Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

13/14 WS

Universität

CN-
Beijing - Tsinghua University

Studienfach

Volkswirtschaftslehre (3020)

Gesamteindruck

Insgesamt erlebte ich eine sehr interessante Zeit in Peking und dem restlichen China. Schulisch wurde ich nur wenig herausgefordert. Dafür hatte ich umso mehr die Möglichkeit, ein ganz anderes Land kennen zu lernen. Ich hatte, nicht zuletzt dank der Zuwendung der Zurich Insurance Group, ein sehr entspanntes Semester.

Vorbereitung

Wirkliche Vorbereitung, was den Studiumsalltag anbelangt, war nicht möglich. Zwar erhielt ich relativ früh (ende März) ein Factsheet, auf dem die notwendigen Dokumente für das weitere Vorgehen aufgelistet waren, darunter das Ausfüllen einer Onlineapplication. Dies war jedoch wiederum für weitere zwei Wochen nicht möglich, da erst dann die notwendigen Informationen dafür kamen. Die Bestätigung von Seiten Tsinghua, dass ich tatsächlich aufgenommen wurde, bekam ich dann Ende Juni. Das Vorlesungsverzeichnis sowie das Formular für das Visum bekam ich dann Mitte Juli, was mir relativ wenig Zeit liess, mich genau damit auseinander zu setzen.

Einen Sprachkurs habe ich im Vorherein nicht absolviert, da die Bestätigung für den Austauschplatz in Peking im Februar kam und ich mich für das Herbstsemester bewarb. Die Universität Zürich bietet Sprachkurse in Mandarin an, jedoch bedingt das Besuchen des Kurses im Frühjahrssemester den vorherigen Besuch des Kurses im Herbstsemester.

Ankunft

Ich habe zunächst ein Hotel für zwei Nächte gebucht um in dieser Zeit eine Wohnung zu suchen. Am Flughafen angekommen versuchten mich verschiedene BlackTaxis zu überzeugen, mit ihnen mitzufahren. Diese sprachen als einzige Englisch und nahmen ohne zu fragen mein Gepäck an sich. Ich habe dann ein normales Taxi genommen welches mich für 1/7 des vom BlackTaxi offerierten Preises an mein Ziel brachte. Ich empfehle ein wenig Bargeld mitzunehmen, da meine Bankkarte nicht bei allen Automaten funktionierte und ich erst einen finden musste, bei dem es ging.

Eine sehr nützliche App ist Pleco (Übersetzung sowie erkennen von Schriftzeichen).

Zimmersuche
Wohnen

Ich entschied mich zusammen mit zwei Kommilitonen aus Zürich für eine Wohnung ausserhalb des Campus. Diese suchten wir mit Hilfe eines Buddies bei verschiedenen Immobilienagenturen. Es dauerte etwa drei Tage bis wir eine Wohnung fanden die uns passte. Das abschliessen des Vertrages war dann noch ein Kraftakt, weil die Agentur als Vermittlerin uns einen tieferen Mietzins veranschlagte als die Landlords tatsächlich bereit waren zu akzeptieren. Auch muss man sich bewusst sein, dass die Agentur eine Provision in höhe eines Monatszins verlangt.

Wir bezahlten für eine Wohnung im 23. Stock mit 3 Schlafzimmern, einem riesigen Wohn/Esszimmer, Küche, zwei Bädern und eigener Waschmaschine RMB 10‘000 im Monat. Die Wohnung war sehr gut gelegen, direkt hinter einem Einkaufszentrum, in Gehdistanz zur U-Bahnstation. Auch Restaurants und die Bars, wo sich die meisten Studenten abgaben, waren in der Nähe. Zur Uni musste man mit dem Velo (ab RMB 100, Qualität auch im höheren Preissegment nicht besser) ca. 10 Minuten einrechnen. Laufen empfiehlt sich sowieso nicht, da man vom einen Ende des Campus bis zum anderen Ende circa 30 Minuten braucht. Wir leisteten uns einmal die Woche eine Putzfrau für RMB 60 (2h). Ansonsten hatten wir glück, dass unsere Wohnung nicht an die Fernheizung angeschlossen war, sondern wir direkt mit Gas heizen konnten. Glück darum, weil die staatliche Heizung erst sehr spät einschaltete und viele andere bis dahin frieren mussten. Auch unsere Vermieterin war sehr nett und bei Problemen (wir hatten anfangs Probleme bei der Heisswasseraufbereitung sowie später mit der Toilette) war sie immer schnell da und löste das Problem auf die eine oder andere Art. Preislich war unsere Wohnung vergleichbar mit anderen, jedoch war die Ausstattung viel besser und wir hatten eine der wenigen Vermieterinnen, welche Englisch sprach.

