Erfahrungsberichte

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Wer

andrea.keller2[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

14/15 SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Geschichte (Allgemeine) (7600)

Gesamteindruck

Mein Austauschsemesters werte ich in allen Aspekten als sehr positiv. Die Vorbereitungen hielten sich für mich ziemlich in Grenzen, die weltoffene Stadt Berlin hat kulturell für alle Richtungen sehr viel zu bieten, die Humboldt Universität mit ihren nicht-zürcherischen Lehrstilen hat mir eine perfekte Ergänzung zur UZH gegeben und mich weiter motiviert und das Leben in meiner WG mit meinen Mitbewohnern genoss ich in vollen Zügen.

Vorbereitung

Meine Vorbereitungen für das Austauschsemester fielen nicht allzu aufwändig aus. Natürlich beinhalteten sie die Bewerbung zu schreiben, eine Wohnung zu suchen, Lehrveranstaltungen an der Gastuniversität herauszusuchen und mit den Koordinatoren zu besprechen und die Learning agreements (ich studierte Geschichte und Slawistik) unterzeichnen zu lassen. In Berlin musste ich ausserdem einige meiner Lehrveranstaltungen noch wechseln. Dies war jedoch ziemlich unproblematisch, da sowohl Berlin als auch Zürich schnell reagierten und meine Wahl unterstützten. Ein Visum brauchte ich nicht, da ich zwischendurch ein Wochenende im Ausland war.  Ansonsten braucht man als Schweizer eine Aufenthaltsbewilligung für Schweizer. Bei deren Beantragung hilft einem jedoch auch ein studentischer Verein der Humboldt Universität.

Ankunft

Zu wenige Informationsveranstaltungen und soziale Anlässe gab es bestimmt nicht. Neben allen wichtigen Informationen, die man während den Veranstaltungen erhielt und zu Hause auch noch in Dossiers nachlesen konnte, dienten die Anlässe dem Kennenlernen der anderen Austauschstudierenden. Ausserdem stellten sich viele studentische Organisationen vor, händigten einem ein Programm ihrer nächsten Events aus und machten auf alle ihre Austauschstudenten-Services aufmerksam. Diese reichten von Buddies bis zu Visumshilfen, Bibliothekseinführungen, Stammtisch und Theaterunterricht - man fühlte sich in allen Bereichen vollkommen aufgehoben.

Zimmersuche
Wohnen

Die Humboldt Universität stellte ihren ausländischen Studierenden Plätze in ihren Wohnheimen zur Verfügung. Diese sind jedoch nicht, wie erwartet, verhältnismässig günstig, sondern entsprechen preislich WG-Zimmern, die etwas über dem Mittel liegen. Das Wohnheim in Adlershof, welches dieses Jahr angepriesen wurde, liegt ca. 3/4 Stunden von der Universität entfernt. Auf Ratschlag einiger meiner berliner Freunde entschloss ich mich, ein WG-Zimmer zu suchen. Persönliche Kontakte sind auch in Berlin für eine WG-Suche sehr hilfreich, man kann aber auch via Internet fündig werden. Eine gute Internetadresse hierfür ist www.wg-gesucht.de. Auf dieser Seite kann man, was ich sehr empfehlen würde, die Kategorie keine Zweck-WG auswählen. WGs, die sich selbst so charakterisieren, legen meist grossen Wert auf ein gemeinsames Leben, was die Integration viel einfacher macht. Nach ca. 20 Bewerbungen hatte auch ich Glück auf dieser Seite und mir wurde nach einem skype-Interview ein WG-Zimmer in Berlins Mitte angeboten. Dieses schloss ich sofort ins Herz und ich genoss das Leben dort sehr :)

Universität

Ich studierte an der Humoldt Universität sowohl Geschichte, als auch Slawistik. Da diese zwei Studienrichtungen Teile unterschiedlicher Fakultäten sind, unterschied sich die Betreuung und die Handhabung von beispielsweise learning agreements sehr stark.

