Bilder zum Bericht

Vor dem Hauptgebude Universitt Wien, 2014

ESN International Dinner, 2014

Auf dem Kahlenberg, dem Wiener Hausberg, 2014

Weihnachtsmarkt auf dem Wiener Rathausplatz, 2014/2015

Liegesthle im Arkadenhof der Universitt Wien, 2015

Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

14/15 WS + SS

Universität

AT-WIEN01
Wien - Universität Wien

Studienfach

Erziehungswissenschaft (7220)

Gesamteindruck

Das Austauschstudienjahr in Wien war ein interessantes Erlebnis, von dem ich akademisch wie privat profitiert habe.

Wien ist eine vielseitige Stadt, die für jeden Typ Mensch etwas bietet und einen Besuch bzw. Aufenthalt wert ist!

Vorbereitung

Die Vorbereitungen für mein Austauschstudienjahr in Wien hielten sich sehr in Grenzen, da ich die Stadt aus zahlreichen früheren Reisen schon relativ gut kannte und vieles nur vor Ort zu klären war.

Das Einzige, das ich im Vorfeld gemacht hatte: Ich bin an die Informationsveranstaltung des International Office der UZH gegangen, habe mir eine Wohnung für das Jahr organisiert, ein Bahnticket nach Wien gekauft und mir das Vorlesungsverzeichnis der letzten beiden Semestern in meinem Studiengang an der Gastuniversität angeschaut (das aktuelle wurde erst kurz vor Semesterbeginn veröffentlicht).

Mein Schweizer Handy-Abo habe ich für das Jahr einfrieren lassen (geht mit einem einfachen Telefonanruf). Ansonsten gab es zu Hause in der Schweiz nicht viel zu erledigen, da ich zuvor wieder bei meinen Eltern eingezogen war (keinen Untermieter suchen) und mich in der Schweiz nirgends abmelden musste (Versicherung, Gemeinde etc.).

Ankunft

Meine Ankunft in Wien war sehr angenehm, was vielleicht auch daran lag, dass ich die Stadt schon relativ gut kannte.

Ich bin eine Woche vor Semesterbeginn angereist, um sämtliche Bürokratiegeschichten - Registrierung und Anmeldung in Wien, Informationsveranstaltungen der Universität Wien, Events von ESN (Erasmus Student Network), Organisation von Studentenausweis, Kopierkarten, Bibliothekskarte, Unterschreiben lassen des Learning Agreements, Buchen von Lehrveranstaltungen, ÖV-Ausweis, etc. - zu erledigen, was alles problemlos geklappt hat. Achtung: Ohne Meldezettel geht hier gar nichts, den muss man sowieso innerhalb von drei Tagen organisieren, also am besten gleich machen!

Mit der Übernahme der Wohnung, die ich in Uni- und Stadtzentrumnähe im Vorfeld organisiert hatte, hat auch alles von Anfang bis zum Schluss super geklappt.

Zimmersuche
Wohnen

Die Wohnungsuche verlief äusserst einfach - auf einer der zahlreichen Studierendenwebsites haben wir - wir wollten zu zweit eine Wohnung in Uni- und Stadtzentrumsnähe haben - ein Inserat Wohnung gesucht gepostet und wenig später hatte die Wohnung uns gefunden.

Zu zweit hatten wir eine Wohnung mit zwei Zimmern, einem Esszimmer, einer grossen Küche, einem Badezimmer, einer Toilette, einem Balkon - vollständig eingerichtet (inkl. Badetücher, Handtücher, Bettwäsche, Waschmaschine, Mikrowelle, Geschirrspüllmaschine, Staubsauger, Kaffeemaschine, etc.). Die Wohnung lag im 9. Bezirk, also direkt bei der Haupt-Universität, in der Nähe von meinem Institut und in Gehweite vom Stadtzentrum und sämtlichen Sehenswürdigkeiten entfernt. Ausserdem hatten wir mit Bettsofa, Matratzen etc. die Möglichkeit bis zu 4 Gäste bequem bei uns übernachten zu lassen. Sollte mal etwas nicht funktionieren, genügte ein Anruf bei unserem Vermieter und jemand kam vorbei, um sich darum zu kümmern. 

Für Austauschstudierende gibt es neben eigener Wohnung natürlich noch andere Optionen: Studentenwohnheime, WGs gibt es zu Hauf in Wien!

Universität

Die Universität Wien ist die grösste und älteste deutschsprachige Universität - 1365 gegründet, feierte sie während meines Austauschstudiums ihr 650-Jahre-Jubiläum mit vielen Events.

Wie in Zürich hat auch die Universität Wien ein sehr anschauliches (2 Touristenführungen pro Tag) Hauptgebäude. Dort hatte ich jedoch nur einzelne Vorlesungen. Meine anderen Veranstaltungen fanden vor allem an meinem Institut für Bildungswissenschaft (nicht weit entfernt) und in anderen Institutionsgebäuden (NIG, Campus, Geo-Zentrum) statt. Die vielen zusätzlichen (nicht minder riesigen) Universitätsgelände und -gebäude verteilen sich über die gesamte Stadt.

Das Studium ist in meinem Studiengang Erziehungswissenschaft / Bildungswissenschaft sehr ähnlich aufgebaut und strukturiert wie in Zürich: Es gibt Seminare (meistens LNW in Form von Seminararbeiten und Referaten) und Vorlesungen (meistens LNW in Form von Prüfungen). Pro Lehrveranstaltung gibt es 5 oder 10 ECTS. Nur die Schwerpunkte sind ein wenig anders ausgerichtet (in Erziehungs- / Bildungswissenschaft mehr in Richtung Medizin, Psychologie / Psychoanalyse / Psychotherapie, Beratung, Kultur, Philosophie), was natürlich Vor- und Nachteilen haben kann. Die Lehrveranstaltungen können auf Englisch oder Deutsch besucht werden. Ich hatte etwa die Hälfte meiner Module auf Englisch besucht, die andere Hälfte auf Deutsch.

