Erfahrungsberichte

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Wer

stadi88[at]bluewin.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

12/13 SS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Dieses Austauschsemester war sicherlich die kulturell interessanteste Erfahrung, die ich bis jetzt gemacht habe. China und Shanghai sind sehr eindrücklich und man realisiert, wie klein die Schweiz ist und wie riesig und beeindruckend dieses Land ist. Zusammengefasst kann ich sagen, dass ich hier eine der besten Zeiten in meinem Leben hatte und den Austausch enorm genossen habe.

Vorbereitung

 Die Vorbereitung ist mit dem ganzen Bewerbungsprozess an der Uni Zürich und dem zusätzlichen Eintippen aller Infos auf dem Online-Portal der Fudan sehr zeitintensiv und umständlich. Die ganze Organisation und Zusammenarbeit zwischen den Universitäten könnte noch verbessert werden. Ich habe insgesamt sicherlich um die 100 E-Mails geschrieben, sei es wegen Problemen bei der Bewerbung, Online-Portalen die nicht funktionierten, weil ich keine Antwort bekommen habe, oder weil ich keine Finance-Fächer besuchen konnte. Aber schlussendlich muss ich sagen, der ganze Aufwand lohnt sich, weil Shanghai eine geniale Stadt ist und man auf eine total andere und interessante Kultur trifft.

Es gibt 3 verschiedene Visa Typen: Single Entry, Double Entry und Multiple Entry. Falls ihr während oder nach dem Semester reisen wollt, würde ich euch das Multiple Entry Visum empfehlen. Es ist nicht leicht dieses zu bekommen und bei der Vergabe herrscht ziemliche Willkür. Normalerweise muss man einen Gesundheitscheck im Spital absolvieren und kann nicht einmal dann sicher sein, ob man das Visum auch bekommt. Ich habe keinen Gesundheitscheck gemacht und gesagt, dass ich im März nach Hause muss, weil mein Bruder Vater wird und zudem nach Hongkong und Macao gehen werde, so habe ich das Multiple Entry Visum erhalten. Wenn das nicht klappt, kann man sein Single Entry Visum hier in Shanghai in ein Multiple Entry umwandeln, muss dafür aber den Gesundheitscheck durchlaufen (dieser ist jedoch viel billiger als in der Schweiz).

Um eine Wohnung würde ich mich nicht im Vorhinein kümmern, sondern einfach für die ersten 4 Tage ein Hotel buchen, eine chinesische Nummer besorgen und dann die Vermittler anrufen. Generell sollte man nicht zuviel vorausplanen, da in Asien immer viel unvorhergesehenes passieren kann und es am Ende dann trotzdem immer eine Lösung gibt. 

Ankunft

Es gibt drei Möglichkeiten um vom Pudong Airport in die Stadt zu kommen:

1. Mit der Metro Linie 2 bis in die Innenstadt (East Nanjing, 65 Minuten, 6 RMB) oder bis zum Campus (Wujiaochang, umsteigen auf die Linie 10 an der East Nanjing Road). Dabei muss beachtet werden, dass die Linie 2 von Pudong Airport nur bis Guanglan Road fährt und man dort die Metro wechseln muss um bis zur East Nanjing Road Station zu gelangen, ansonsten fährt man wieder zurück (wie meine Mitbewohnerinnen ;)). Die Metro fährt nur zwischen 6 Uhr morgens und 11 Uhr Abends.

2. Mit dem Maglev bis zur Longyang Road Station (ca. 7 Minuten; 50 RMB) und dort auf die Metro Linie 2 wechseln. Die Dauer verkürzt sich dadurch auf etwa 40 Minuten und man sollte sicherlich einmal mit diesem Hochgeschwindigkeitszug (Spitzengeschwindigkeit 300 oder 400 km/h je nach Zeitpunkt) fahren.

3. Die Fahrt mit dem Taxi bis in die Innenstadt kostet circa 200 RMB (Dauer circa 45 Minuten je nach Verkehr), bis zum Campus wohl etwas mehr (ca. 250 RMB). Dabei sollte man beachten, dass man auf jeden Fall die Chinesische Adresse bei sich hat, da die Taxi Fahrer absolut kein Englisch sprechen. Zusätzlich würde ich die offiziellen Taxis nehmen und mich nicht auf die Pauschalangebote der Fahrer, die einen gerade beim Ausgang abfangen, eingehen. Falls die Schlange beim offiziellen Taxistand zu lang ist, einfach zwei Stockwerke höher ein Taxi nehmen, welches einen Fahrgast beim Check-in abgeladen hat.

Wenn in der Schweiz Geld wechseln, dann nur ein Minimum und in Shanghai am Flughafen mit einer Bankkarte (Postcard, Maestro) Geld beziehen. Das Maximum eines Bezugs liegt zwischen 2'500 RMB und 4'000 RMB (Citibank). 

Zimmersuche
Wohnen

Die Zimmersuche ist in Shanghai viel einfacher als in Zürich. Wir haben uns für die ersten 4 Tage ein billiges 3-Sternehotel im Zentrum gebucht und wollten möglichst schnell eine Bleibe finden. Auf http://www.smartshanghai.com/housing kann man etliche freie Wohnungen und Zimmer finden. Ich würde jedoch empfehlen, einige Agents auf Smartshanghai anzuschreiben und nach weiteren Wohnungen zu fragen. Wir hatten Kontakt mit circa 5 Agents, die uns verschiedene (oder zum Teil auch die gleichen) Wohnungen gezeigt hatten. Die Agents sind sehr flexibel und normalerweise kann man einen Tag nach dem ersten Kontakt die gewünschten Wohnungen besichtigen. Wir haben uns für eine Wohnung an der Linie 10 (direkt zur Uni) entschieden und haben zu Dritt ein 170 Quadratmeter Appartment geteilt, dies zu einem Preis von nur 11'000 RMB (circa 1'700 CHF).  Bei Vertragsabschluss ist es üblich, dem Agent eine Fee zu zahlen (3000 RMB in unserem Fall). Unser Agent Mike war immer hilfsbereit und nett, hier seine Nummer und E-Mailadresse: +86'138'1617'0970; mike@newhomechina.com . Generell würde ich empfehlen eine Wohnung im Zentrum zu nehmen und nicht auf dem Campus zu wohnen, da die meisten Austauschstudenten Downtown wohnen.

Universität

Es gibt verschiedene Schulen an der Fudan, die School of Management und die School of Economics. Die Uni Zürich schickt jedes Semester 5 Studenten, 2 davon an die School of Management, 2 an die School of Economics und einen Studenten mit dem Gesamtuniversitären Abkommen. Ich war für den gesamtuniversitären Austausch nominiert. Anders als der Namen zu glauben gibt, kann man aber nicht Fächer an der ganzen Universität besuchen, sondern nur jene der School of Economics. Ich als Banking & Finance Student musste daher Fächer der School of Economics wählen, welche genau ein einziges Finance Fach angeboten hat. Da ich schon einen Teil meines Freifachtopfes gefüllt hatte, habe ich nur 3 Kurse besucht. Es war mir nicht bewusst, dass ich nur Fächer der School of Economics und keine der School of Management nehmen kann und dies wurde mir von den Verantwortlichen auch nicht im Vorhinein mitgeteilt (obwohl man ja bei der Bewerbung angeben muss, welche Fächer man besuchen möchte). Ansonsten wäre ich in Shanghai gewesen und hätte keine Punkte machen können, resp. einfach ein Semester verloren. So habe ich nun 16 ETCS in Shanghai belegt und durch das freundliche Entgegenkommen von Professor Hens die Financial Economics Prüfung in Shanghai ablegen können.

Die Kurse an der School of Economics waren fachlich gesehen nicht auf dem Master Niveau der Uni Zürich. Ich besuchte China's Financial System, Chinese Language & Culture und Environmental & Energy Econimics. Ich musste insgesamt 3 Papers (5 Seiten, 10 Seiten und 15 Seiten) schreiben, zwei Präsentationen halten und 1 Prüfung schreiben. Zudem gab es keine offizielle Anwesenheitspflicht (soviel ich weiss, herrscht aber an der School of Management Anwesenheitspflicht) und ich war nach dem ersten Monat nur noch sehr selten an der Uni anzutreffen. Im Nachhinein würde ich sicherlich den Chinesischkurs (Basic Chinese) anstelle von Environmental Economics besuchen. Auch würde ich empfehlen, im Vornhinein einen Chinesischkurs an der Uni Zürich zu besuchen und die Chinesischkenntnisse von Anfang an in Shanghai zu vertiefen (was ich leider beides nicht getan habe), da man sonst nie richtig anfängt. 

Leben/Freizeit

Meiner Ansicht nach ist dies der wichtigste Punkt eines Austauschsemesters und Shanghai ist eine Top Destination für einen halbjährigen Aufenthalt.

