Erfahrungsberichte

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Wer

philipp.bojanic[at]icloud.com

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

13/14 WS

Universität

AU-
Sydney - Macquarie University

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Ein Austausch ist eine tolle Erfahrung und kann auf jeden Fall weiterempfohlen werden. Der Aufwand und allfällige Hindernisse werden durch die tollen Erlebnisse mehr als kompensiert. 

Vorbereitung

Bewerbung UZH:

Die Vorbereitung nimmt einige Zeit in Anspruch. Man sollte sich bei Interesse vorzeitig über die benötigten Unterlagen informieren. Speziell der TOEFL (CAE wurde von meiner Austauschuni nicht akzeptiert) kann ein Knackpunkt sein, da die Termine im November & Dezember frühzeitig ausgebucht sind. Also am besten so früh wie möglich einen Termin buchen. 

Anrechnungsvereinbarung:

Nach der Nominierung muss man sich um die Anrechnungsvereinbarung kümmern. Da man bei der UZH keine Abklärungen auf Vorrat machen kann, muss man zuerst prüfen, ob man bei der Partneruni zu den entsprechenden Modulen zugelassen wird. Bei mir wurden in der ersten Runde von der Partneruni nur die Hälfte der Module bewilligt. Hier lohnt es sich hartnäckig zu bleiben und nach dem Grund zu Fragen. Begründet warum ihr denkt, dass ihr die nötigen Vorkenntnisse bereits mitbringt (z.B. Einführung in Marketing ist ein Teil von BWL I). Dies hat bei mir recht gut geklappt.

Die Korrespondenz mit der Partneruni war hingegen ziemlich mühsam. Teilweise wartet man zwei Wochen auf eine Antwort. Stellt man mehr als eine Frage in einem Email, kann man sicher sein, dass nicht alles beantwortet wird. Fangt also frühzeitig mit der Abklärung an. 

Nachdem OK der Partneruni muss die Anrechnungsvereinbarung an die Fakultät eingereicht werden. Dies hat bestens funktioniert. Alle meine Module wurden bewilligt.   

An dieser Stelle möchte ich noch kurz auf die unterschiedlichen Credit Systeme der Unis hinweisen, da dies anfänglich ziemlich verwirrend war. Die australischen Unis kennen hier kein einheitliches System. So entsprechen 3 Credits an der Macquarie University 7.5 ECTS. Bei UTS und UNSW hingegen sind es 6 Credits, die 7.5 ECTS entsprechen. Ein Vollzeitstudium entspricht somit bei allen Unis vier Modulen. Es müssten mindestens drei Module gebucht werden.  

Reisevorbereitung:

Versucht euren Flug so früh wie möglich zu buchen. Da der Semesterbeginn in Australien mit dem Beginn der Sommerferien in der Schweiz zusammenfällt, sind die Flüge entsprechend ausgebuchter und teurer. Bezüglich der Orientierungswoche müsst ihr euch nicht allzu viele Sorgen machen, falls ihr einen Teil davon verpasst. Eigentlich fand nur an einem einzigen Tag (bei uns der Mittwoch vor Semesterbeginn) eine Informationsveranstaltung statt.

Handy Abos sind bei den meisten Anbietern kostenlos oder gegen eine kleine Gebühr pausierbar. Am besten den Kundendienst anrufen.  

Ankunft

Die Uni offeriert einen kostenlosen Flughafen Shuttle. Nehmt diesen unbedingt in Anspruch, da euch ein Taxi bis zu 100$ kostet. Hat bei mir reibungslos geklappt.

Zimmersuche
Wohnen

Während meinem Austauschsemester habe ich im Macquarie University Village (Westside) auf dem Campus gewohnt. Dies war zum Zeitpunkt meines Austausches die modernste Studentenunterkunft. In der Zwischenzeit wurde allerdings ein neues Studentenwohnheim (Iglu Chatswood) eröffnet. Dieses liegt zwischen Sydney CBD und der Universität, ist allerdings deutlich teurer. 

Die Unterkunft habe ich bereits von der Schweiz aus gebucht, da es Hinweise auf der Homepage gab, dass die Zimmer bald voll seien. Ich denke allerdings, dass dies mehr eine Marketingkampagne ist, als dass es tatsächlich der Realität entspricht. Während des ersten Monats nach Studienbeginn solltet ihr problemlos in der Lage sein, ein Zimmer zu kriegen. 

Das Village ist sicherlich eine gute Adresse, um neue Leute kennen zu lernen. Die meisten Austausch- und viele internationale Studenten wohnen hier. Australier hingegen trifft man nur vereinzelt an. Die Zimmer sind geräumig und verfügen über ein eigenes Bad. Obwohl das Zimmer möbliert ist, müssen Heizung, Ventilator, Decken, Kissen & Bezüge selbst beschafft werden. 