 Eine richtige Mensa wie in Zürich gibt es nicht, dafür gibt es viele Cafes (die an der Uni eher teuer sind) und Imbissmöglichkeiten.

 Wichtig: Man muss jedes Semester einen ÖH-Beitrag (ca. 20 Euros / Semester) bezahlen, um ein gültiges Pickerl (Kleber) für den Studentenausweis zu erhalten.

In Wien gibt es neben der Universität Wien (Haupt-Uni) noch die WU (Wirtschaftsuniversität), die TU (Technische Universität), die BOKU (Universität für Bodenkultur) sowie zahlreiche Fachhochschulen und private Universitäten.

Leben/Freizeit

Wien bietet sehr viele Möglichkeiten, um sich in der Freizeit, nicht langweilen zu müssen...

Für Austauschstudierende gibt es die aktiven ESN-Leute (European Student Network), die kleinere Exkursionen, grössere Trips (auch ins Ausland) und viele Party-Events organisieren. Ich habe mich jedoch relativ schnell von dieser Gruppe entfernt, da mir für die Trips die finanziellen Möglichkeiten fehlten und die Art der Partys nicht mein Ding war. Die ESN-Leute waren aber alles sehr hilfsbereit und nett :-). Tipp: sich im Vorfeld des Auslandsemesters  / -jahres für das ESN-Buddy-System anmelden.

Ich habe sehr schnell Anschluss bei meinen Österreichischen Mitstudierenden in den Lehrveranstaltungen gefunden, was mir mehr zusagte. Ausserdem habe ich mich in beiden Semestern in Wien bei AIESEC (gibt es ja auch an der UZH, dort war ich jedoch nicht Mitglied) engagiert. Im ersten Semester habe ich im Team IGCDP Workshopprojekte zu den Themen Intercultural Competencies und Professional Development an Wiener Schulen organisiert und im zweiten Semester im Team TOP mich mit Organisation, Team and Personal Development and Management beschäftigt. Eine empfehlenswerte Erfahrung und eine super Möglichkeit internationale und nationale Kontakte zu knüpfen!

 Wien ist eine sehr internationale und vielseitige Stadt, die für jede/n etwas zu bieten hat: Zahlreiche Museen, Parks, Stadtspaziergänge, Sportangebote, Musikangebote, kulturelle Events, Festivals, Messen, Sehenswürdigkeiten, Büchereien. Meine persönlichen Empfehlungen: Kuchenessen auf dem Donauturm, eine Wanderung auf den Kahlenberg (am besten während der Heurigen-Zeit), ein Besuch im Kunsthaus (Hundertwasser), Sonntagsbrunch in einem der zahlreichen traditionellen oder alternativen Cafes (z.B. Cafe de Provence, Weltcafe), Fahrrad mieten und den Donaukanal entlang radeln (Graffitis bestaunen).

 Für Sportlerinnen gibt es viele Angebote - da ich mich für dieses eine Jahr  meine finanziellen Mittel andersweitig investieren wollte, habe ich mich für Fahrradmieten, Hallebadbesuche, Stadtwanderwege und einzelne Yogaklassen entschieden.

 Wien ist auch als Ausgangsort für Auslandsreisen sehr geeignet - da ich die grösseren und beliebten Orte wie Budapest (H), Prag (CZ), Brno (CZ) und Bratislave (SK) schon sehr gut kannte, war das nicht Priorität für mich. Trotzdem bin ich immer wieder im nahen Tschechien (Krumau, Budweis) oder Ungarn (Györ, Sopron, Neusiedlersee) gelandet. Ich habe jedoch in erster Linie das Schweizer Nachbarsland besser kennenlernen wollen: Schiffahrten und Seewanderungen am Neusiedlersee, Städtetrips nach Salzburg, Linz, Graz (Zotter-Fabrik bei Feldbach besichtigen!), Klagenfurt (am Wörthersee) sowie Wanderungen und Burgbesichtigung im Donau-Tal der Wachau sind dabei definitiv die Highlights gewesen!

 Auch wenn Österreich nur das Nachbarsland der Schweiz ist, vieles sehr ähnlich ist und alle - zumindest offiziell - Deutsch sprechen, gibt es doch auch hier kulturelle Unterschiede. Pünktlich heisst in der Regel 15min später, beim Einkaufen bei Hofer (Aldi), Billa oder Spar kauft man nicht Tomaten (sondern Paradeiser), Quark (Topfen), Hefe (Germ), Aprikosen (Marillen), Melanzani (Aubergine), Pflaumenmus (Powidl), Johannisbeeren (Ribisel) und Zigaretten (Tschiks). Man fährt auch nicht mit der Strassenbahn oder dem Tram, sondern mit der Bim. Noch gibt es kein Rauchverbot in den Gastronomiebereichen, dafür braucht jeder Gackerl ein Sackerl für sein Kackerl und einen Maulkorb um mit der Bim mitfahren zu dürfen.

Freud, Sissi, Franz, Mozart und Conchita sind ständige Begleiter im Wiener Alltag.

Und das am Sonntag in dieser grossen Weltstadt das Leben stillsteht, an das gewöhnt man sich auch... irgendwie... irgendwann...

Wien ist auf jeden Fall leiwand!