlebnisse!

Ausserdem: Kauft euch ein Fahrrad! Bei vielen Fahrradhändlern gibt es Gebrauchträder zu kaufen, die einigermassen erschwinglich sind. Ausserdem kann man das Rad ja am Ende des Austauschsemesters wieder weiterverkaufen. Man erlebt die Stadt einfach aus einer ganz anderen Perspektive, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist.