Erfahrungsberichte

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Wer

michael_brandenberger[at]hotmail.com

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

12/13 SS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University - School of Management

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Ein Austauschsemester lohnt sich eigentlich immer und ich würde es bestimmt nochmals machen. Man lernt schnell interessante Leute kennen und man hat viel Zeit um herumzureisen und neue Erfahrungen zu sammeln. Ich habe schon im Bachelor an einem Austauschprogramm in Schweden teilgenommen. Allerdings lohnt es sich viel mehr, Europa zu verlassen, da die kulturellen Erfahrungen umso beeindruckender sind.

Vorbereitung

Ich habe keine besonderen Vorbereitungen getroffen, höchstens ein paar Wörter gelernt. Allerdings sollte man sich intensiver damit befassen, da die meisten Leute in Shanghai kein Englisch sprechen. Daher sind vor allem Zahlen, Richtungsangaben etc. sehr wichtig um sich zu verständigen und man sollte am besten ein paar Chinesisch Lektionen im voraus nehmen.

Bezüglich Visum gibt es unterschiedliche Erfahrungen, ich wollte ein ein Multiple Entry Visum, allerdings wollte man mir keines geben. Andere Studenten kriegten bereits in der Schweiz ein Multiple Entry Visum. Zuerst erhielt ich ein F Visum, also ein Single Entry Visum. In Shanghai musste ich anschliessend zum Medical Check für ca. 600 CNY und danach erhielt ich ein Multiple Entry visum für ca. 400 CNY. Allerdings war das Visum 3 Wochen kürzer als mein F Visum. Dies war alles sehr umständlich.

Zuerst wohnte ich im Hotel, da lohnt es sich dieses über CTRIP.com zu buchen und ein Konto zu erstellen, da es oft billiger is. Man kriegt zudem Punkte und kann diese in Gutscheine umtauschen. Dadurch kann man ab und zu gratis übernachten. Auch die Inlandflüge in China sind billiger über CTRIP. Das Hotel sollte unbedingt an der Metrolinie 10 liegen. Sonst dauert die Reise an die Uni zu lange.Unbedingt die Adresse des Hotels in Chinesisch ausdrucken, sonst hat man mit dem Taxi keine Chance.

Ankunft

Es lohnt sich, mindestens 1 Woche vor der Informationsveranstaltung in Shanghai einzutreffen. Dadurch hat man genügend Zeit, sich eine Wohnung zu suchen und die Stadt zu besichtigen. Sonst wird es knapp, vor allem da die Wohnungssuche aufwendig ist.

Zudem unbedingt im Voraus ein Hotel buchen und die Adresse in Chinesisch ausdrucken, damit man es einfacher findet. Obwohl Shanghai sehr international ist, können die meisten Leute kein Englisch. Ich hatte in 5 Monaten keinen einzigen Taxifahrer, der fliessend Englisch sprechen konnte.

Zimmersuche
Wohnen

Ich habe für 4 Monate in einer WG mit 2 Mitbewohnern gewohnt. Unsere WG war an der Linping Road, ca 20 Minuten vom Zentrum und 45 Minuten von der Uni entfernt. Um zur Uni zu gelangen, musste man einmal die Metro wechseln. Dies ist nicht zu empfehlen. Am besten ist eine Wohnung an der Linie 10, wie bspw. Xintiandi oder Yuyuan Garden.  

Die Miete betrug ca. 2670 CNY im Monat pro Person. Dazu fallen Nebenkosten über ca. 300 CNY pro Person und Monat an und die Provision für den Agenten (zwischen 4000-8000 CNY für die gesamte WG) und man muss zudem 1 Monatsmiete hinterlegen. Zusätzlich mussten wir alles auf einmal bezahlen, ca. 45000 CNY insgesamt. Dies ist ziemlich umständlich, da man maximal 3000 CNY auf einmal abheben kann.