Was ich von den Dorms gehört habe ist, dass diese vergleichsweise billig, sauber und einfach zu erhalten sind. Auf der anderen Seite jedoch gibt’s nur zweimal am Tag für zwei Stunden warm Wasser zum duschen, keine Kochmöglichkeit, man darf niemanden Mitnehmen (theoretisch) und das Internet sei unzuverlässig und langsam.

Auf dem Campus gibt es alles was man zum (über-) leben braucht: Supermärkte, Fruchtmarkt, Apotheke, Optiker, Post, Essensmöglichkeiten, Sporteinrichtungen, Velomechaniker etc. Offcampus existiert aber ein enorm viel breiteres Angebot.

Universität

Zunächst erwähnenswert ist, dass das Semester zweigeteilt war. Das heisst, es gab Kurse, die nur bis Mitte November liefen, solche die ab Mitte November bis Ende Dezember/Anfang Januar liefen und sehr wenige, die durchgehend liefen.

Das Erstellen des Studienplans schätzte ex ante sehr einfach ein, da auf dem abgegebenen Wochenplan alle Fächer eingezeichnet waren. Gelegentlich gab es Überschneidungen, was ich jedoch (von Zürich her kommend) als nicht allzu gravierend einschätzte, da man in Zürich auch mal eine Vorlesung verpassen kann, ohne dass man sich deswegen sorgen muss. An der Tsinghua jedoch gilt für eigentlich alle Fächer Anwesenheitspflicht und diese schlägt sich dann auch in den Noten nieder.  

Das Buchen der Fächer gestaltet sich komplizierter als in Zürich. Zunächst werden jedem Studenten 1000 Punkte gegeben, die er dann im Onlinetool für die verschiedenen Fächer bieten kann. Wer am meisten bietet, bekommt den Platz im Kurs. In einer zweiten Runde in der ersten Semesterwoche können dann Fächer abgewählt werden und die wieder frei gewordenen Punkte zusammen mit den Punkten welche erfolglos geboten wurden auf die noch freien Plätze gesetzt werden, in der Hoffnung diese zu erhalten. Ich hatte es insofern einfach, als dass ich nur wenige Fächer wählen wollte und mir somit die Plätze in den Vorlesungen einfach teuer „kaufen“ konnte. Ich kenne allerdings niemanden, der nicht die Fächer bekam, die er/sie wollte. Das Abwählen von Fächern der zweiten Semesterhälfte ist auch später noch möglich (kostenpflichtig), soviel ich weiss ist jedoch das Hinzufügen neuer Fächer nach der zweiten Runde nicht mehr möglich. Was ich ziemlich unbefriedigend fand an diesem System ist, dass man nicht die Möglichkeit hat in eine Vorlesung zu sitzen und dann zu sagen ob man diese wählt oder nicht.

