Erfahrungsberichte

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Wer

t.maduz[at]gmx.ch

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

14/15 WS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Humanmedizin (4000)

Gesamteindruck

Obwohl ein Auslandsaufenthalt mit einigem Stress und einem gewissen Aufwand verbunden ist, lohnt es sich auf jeden Fall ein Austauschsemester zu machen! Nicht nur um eine neue Stadt zu erleben, sondern auch um ein anderes Ausbildungssystem kennen zu lernen, einen neuen Freundeskreis aufzubauen, sich menschlich weiter zu entwickeln und selbstständiger zu werden, lohnt es sich ein Semester in einem anderen Land zu machen. Ein Erasmus Semester ist auch eine ideale Abwechslung, wenn man mal keine Lust mehr auf das Alltagsleben in der Schweiz hat und einen Tapetenwechsel braucht.

Berlin bietet sich als eine tolle Destination an. Im Vergleich zu den Städten in der Schweiz ist Berlin viel grösser, aufregender und abwechslungsreicher.

Insgesamt bin ich sehr froh, dass ich dieses Semester in Berlin verbracht habe.   

Vorbereitung

Zuerst war ich mir nicht sicher, ob ich mich überhaupt für ein Austauschsemester anmelden sollte. Der Aufwand erschien mir zu gross und den ganzen Stress wie ein Erstsemester an einer neuen Uni zu beginnen, wollte ich auch nicht haben. Dazu kam, dass ich die Prüfung in Zürich schreiben musste, was nochmals mehr Aufwand und somit ein Argument dagegen war.

Nichtsdestotrotz habe ich mich angemeldet, da dies eine einmalige Gelegenheit war relativ einfach ein Austauschsemester zu organisieren. Deshalb habe ich mich auf der Webseite der Uni Zürich erkundigt, anschliessend die Unterlagen ausgefüllt und der zuständigen Person zugeschickt.

Gut zu wissen ist, dass die Erasmus Studenten früher zu den Studenten aus dem Regelstudiengang eingeteilt wurden und nun seit dem WiSe 14 mit den Studenten aus dem Modellstudiengang zusammen die Kurse besuchen. Da Frau Dupuis selber nicht viel darüber wusste und ich auf der Webseite keine befriedigenden Informationen zum Semesteraufbau fand, wollte ich mir darüber nicht den Kopf zerbrechen und habe dann vor Ort alles nachgeguckt.

Daher habe ich mich vor dem Aufenthalt primär um eine Wohnung in Berlin gekümmert.

Ankunft

Ich bin zwei Wochen vor Semesterbeginn mit dem Flugzeug in Berlin angekommen und konnte die Zeit gut nutzen, um mich einzurichten und um mich um die organisatorischen Dinge wie Bankkonto, Wohnbescheinigung, Semesterticket, Mail-Adresse der Charité, Termin beim Betriebsarzt, Fahrrad, etc. zu kümmern.

Eine Woche vor Semesterbeginn wurde eine Informationsveranstaltung angeboten, zu der ich rate hinzugehen, da man hier die ersten wirklich wichtigen Informationen bekommt und bei dieser Gelegenheit auch andere Erasmus Studenten kennenlernen kann.

Ich hatte mich noch im Vorhinein für ein Erasmusbuddy-Programm angemeldet, wo ich einem Berliner Studenten zugeteilt wurde, der mir Berlin gezeigt und mich seinen Freunden vorgestellt hat. So konnte ich bereits die ersten tollen Kontakte knüpfen.  

Zimmersuche
Wohnen

Berlin wird immer beliebter und zieht die Menschen aus dem Land und aus anderen Städten an, weshalb es auch immer schwieriger wird, eine günstige Wohnung zu finden. Kümmert euch deshalb früh darum!

Zuerst erhielt ich von der Universität Berlin eine Mail, in der stand, dass Berliner Studenten, die selber ein Austauschsemester machen, ihr Zimmer zur Zwischenmiete anbieten würden.