Das Village ist im Grunde eine gute Sache, allerdings funktioniert leider nicht alles, wie es sollte. Die Gemeinschaftsbereiche in vielen Häusern sind äusserst dreckig & auch mein Zimmer war nicht ordentlich geputzt. Das Management scheint leider seiner Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Deshalb: Schaut euch um, bevor ihr das Zimmer akzeptiert und verlangt allenfalls umgehend ein Neues. 

In der Eastside leben viele Amerikaner, die ziemlich ausgiebig feiern. Falls ihr also schon immer Teil eines American Pie Films sein wolltet, dann nehmt ihr euch am Besten ein Zimmer auf der Eastside. Allen anderen empfehle ich den Aufpreis von ein paar Dollar für eines der neueren Zimmer auf der Westside ;) 

Ich denke, dass trotz dem weiten Weg (45 Minuten) in die Stadt und der eher hohen Miete, das Village die beste Wahl für einen Austauschstudenten ist, da es schlicht einfacher ist, Leute kennen zu lernen. Angenehmen ist auch, dass man sich einTaxi teilen kann für die Heimfahrt am Wochenende.  

Universität

Wie auch an der Uni Zürich kann die Qualität einzelner Module stark schwanken. Grundsätzlich ist die Uni vom Schwierigkeitsgrad her eher einfacher als die UZH, allerdings ist der Zeitaufwand in etwa gleich, mit dem Unterschied, dass man über das ganze Semester hinweg viel arbeitet, dafür die Prüfungsphase eher gemütlich ist. Grund dafür sind die vielen Einzel- und Gruppenarbeiten sowie andere Assignments (Online Quiz, Forum, etc.). Gruppenarbeiten können ziemlich mühsam sein, da es viele asiatische Studenten hat, die teilweise nur äusserst gebrochen Englisch sprechen. Ausserdem nehmen viele Studenten die Uni nicht allzu ernst & versuchen sich so weit wie möglich von der Arbeit zu drücken. So ist man praktisch dazu gezwungen, die Gruppenarbeit selber zu schreiben, sollte man an einer guten Note interessiert sein.

Neue Unibücher sind in Australien sehr teuer (ca. CHF 150.-). Deshalb am besten auf mqbooks.org schauen, ob ein gebrauchtes Buch verfügbar ist.  

Hier ein kurzer Überblick zu den von mir besuchten Modulen (für Wirtschaftsstudenten):

- Marketing Research (MKTG202): spannende Vorlesung, guter und engagierter Dozent, Gruppenarbeit trägt 30% zur Note bei, mittelmässige Unterlagen, harte Benotung, Buch empfehlenswert

- Applied Financial Analysis (AFIN252): spannende Vorlesung, guter Dozent, gute Unterlagen, faire Benotung, keine Gruppenarbeiten, faire Prüfung, Buch nicht notwendig

- Entrepreneurship & New Venture Management (BUS220): nutzlose Vorlesung, subjektive Benotung, Gruppenarbeit (30%), Buch zur Prüfungsvorbereitung notwendig, Hände weg!

- Econometric Principles (ECON232): interessante praktische Ergänzung zu EWF, keine Gruppenarbeit, keine Prüfung, individuelle online Tests & Assignments, Buch benötigt, gute Vorlesung, äusserst engagierter Professor & Übungsleiter, mittelmässige Folien, faire Benotung (falls Zeit investiert wird)

Leben/Freizeit

Sydney ist eine Metropole mit über 4.5 Mio. Einwohnern. Entsprechend vielseitig ist auch das Angebot. 

Direkt neben dem Campus steht eines der grössten Einkaufszentren der Stadt; mit Supermarkt, Kino, Bowlingbahn und vielen Restaurants. Mittwochs gehen viele Studenten in die Ranch, den einzigen Club in Uninähe. Besonders voll wird es jeweils bei den Kostümparties. 

Wer es lieber etwas gehobener hat, geht am Donnerstag ins Ivy. Für Liebhaber elektronischer Musik empfiehlt sich samstags Pacha Sydney (Tickets online kaufen) und das Stereosonic Festival im Dezember. Ebenfalls nett: Argyle, Marquee, Cargo Bar, Soda Factory

Sowohl nach Manly, als auch nach Bondi Beach benötigt man etwa 1 1/2 Stunden mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Entsprechend war ich nicht allzu oft dort. Wenn man zu Viert ist, lohnt es sich unter Umständen ein Taxi zu buchen.  

Die ganze Stadt erinnerte mich hin und wieder an einen riesigen Food Court. Dabei findet man besonders viele asiatische Essenstände, die in der Regel äusserst günstig & gut sind. Den besten Burger gibt es bei Grill'd ;)

Eine nette Besonderheit der Macquarie University ist, dass man zwei Wochen Semesterferien hat. Da kann es sich auch lohnen etwas weiter zu verreisen (Fiji, Neuseeland, ...).