Im Fach Geschichte konnte ich alles studieren, was ich wollte und die ECTS-Anrechnung war überhaupt kein Problem. An einem Informationsanlass für alle Geschichts-Austauschstudierende wurde man über alles Nötige informiert, die Ansprechpersonen wurden einem vorgestellt und in Dreiergruppen erhielte man eine Geschichtsstudentin/einen Geschichtsstudenten zugeordnet, der als eine Art Freund im Studium diente. So fühlte man sich gleich zu Beginn sehr gut aufgehoben. Was ich ausserdem sehr schätzte war, dass die Hilfskraft der Koordinatorin alle Austauschstudierenden mit Namen kannte und einem das Gefühl vermittelte, wirklich für alle Anliegen da zu sein. Traf man sie in der Bibliothek, wurde auch ab und an gemeinam Kaffee getrunken.

 Bei der Koordinatorin und ihren Hilfskräften der Philosophischen Fakultät 2, an welcher ich Slawistik studierte, fühlte ich mich mehr Teil einer grossen Masse. Dies ist auch verständlich, da sie jedes Jahr viel mehr Austauschstudierende zu betreuen haben. Was vielen Austauschstudierenden etwas Probleme machte, war der Aufbau des Studiums in Module, die oft 10 ECTS gaben. Ein Modul bestand aus beispielsweise zwei Seminaren, einer Übung und einer Seminararbeit. Wollte ich mir 6 Punkte in Zürich anrechnen lassen, für was ich normalerweise ein Seminar besuche und eine Arbeit schreibe, musste ich mit einem deutlichen Mehraufwand rechnen.

Das Studium genoss ich in vollen Zügen. Im Fach Slawistik waren wir oft nur ziemlich wenige Studierende, von was ist stark profitierte. Auch in Geschichte war die Teilnehmeranzahl in Seminaren und Übungen nie höher als 25, wobei gegen Ende des Semesters immer weniger Studierende kamen. Die Studierenden wurden als Persönlichkeiten wahrgenommen, teilweise wurde ihnen auch ein Zwischenfeedback zur Mitarbeit gegeben. Viele diskutierten in den Lehrveranstaltungen aktiv mit und eine gute Diskussion wurde von vielen Studierenden nicht nur als Aufgabe des Dozierenden, sondern auch als ihre Aufgabe wahrgenommen.

Besonders von der Studienrichtung Slawistik aus fanden sehr viele Events nach der Vorlesungszeit statt: Ein osteuropäisches Filmfestival,  Promovierungsvortäge von Doktorierenden, Gespräche mit berühmten Schriftstellern, Vorträge über den russischen Korpus und internationale Workshops verschiedener Forschungsgruppen, an denen auch Studierende teilnehmen durften. Über viele wurden wir von den Dozierenden informiert und ermutigt, zu gehen. Dieses Interesse an den Studierenden von Seiten der Dozierenden motivierte mich extrem.

Leben/Freizeit

Berlin bietet für alle etwas. Kulturell ist es eine sehr vielfältige Stadt, man findet Ausstellungen, Führungen und Events für alle Geschmäcker. Von Techno-Klubs und Balkanpartys über Flohmärkte, Strassenfeste, verschiedenste Theater, schöne Seen und historische Führungen findet man alles. Auch kulinarisch wird man verwöhnt. Brunchen stand bei mir schon fast auf der Tagesordnung und alle Restaurants ausprobieren, die verlockend klangen, konnte ich bei weitem nicht.

Gleich zu Beginn habe ich mir ausserdem ein Fahrrad gekauft, was ich allen sehr empfehlen würde. An den meisten wichtigen Orten in Berlin ist man so spätestens in einer halben Stunde. Ausserdem darf man das Fahrrad, wenn man einen Studentenausweis hat, auch gratis in die U-Bahn nehmen.