Erfahrungsberichte

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Wer

denis_amrein[at]hotmail.com

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

13/14 WS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University - School of Economics

Studienfach

Volkswirtschaftslehre (3020)

Gesamteindruck

 Das Austauschsemester war in jeder Hinsicht eine Bereicherung und eine tolle Erfahrung. Ich würde jedem empfehlen, einmal während des Studiums ein Auslandsemester einzulegen. Für alle die offen sind für eine neue Kultur und eine neue Herausforderung suchen, ist Shanghai das ideale Ziel. Die Stadt bietet sehr viel und dank dem tiefen Preisniveau kann man sich Sachen leisten, die man sich bei uns als Student nicht leisten kann. Zudem profitiert man noch vom Stipendium der Zürich Versicherung.

Auch wenn das Niveau der Universität nicht dem der Uni Zürich entspricht, kann man viel über China und China's Wirtschaft erfahren. Zudem ist Shanghai ein beliebtes Ziel für Studenten und Praktikanten und somit fällt es leicht Leute aus allen Ecken der Welt kennenzulernen. 

Vorbereitung

Die Vorbereitung ist relativ mühsam und zeitraubend, aber es lohnt sich auf jeden Fall diese Mühen auf sich zu nehmen. Nachdem man von der Uni Zürich für das Austauschsemester vorgeschlagen wurde, bekommt man ein ganzes Dossier von der Uni, wo das weitere Vorgehen detailliert beschrieben ist. Zuerst muss man sich online und per Post offiziell bei der Uni einschreiben. Die Infos, die die Fudan Universität zur Verfügung stellt sind eher spärlich und kommen sehr kurzfristig. Das definitive Vorlesungsangebot bekam ich zum Beispiel erst eine Woche vor Semesterbeginn. 

Neben der Vorbereitung fürs Studium ist es sicher auch hilfreich, wenn man sich vorher etwas über China erkundigt und allenfalls die Sprache lernt. Da die wenigsten Leute in Shanghai English sprechen, ist es von Vorteil wenn man ein wenig Chinesisch kann. Man kann sich aber auch ohne Chinesisch durchschlagen. Die Universität bietet auch einen Chinesisch-Kurs an. Man sollte sich von den ersten beiden Lektionen einfach nicht abschrecken lassen. Die asiatische Herangehensweise eine neue Sprache zu lernen, ist ein wenig anders, als wir es kennen. Doch der Kurs wird mit der Zeit und mit der abnehmenden Teilnehmerzahl immer besser.

Ankunft

Mit der Magnetschwebebahn oder dem Taxi kommt man sehr einfach vom internationalen Flughafen von Shanghai im Stadtteil Pudong in etwa einer Stunde in die Innenstadt. Falls man noch keine Unterkunft hat, ist es sicher sinnvoll, wenn man sich für die ersten Tage irgendwo im Zentrum ein Hotel oder ein Hostel bucht.

Eine Woche vor Semesterstart in Shanghai anzukommen reicht, auch wenn man noch keine Unterkunft hat. Innerhalb einer Woche findet man relativ einfach eine Wohnung und kann schon mal die schönsten Sehenswürdigkeiten abklappern.

Für die Austauschstudenten der School of Economics findet am zweiten Tag des Semesters eine Einführung statt. Dies ist ein wenig unglücklich, da das Semester schon begonnen hat. An dieser Einführung wird jedem Studenten auch ein chinesischer/s Götti oder Gotti zugeteilt, welche einem das riesige Universitätsgelände zeigen und auch sonst bei anderen Anliegen weiterhelfen.

Zimmersuche
Wohnen

Man kann sich entweder selber eine Wohnung/ WG suchen oder auf dem Campus wohnen. Der Campus ist einfach relativ weit weg von der Innenstadt und somit auch von allen Unterhaltungsmöglichkeiten. Andererseits spart man sich die Pendlerei und man kommt leicht mit anderen Austauschstudenten in Kontakt. Die meisten Studenten, die nur ein Semester an der Fudan sind, suchen sich ausserhalb des Campus eine Wohnung. Wenn man viele Punkte macht, ist es wahrscheinlich besser auf dem Campus zu wohnen. Doch wenn man nicht mehr als 30 ECTS macht, hat man nicht so viel Präsenzzeit und eine eigene Wohnung/WG ist wohl besser. 