Das Angebot war wirklich toll, da man günstig und schnell zu einer tollen Wohnung kommen konnte. Leider hatte es bei mir nicht geklappt und ich musste eine andere Möglichkeit finden, ein Zimmer zu bekommen. 

Danach habe ich auf wg-gesucht.de und auf studenten-wg.de nach einem möblierten Zimmer gesucht. Ich habe etliche Mails geschrieben und viele Stunden im Internet verbracht, aber kaum eine Antwort bekommen.

Schlussendlich habe ich selber ein Inserat erstellt, da man so am einfachsten Angebote für ein WG-Zimmer, das einem auch wirklich entspricht, bekommt.

Um meine Wunschwohnung zu bekommen, war ich im September noch vor Ort und habe persönlich die Wohnungen angeschaut, damit ich ausschliessen konnte, dass es sich um einen Reinfall handelt und damit ich auch die Mitbewohner (oder den Vermieter) kennenlernen konnte.

Schlussendlich habe ich mich für eine 1-Zimmer-Wohnung entschieden, da sie sehr gut gelegen und einigermassen bezahlbar war.

Universität

Ich habe folgende vier Blöcke besucht: Modul 30 (Neurologie), Modul 31 (Psychiatrie), Modul 32 (Wahlpflichtmodul), Modul 33 (Gynäkologie).

Jedes Modul dauerte 3 bis 4 Wochen. Im Vergleich zu Zürich, wo ausser dienstags jeden Tag Vorlesungen statt finden, fanden in Berlin die Kurse oft unregelmässig und immer wieder an anderen Orten statt. Es werden weniger Vorlesungen angeboten, dafür bestehen die Kurse mehrheitlich aus Seminaren (=Vorlesungen in kleinen Gruppen), SPU/PNU (=Unterricht im Krankenhaus), PWA (=Praktikum, aber werden meistens wie Seminare gehalten), POL (kennt man aus Zürich, aber in Berlin ist es ein bisschen anders gestaltet), KIT (=Unterricht, wie man mit Patienten umgehen soll inkl. mit Schauspielpatienten).

Grösstenteils fanden die Kurse auf den folgenden drei Campus statt: Charité Benjamin Franklin (in Steglitz), Charité Mitte (in Mitte) und Charité Virchow Klinikum (in Wedding).

Zusätzlich habe ich mich für die freiwilligen Tutorien angemeldet, die vom Lernzentrum der Charité angeboten werden, da ich überhaupt nicht auf der gleichen Höhe wie meine Berliner Kommilitonen war. Es werden Tutorien in ganz unterschiedlichen Gebieten wie Neurostatus, Nahtkurs, Geburtshilfe, HNO-Untersuchung und viele weitere angeboten, die kostenlos den Charitéstudenten zur Verfügung stehen. Ich kann also diese Tutorien nur empfehlen.

Noch gut zu wissen ist, dass die Studenten aus dem Modellstudiengang bereits ab dem 1. Semester Unterricht im Krankenhaus haben und daher bereits wissen wie eine neurologische Untersuchung durchgeführt werden muss und waren folglich meistens auch souverän darin. Zusätzlich müssen die Studenten in Berlin Famulaturen (=Vorstufe vom PJ-Jahr) in den Semesterferien absolvieren, weshalb sie doch einiges besser in der Klinik waren als ich. Deshalb: Lasst euch nicht allzu sehr davon beeindrucken und entmutigen!   

Leben/Freizeit

Das Leben in Berlin ist wirklich toll. Es ist um einiges günstiger und das Angebot vielfältiger als vergleichsweise in Zürich. Sei es in einem gemütlichen Café zu sitzen, ein Basketball in der O2-Arena oder ein Fussballspiel im Olympiastadtion zu gucken oder Museen und Konzerte zu besuchen, Berlin hat einiges zu bieten!

Zum Glück hatte ich einige Wochen Zeit Berlin im milden Herbst zu erleben, was wirklich ausserordentlich schön war. Denn kurz danach kam auch schon der Winter mit eisigem, windigem und grauem Wetter, was weniger toll war. Nimmt unbedingt eure dicken Winterklamotten mit!

Trotzdem war es immer schön Berlin zu erleben!