Die Vorlesungen waren alle (wie man es von einem MBA-Programm erwarten kann) sehr BWL-lastig. Reine VWL-Fächer konnten nicht gebucht werden. Insofern war die Ausschreibung seitens der Universität Zürich als Studienort für BWL und VWL Studenten eine Fehlinformation (soviel ich weiss können jetzt nur noch BWL Studenten diesen Austausch machen). Nachfolgend meine schlechteste sowie beste Vorlesung:

Analysis of Pillar Industries – The automotive Sector: Dies ist eine reine Werbeveranstaltung für BMW. Im jeder Vorlesung wurden vier bis fünf Werbevideos gezeigt und die Note bestand zu 80% aus Anwesenheit und 20% aus einer Arbeit, in der man dann die Argumente einfliessen lassen konnte, warum BMW sich so gut schlägt in China. Ich habe in dieser Vorlesung nichts gelernt, das nicht auch auf der Website von BMW zu lesen gewesen wäre. Einziger Pluspunkt war die zweitägige Studienreise mit Besichtigung der BMW Fabrik. Jedoch war diese mit ca. Fr. 250 auch nicht gerade billig.

Crisis Management: Sehr kurze (vier mal drei Lektionen) aber gute praxisorientierte Vorlesung mit einem sehr engagierten Dozenten. Auseinandersetzung mit einem wenig diskutierten Thema.

Im Allgemeinen empfand ich die Fächer als sehr einfach. Inhaltlich habe ich nicht viel Neues gelernt und meistens kratzten die Dozenten nur an der Oberfläche und die Themen wurden nicht tiefer behandelt. Im Vergleich mit der Universität Zürich hat man während dem Semester mehr  Arbeit (Vorträge, Hausaufgaben etc.) und man muss (theoretisch) anwesend sein. Die Aufgabenstellungen sind meist einfach, aber zeitintensiv.

Was die Planung ziemlich erschwert hat (auch bezüglich Reisen) ist, dass zwar die Vorlesungstermine Anfang Semester bekannt waren, jedoch keineswegs fix. So wurden von den Dozenten Vorlesungstermine sehr kurzfristig verschoben (zum Beispiel: Professor schreibt am Dienstag ein Email, dass die Vorlesung vom Donnerstag auf Sonntag verschoben wird…). Damit überschnitten sich bei mir plötzlich Vorlesungen und ich musste mühsam Formulare ausfüllen, welche mir die Abwesenheit zu den einzelnen Terminen ermöglichten.

Leben/Freizeit

Die Belastung durch das Studium lässt einem genug Luft, um auch das Land zu erleben. Normalerweise kommt man auch kurzfristig für wenig Geld relativ weit und es gibt sowohl rund um Peking als auch weiter genügend Attraktionen. Will man ins Ausland reisen (hierzu gehören auch Hong Kong und Macau) braucht man jedoch für die Wiedereinreise ein neues Visum. Als Austauschstudent für ein Semester erhält man in der Regel nur ein Visum für eine einmalige Einreise, dafür sind aber auch keine Gesundheitschecks oder ähnliches notwendig (wie sie für das Visum mit mehrmaliger Einreise erforderlich sind). Es ist möglich, auf den Visumsbüro auf dem Campus eine zusätzliche Einreise zu bekommen, je nach Laune des Beamten auch mehrere. Zu beachten sind jedoch die langen Bearbeitungszeiten (bis zu 20 Arbeitstage).  Daher empfehle ich so bald wie möglich eine zusätzliche Einreise zu beantragen. Die zusätzliche Einreise ist ein neues Visum, welches nur für einen Aufenthalt von 60 Tagen berechtigt, weshalb es nicht am Anfang des Austauschs benützt werden sollte. Sonst muss man einfach wieder ausreisen und ein neues Visum beantragen.

Was für mich sehr ungewohnt war, ist, dass man in China fast überall über den Preis verhandeln muss. Dies gilt auch wenn ein Preis angeschrieben ist. Bezüglich Taxis empfiehlt es sich nur mit offiziellen Taxis zu fahren und darauf zu bestehen, dass diese den Taximeter laufen lassen. Man braucht im Übrigen immer eine chinesische Adresse, da die Taxifahrer die Lateinische Schrift nicht lesen können.

Sehr hilfreich bei der Planung von Reisen waren die Portale ctrip.com und hostelbookers.com.