Erfahrungsberichte

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Wer

alexandrawittmer[at]hotmail.com

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

14/15 WS + SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Philosophie (7160)

Gesamteindruck

Mein Jahr in Berlin war für mich eine sehr schöne Erfahrung und gerne wäre ich noch länger hier geblieben. Auch wenn ich nicht mit einer neuen Sprache und ganz anderen Kultur vertraut gemacht wurde, so doch mit einer Stadt, die dreckiger, rauer, freier und vielleicht auch offner ist als Zürich. 

Vorbereitung

Mein Entscheid, nach dem ersten Jahr Studium in Zürich ein Erasmus-Jahr zu machen, kam sehr spontan. Nachdem ich aus den Ferien in Berlin zurückgekehrt war, habe ich auf der Homepage für Philosophie gesehen, dass es noch nach dem Anmeldeschluss freie Plätze für einen Austausch gab. Da mein Entscheid und die Zusage sehr plötzlich kamen, habe ich mich auch nicht ausführlich auf das Jahr in Berlin vorbereitet.

Noch in Zürich habe ich mir aber das Vorlesungsverzeichnis zusammen mit den Koordinatoren angeschaut. Die definitive Wahl der Module erfolgte jedoch erst zwei Wochen nach Studienbeginn und so konnte ich an der Uni einen Eindruck gewinnen, was ich wirklich besuchen wollte und was nicht. 

Ankunft

Ich bin ein Monat vor Studienbeginn nach Berlin gezogen und hatte so genug Zeit, mich um die administrativen Tätigkeiten (Anmeldung beim Bürgeramt, Aufenthaltsbewilligung, Anmeldung an der Universität) zu kümmern. Diese können in Berlin zum Teil etwas länger dauern und mühsam sein. Die Erasmus-Zuständigen im Internationalen Büro in Berlin waren aber bei allen Fragen sehr hilfsbereit. Es lohnt sich sicher, wenn möglich, etwas vor dem Anmeldetermin an der Universität nach Berlin zu kommen, da man für die Anmeldung bereits beim Bürgeramt angemeldet sein muss. Auch finden in den Tagen vor Beginn des Studiums zum Teil hilfreiche Einführungsveranstaltungen für Erasmus-Studenten sowie Erstsemestrige statt. 

Zimmersuche
Wohnen

Am Anfang hatte ich grosses Glück, da ich zu einer Bekannten, die schon in Berlin wohnte und studierte, in die WG ziehen konnte und mich nicht weiter um eine Unterkunft bemühen musste. Ich musste dann aber doch noch zwei Mal umziehen. Ein Zimmer zu finden, zumindest für eine befristete Zeit, war aber erstaunlich einfach. Auf wg-gesucht.de sind sehr viele WG-Zimmer ausgeschrieben, viele jedoch erst kurz vor dem Einzugsdatum.

Um einen Platz in einem Studenteinheim zu bekommen, muss man sich schon relativ früh anmelden. Die Studentenheime sind jedoch oftmals etwas ausserhalb gelegen und nicht günstiger als ein Zimmer in einer WG. Von Leuten, die in Studentenheimen gewohnt haben, habe ich aber eigentlich nur Gutes gehört, da man sehr schnell mit sehr vielen Leuten in guten Kontakt kommt und es dann auch nicht so eine Rolle spielt, wenn man nicht in einem zentralen und lebendigen Bezirk wohnt. 

Universität

Zuerst scheint das Leben an der Humboldt Universität in Berlin ähnlich wie in Zürich. Die Universität ist gross und relativ anonym. Um mit Leuten in den zum Teil überfüllten Vorlesungssälen und Seminaren in Kontakt zu kommen, braucht es schon auch Eigeninitiative.

Die Fachschaften bieten in den Tagen vor dem Semsterbeginn verschiedene Einführungsveranstaltungen wie Bibliotheksbesichtigungen oder Kneipen-Touren an. Die Teilnahme an diesen Veranstaltungen ist sicher nicht notwenig, hat mir aber den Einstieg an der Uni erleichtert, nicht nur weil ich mich am ersten Tag auf dem Campus schon auskannte, sondern auch schon viele Menschen kennengelernt hatte. 

Einige Veranstaltungen haben zu viele Besucher und wenn die Versuche der Professoren, einen Teil der Studenten zum Wechsel in eine andere Vorlesung zu überzeigen, nicht funktioniert haben, blieben die Vorlesungssäle bis zum Schluss sehr voll. Die Diskussionen in den Seminaren (in Philosophie und Germanistik) waren jedoch viel lebendiger und angeregter als in Zürich und auch während der Vorlesung haben sich einige Studenten mit interessanten Fragen an die Professorin gewendet. 

Aber nicht nur die Diskussionen haben mir gut gefallen, auch die Dozenten waren kompetent und fast alle referierten sehr lebendig. 

Es lohnt sich sicher auch vom Angebot neben dem Unterricht zu profitieren. Es werden viele verschieden Sport- und Sprachkurse angeboten, die so beliebt sind, dass man sich noch am ersten Tag anmelden muss, um einen Platz zu erhalten. Ich habe einen Aikido- und einen Boxkurs besucht und auch hier war es wie oft in Berlin: der Sportraum ist ziemlich heruntergekommen, Viele kommen in einem kleinen Raum zusammen, der Kurs ist lebendig und die Teilnehmer motiviert.  

Aber auch die Fachschaften organisieren während dem Semester verschiedene Veranstaltungen wie Gastvorträge oder philosophische Kinoabende. Dass die Studenten im Grossen etwas politischer sind als ich es aus Zürich kenne, zeigte sich nicht nur dadurch, dass man ständig zum Unterschreiben aufgerufen wird, sondern auch in der Selbstverständlichkeit, mit der Viele regelmässig an einer Demonstration teilnehmen. 

Leben/Freizeit

Das kulturelle Angebot in Berlin ist riesig: für wenig Geld kann man als Studentin sich jede Woche ein anderes Theaterstück anschauen, in eines der kleinen Kinos gehen, Nächte lang feiern, Museen besuchen...

Berlin zeichnet sich vor allem durch Gegensätze aus. Die Stadt ist zwar viel grösser als Zürich und die verschiedenen Möglichkeiten so gross, dass man sich manchmal etwas verloren vorkommt. Die einzelnen Kieze besitzen jedoch fast Dorf-Charakter.

Mit der Anonymität der Grossstadt bietet Berlin die Freiheit durch Strassen zu laufen, wo einen niemanden kennt und von keinen Nachbaren beobachtet oder kritisiert zu werden, wenn die Musik mal zu laut ist. Gleichzeitig habe ich aber auch die Erfahrung gemacht, dass die meisten Leute sehr offen sind und so ging es auch sehr schnell und ich kannte die Leute im Späti neben meinem Haus, beim Bäcker oder die Postboten und ich habe mich schnell zu Hause gefühlt.

Bei den unzähligen Möglichkeiten lohnt es sich, sich in Berlin treiben- und einzulassen.