Die Wohnungssuche ist sehr einfach, sofern man sich nur ein Zimmer oder eine eigene Wohnung sucht. Auf smartshanghai.com sind viele offene Zimmer aufgeschaltet. Nach Kontaktaufnahme mit dem zuständigen Makler, kann man die Wohnung besichtigen und wenn es passt auch sofort einziehen.

Etwas schwieriger gestaltet sich die Wohnungssuche, wenn man mit Freunden eine neue WG gründen möchte. Auf smartshanghai.com werden meistens nur Zimmer in bestehenden WGs oder 1-/2- Zimmerwohnungen angeboten. Man muss also ein bisschen Glück haben, das in einer bestehenden WG gleich mehrere ausziehen. 

Universität

Die Fudan Universität soll die drittbeste in ganz China und die beste in Shanghai sein. Das Niveau und die Unterrichtsform unterscheidet sich aber dennoch stark von dem der Universität Zürich. Der Bezug zur Ökonomie ist an der Fudan University ein anderer als in Zürich. Da die Studenten aus fast allen Ecken der Welt kommen, werden relativ wenig Ökonomiekenntnisse vorausgesetzt und darum wird sehr wenig mit Modellen gearbeitet. Viele Vorlesungen beziehen sich eher auf den Reformprozess und die momentane Lage von China. In den meisten Fächern gibt es neben einer Abschlussprüfung noch andere Prüfungsleistungen wie Vorträge, Papers oder Zwischenprüfungen.

Im EMA-Programm (VWL-Programm für Austauschstudenten) gibt es nicht so viele Kurse, insebesondere wenn man sie in den Wahlpflichtfächer anrechnen lassen will. Man ist aber berechtigt bis zu 12 ECTS ausserhalb dieses Programms zu machen. Ausserdem gibt es die Möglichkeit ein paar Kurz-Kurse mit chinesischen Studenten zu absolvieren. Diese sind meistens sehr interessant und auch ein bisschen mathematischer bzw. anspruchsvoller als die Kurse vom Austauschprogramm. Es lohnt sich aber auf jeden Fall den einen oder anderen Short Course zu wählen. Diese sind teilweise bereits Anfang Semester, so hat man die Möglichkeit sich bereits zu Beginn ein paar Punkte zu sichern.

Ähnlich wie an der Uni Zürich kann man auch an der Fudan in den ersten zwei Wochen in alle Vorlesungen reinsitzen und sich erst dann definitiv für die Fächer anmelden.

Leben/Freizeit

Eines wird es einem in Shanghai bestimmt nicht und zwar langweilig. Man kann jederzeit irgendetwas unternehmen. Die meisten Unterhaltungsmöglichkeiten sind auch einiges günstiger als bei uns. Bei den Chinesen muss immer irgendwas laufen und sie lassen sich sehr schnell begeistern. So kann es auch nach vier Monaten noch spannend sein, einfach die Haupteinkaufsstrasse hinauf zu spazieren und sich an den vielen Tanz- und Musikdarbietungen zu amüsieren. Das Leben der Chinesen findet viel mehr auf der Strasse statt als bei uns. Für Chinesen ist es völlig normal, wenn man sich abends auf der Strasse oder in einem kleinen Restaurant sein Abendessen holt. Ich habe mich dem völlig angepasst und fast nie selber gekocht. Durch die grosse Konkurrenz ist das Essen auch sehr erschwinglich und meistens sowieso günstiger (und besser) als wenn man selber kocht.

Shanghai mit seinen zwei Flughäfen und den vier grossen Bahnhöfen bietet sich ideal an um auch während des Semesters China zu bereisen. Zwar herrscht in den meisten Kursen strikte Anwesenheitsplicht, doch die Kontrollen sind sehr lasch und man kann sich ohne Probleme erlauben, ein oder zweimal zu fehlen. Falls man während den Ferien (im Herbst während des Nationalfeiertages und im Frühling während des chinesischen Neujahrs) wegfahren möchte, sollte man relativ früh mit der Planung beginnen, da die Flüge und Hotels stark ausgelastet sind. Man kann während diesen Wochen ohne Probleme umherreisen. Man muss dann zwar etwas mehr Geduld haben, doch in Shanghai ist es genau dasselbe, da Shanghai selber ein beliebtes Touristenziel ist.