Erfahrungsberichte

zur Übersicht

Wer

dorianbellwald[at]hotmail.com

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

14/15 WS

Universität

BE-LIEGE01
Liège - Université de Liège

Studienfach

Psychologie (7200)

Gesamteindruck

Liège Herbstsemester 2014/2015 

Es war ein tolles Erasmus-Semester, welches leider viel zu schnell vorbeiging. Ich habe sowohl auf akademischer wie auch auf kultureller/menschlicher/sprachlicher Ebene viele neuen Erfahrungen gesammelt. Die Erasmus-Studenten wurden von der Universität Liège sehr gut aufgenommen und in das Alltagsleben der Universität eingeführt. Bei Problemen waren immer Ansprechpartner vorhanden.

Vorbereitung

Die Vorbereitungen waren durch relativ viel Organisation verbunden. Einerseits mussten für die Universität zahlreiche Unterschriften, Formulare gesammelt, Stundenpläne zusammengestellt werden. Zum anderen mussten auch persönliche Dinge geregelt werden (WG-Zimmer vermieten, Neues Zimmer in Belgien suchen, Versicherungen abklären, Natelabo abschalten, etc.). Ich habe dafür viel Zeit investiert, war aber dafür für das Austauschsemester gut vorbereitet.

Ankunft

Bei meiner Ankunft in Belgien wurde ich von der Familie gut aufgenommen. Die Ankunft für die Erasmus-Studenten in Liège war wirklich sehr gut und professionell organisiert (verschiedene Welcome Events, Uniführung, Stadtführung, etc.). Ich konnte zu Beginn Erasmus-Leute kennenlernen, mit welchen ich während des ganzen Semesters Dinge unternahm. Ich hatte am Anfang auch einen leichten 'Kulturschock', der aber schnell verflog. Belgien (Wallonie) ist ein anderes Land, die Busse sind zu spät, es gab jede Woche Streiks (wegen der neuen Regierung) usw. Die Leute waren im Allgemeinen sehr freundlich und hilfsbereit. Ich musste am Anfang auch einiges organisieren (Anmelden bei der Stadt, Bussabo, LA-unterschreiben, Stundenpläne überprüfen und anpassen, mich bei den Professoren als Erasmus-Student vorstellen, etc.). Am Anfang habe ich nur Erasmus-Leute kennengelernt und noch keine Kontakte mit Einheimischen Leuten knüpfen können.  

Zimmersuche
Wohnen

Die Zimmersuche habe ich etwa 2 Monate vor meinem Aufenthalt organisiert. Ich wollte sicher sein, dass ich bei meiner Ankunft und für meinen Aufenthalt 'versorgt' bin. Auf der Uni-Seite von der Université de Liège waren verschiedene Plattformen für die Wohnungssuche aufgeführt. Dort habe ich auf 6 Inserate geantwortet und von den meisten eine Antwort bekommen. Mit einer Person habe ich dann geskyped und das Zimmer bekommen. Es war ein grossräumiges Zimmer bei einer Familie im Zentrum von Liège. Ich habe einen Mietvertrag verlangt, bekommen und unterschrieben. Ich habe keine Kaution hinterlegt (bei den meisten ist dies nötig und normal). Ich habe monatsweise einbezahlt. Viele Erasmus-Leute, die ich kennengelernt habe, haben erst nach ihrer Ankunft ein Zimmer gesucht und gefunden. Manche sind auch zwei Wochen früher angereist, um ein Zimmer zu suchen. In Liège ist dies möglich, da sehr viele Zimmer frei sind. In anderen Städten sei dies unmöglich, habe ich gehört.

Universität

Die Université de Liège ist gut organisiert. Ich habe mit Bezug auf die Organisation zur UZH keine wesentlichen Unterschiede gemerkt. Fast alle Institute sind auf einem einzigen grossen Campus gelegen, so auch das Institut für Psychologie. Ein Bus, der Morgens und Abends rappelvoll ist,  fährt zur Uni hoch (etwa 40 Minuten Fahrzeit bei grossem Verkehr von Stadtzentrum entfernt).

Erasmusstudenten der Psychologie konnten praktisch alle angebotenen Master-Kurse (aus Neuropsychologie, klinischer Psychologie, Sozialpsychologie,…) auswählen. Viele Kurse waren Vorlesungen und ich hatte am Schluss in allen Vorlesungen Prüfungen zu schreiben (auch mit offenen Fragen, keine MC-Fragen). Dies war ein grosser Unterschied zur UZH, wo wir in den Neuropsychologie-Seminaren lediglich einen kleinen Vortrag pro Seminar machen mussten und das Seminar sowieso bestand. Ich empfand die Seminare/Vorlesungen in Liège strenger als in Zürich, schulischer organisiert. Die regulär eingeschriebenen Studenten aus Liège hatten einen relativ strengen Stundenplan. Bei Fragen konnte man immer Studenten ansprechen oder die Frage direkt dem Professor stellen. Die Professoren waren sehr hilfsbereit.

Leben/Freizeit

Das Kennlernen von einheimischen Studenten war zu Beginn recht schwierig. Viele der Studenten kannten sich aus früheren Seminaren/Vorlesungen. Daher habe ich mich entschieden, aktiv auf Leute zuzugehen und versuchte irgendwie mit denen ins Gespräch zu kommen. Bei vielen hat sich nichts ergeben. Mit einem Student hatte ich Glück und es wurde ein guter Freund. Mit seiner 'Clique' haben wir jede Woche etwas unternommen. Aber ich denke, man muss wirklich aktiv auf die Leute zugehen. Ganz von alleine wird es schwierig mit Einheimischen Kontakte zu knüpfen.

Liège, ist leider keine besonders schöne Stadt, aber sie bietet doch einiges an Kultur an. Es gibt viele Ausstellungen (einige hab ich besucht), einige gute Bars, Kinos, usw. Mit knapp 200'000 Einwohnern ist diese Stadt doch relativ klein, aber es gibt immer was zu unternehmen. Das Leben ist im Allgemeinen billiger als in der Schweiz. Das Bier allerdings, und davon gibt es jede Menge in Belgien, ist gleich teuer :-) Es gibt viele Supermärkte, Imbissbuden usw., man verhungert also nicht.

Ich konnte mir glücklicherweise meinen Stundenplan so zurechtlegen, dass ich ein verlängertes Wochenende hatte. Damit konnte ich auch in andere Städte Belgiens reisen und das Land etwas kennen lernen und das habe ich sehr geschätzt. Belgien ist ein sehr kleines Land (etwa so wie die Schweiz) und daher sehr gut zu bereisen. Zudem ist Liège sehr nahe von Deutschland (Köln, Aachen), Holland (Maastricht), Luxembourg, Bruxelles, Paris, London, etc. Man ist wirklich mitten in Europa, was sehr praktisch ist.