Es empfiehlt sich jedoch trotzdem, nicht auf dem Campus zu wohnen, da dieser weit vom Zentrum entfernt ist. Allerdings ist die Wohnungssuche schwierig wenn man kein Chinesisch kann und da die meisten Agenten keine Mieter für nur 4 Monate wollen. Wenn man dazu noch viel herumreist, lohnt sich der Aufwand nicht mehr, da man auch  sehr billig in Hotels wohnen kann, wenn man ein bisschen verhandelt.

Universität

Es gilt zu bemängeln, dass es in Shanghai keine Introduction Week gibt. Als ich in Schweden ein Austauschsemester machte, gab es vor Semesterbeginn eine Einführungswoche, wo man alle Studenten, Clubs, Sehenswürdigkeiten sah. Zudem erhielt man wichtige Tips bspw. zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, Bankenverbindungen etc. Dies war in Shanghai nicht der Fall. 

Anwesenheit ist Pflicht an der Uni, entweder hat man ungefähr 3.5 Stunden Unterricht pro Fach und Woche, oder man hat ein Blockseminar. Diese dauern 4 Tage und jeweils von 9 Uhr bis 17:30. Die Anwesenheit wird auch in der Note berücksichtigt. Da man oft auch Aufgaben und Cases lösen muss, ist der Aufwand mit der Uni Zürich vergleichbar.

Power and Negotiation: Sehr empfehlenswert, schon nur aufgrund der Professorin, welche sehr kompetent und motiviert ist. Dieses Fach besteht aus wöchentlichen Pflichtlektüren, Verhandlungssimulation in den Unterrichtstunden und Besprechungen. Man übernimmt eine Rolle, bspw. ein Hauskäufer und muss den Preis mit einem Klassenkameraden, dem Hausverkäufer aushandeln. Interessant waren auch die Mehrparteienverhandlungen. Ich habe sehr viel im Kurs gelernt und konnte dies auch oft auf den Chinesischen Märkten anwenden, bspw. beim Kauf eines Anzuges.

 Operations Management According to Lean Principles: Dieser Kurs behandelte Lean Management, oder auch schlanke Unternehmensführung. Dieser Kurs war sehr stark an Toyota angelehnt,da diese bezüglich Lean immer noch der Massstab sind. U.a. wurden die Toyota- und Bosch Produktionssysteme behandelt, da der Professor bei Bosch für die Implementierung zuständig war. Bewertet wurde die Anwesenheit und Partizipation, 2 Gruppenpräsentation und einen Kurztest (nur 10%). Im grossen und ganzen war die Bewertung sehr subjektiv und meines Erachtens nur schwierig nachvollziehbar.

Investments: Der aufwendigste Kurs meines Austauschsemesters. Dieser Kurs behandelte ein grosses Spektrum wie bspw. Portfoliotheorien, CAPM Modell, Effizienztheorie, Indexberechnungen, Optionen und Leerverkäufe, margin calls und weitere. Gleichzeitig musste man online aktiv (oder auch passiv je nachdem) ein Portfolio managen und eine Strategie entwickeln. Ohne Grundkenntnise wäre dieser Kurs sehr schwierig. Benoted wurde die Anwesenheit und Partizipation in den Case Besprechungen, die Strategy und Returns des Portfolio Management Spiels, die wöchentlichen Hausaufgaben und der Test am Ende des Kurses.

Game Theory and Business Strategy: behandelte u.a. Nash Gleichgewichte, gemischte Strategien, Cournot und Bertrand Duopol Modelle,  Oligopol-pricing, Spiele mit mehreren Repetitionen und Commitment. Während dem Unterricht wurden verschiedene Beispiele mit den Studenten durchgeführt. 50% der Benotung resultierte aus dem Strategiespiel. 2 Studenten bildeten ein Team, 3 Teams bildeten eine Industrie, und alle Industrien zusammen bildeten den gesamten Markt. Anschliessend musste jedes Team einen Preis und Menge für ein Produkt festsetzen. Nachfrage und Angebot bestimmte anschliessend die Erträge für die einzelnen Teams. Das Spiel dauerte 12 Runden und die Gesamterträge flossen anschliessend in die Note ein. Der Einfluss auf die Note ist sehr gross und zumindest zu Beginn beruhen die Erträge stark auf Glück und den Entscheidungen der anderen Teams.Den Rest der Note machten die Gruppenpräsentationen sowie ein Takehome Exam aus.

 Risk Management: Ein Kurs Hong Kong University. Die Mitstudenten sind ungefähr 30-35 Jahre alt. Behandelt wurden verschiedene Risikoarten wie Operationelle Risiken, Kreditrisiken und Marktrisiken und wie man diese identifizieren und managen kann. Ein grosser Fokus wurde auf den Value at Risk gelegt und es mussten simulationen in Excel durchgeführt werden. Benotet wurde die Anwesenheit, ein Harvard Business School Case in der Gruppe sowie einer individuell lösen, und ein Takehome Exam, welches u.a. Microsoft Excel Simulation verlangte. 

 Managerial Economics and Decision Making: behandelte vor allem Management Entscheidungen hinsichtlich Fusionen, Konkurrenz und Markteintritten. Es wurden auch die vollkommene Konkurrenz, Mono- und Duopole, Opportunitätskosten, Verträge, Anreize, Spieltheorie und Eintrittsentscheidungen betrachtet. Die Studenten waren zwischen 27-32 Jahre alt. Benotet wurden 4 Harvard Cases, welche in den Gruppen behandelt wurden. Diese betrafen Boeing vs. Airbus, Cola vs. Pepsi, Arthur Andersen Exon Mobile Skandal und der Markteintritt von Coca Cola in China.  Zudem gab es eine Prüfung am Ende des Kurses.

Leben/Freizeit

Shanghai hat man ziemlich schnell gesehen. Einige Highlights sind der Jing'an Temple, Yuyuan Garden, Fabric Market an der Nanpu bridge, Fake Market an der Nanjing Road 580 oder die diversen Bars. Um die Aussicht über die Stadt und einen Drink zu geniessen, empfiehlt sich die Vue Bar, Roosevelt Rooftop Bar oder der HSBC Tower. Auch das Nachtleben ist ziemlich aufregend. Als Ausländer kommt man in die meisten Clubs gratis rein und kann aufgrund von Promotern meistens gratis trinken. Allerdings sind die Getränke mit Vorsicht zu geniessen da der Alkohol vermutlich nicht von bester Qualität ist.

Verhandeln

Auf den verschiedensten Märkten kriegt man eigentlich alles was man braucht, allerdings ist es schwierig, die Preise richtig einzuschätzen. Chinesische Sprachsoftware kriegt man ca für 20-30 CNY, Converse Schuhe für 50 CNY, einen Anzug für 400-500 CNY, Hemden für 100 CNY, Krawatten für 10 CNY und Koffern für 140 CNY. Mit der Zeit nervt jedoch das verhandeln nur noch. Insbesonders auf dem Fake Market sollte man als Anfangspreis 10-20% des Verkäuferpreises nehmen, da diese immer viel zu viel anfangen. Ein Teeset erhielt ich für 80, nachdem der Anfangspreis 450 war und Essstäbchen für 30, nachdem der Preis am Anfang 170 war (und ich bin kein guter Verhandler). 

Reisen

Ich bin sehr oft rumgereist und habe meistens Chinesische Billigflieger genommen. Meiner Erfahrung nach bucht man am besten mit  Ctrip.com. Fluglinien wie China Eastern Airlines, Shenzhen Airlines etc. sind alle in Ordnung. Nur auf Spring Airlines sollte man verzichten. Diese hat auch unter den Chinesen einen sehr schlechten Ruf. Allerdings braucht das Reisen sowieso Geduld. Nur 28.7% aller Flüge aus Shanghai sind pünktlich.  Ich kann vor allem Hongkong, Guilin und die Longji Rice Terrassen, Yangshuo und Xi'an empfehlen. In der Nähe von Shanghai lohnt sich vor allem Suzhou, mit vielen schönen Chinesischen Gärten. Insbesonders in nicht allzu touristischen Orten wird man sehr freundlich begrüsst. Viele Chinesen wollen ein Foto machen und winken, wenn sie Ausländer sehen. Das fand ich sehr lustig. Für detailliertere Auskünfte und Fotos stehe ich gerne zur Verfügung.