Transport:

Ich würde jedem empfehlen einen Scooter zu kaufen. Ich habe für meinen Elektroscooter ca 3500 RMB (ca. 550 CHF) bezahlt. Gekauft habe ich ihn bei Electric Motor Home an der 1360 Xietu Road. Das Personal spricht kein Englisch. Am besten kauft ihr eine stärkere Batterie und eine Kette als Schloss (mein erster Scooter wurde gestohlen). Mit dem Scooter kommt man viel schneller voran als mit der Metro oder dem Taxi (Verkehrsregeln scheint es für Scooter nicht zu geben). Die Fahrt vom Yuyuan Garden bis zur Uni dauerte knappe 20 Minuten, anstelle von 40 Minuten mit der Metro. 

Alternativ kann man natürlich auch die Metro brauchen. Das Metronetz ist sehr gut ausgebaut und die Fahrten sehr billig (3 oder 6 RMB je nach Distanz). Ich würde empfehlen eine Metrokarte zu kaufen, die mit Geld geladen werden kann, einzelne Fahrten sind jedoch gleich teuer. Die Metro fährt nur zwischen 6 am und 11 pm. 

Auch Taxi fahren ist sehr billig. Die Grundtaxe beläuft sich auf 14 RMB (in der Nacht 18 RMB) und die ersten 3 Kilometer sind darin enthalten. Im Durchschnitt kostete uns eine Taxifahrt vielleicht etwa 25 RMB. 

Restaurants:

In Shanghai gibt es eine riesige Vielfalt an Restaurants jeder Preisklasse. Am Anfang haben wir noch ab und zu Chinesisch gegessen, haben uns aber bald wieder nach anderem Essen gesehnt (ich bin generell eine bisschen enttäuscht vom Chinesischen Essen auch wenn es einige sehr gute Gerichte gibt). Hier eine Liste für gute Restaurants:

- Thailändisch: Urban Thai, Simply Thai, Coconut Paradise

- Türkisch: Pasha

- Griechisch: Greek Taverna

- Chinesisch: Lost Heaven, Sichuan Citizen, Spicy John

- Italienisch: Casanova (edel), Wagas (Kette mit guter Pasta)

- Schweizerisch: Abbey Road

- Steak: Marriot

- Amerikanisch: Kabb

- Salat: Element Fresh

Ich habe sicherlich noch viele weitere gute Restaurants vergessen, aber die oben genannten kann ich alle wärmstens weiterempfehlen.  

Sport:

- Es gibt viele Fitnesscenter, eine Kette ist  das Tera Fitness.

- Fussball: Es gibt in Shanghai viele verschiedene Fun-Ligen, ich habe in der Shanghai International Football League (SIFL) gespielt und kann das Team Re-United (1. Division) oder 3-United (2. Division) wärmstens empfehlen. Es wird einmal in der Woche trainiert (Mittwoch), am Samstag gespielt (11 gegen 11) und am Montag gibt es noch ein zusätzliches Spiel (7 gegen 7). Die Spieler kommen von überall (Deutschland, England, Holland, Österreich, USA, Spanien, Japan, Burundi, Kamerun, etc.). Hier die Kontaktdetails des Coaches Sebastian Becker: shanghaireunited@gmail.com resp. +86'156'0190'9886

- Es ist auch möglich an der Uni Sport zu treiben, aber soviel ich weiss, sind die Anlagen und Geräte nicht die besten. 

Nachtleben:

Das Nachtleben in Shanghai hat enorm viel zu bieten. Bars haben oft Happy Hours zwischen 17.00 und 20.00. Die Clubs möchten vor allem Westler als Gäste haben, da das Wahrscheinlich die vermögenden Chinesen anzieht. Deswegen gibt es viele Promoter, die 5 Mal in der Woche in einem Club sind und dafür bezahlt werden, Westler mitzubringen. Meistens gibt es einen Promoter Tisch, an dem Gratis getrunken werden kann. Hier die Nummer von Neal der für die Organisation Don Nico arbeitet: +86'187'2138'1109. Einfach eine SMS schreiben und fragen, wo er arbeitet und wie du reinkommst. Generell zahlt man fast nirgends Eintritt um in einen Club zu kommen. Wir haben uns vor allem in den folgenden Clubs aufgehalten: Mint (edel), Bar Rouge (edel), M2, Muse on the Bund, Hollywood, Mook, Ladies Night im Flaschenöffner (94 Stock am Mittwoch), S2, Rich Baby. Übrigens: eine ID muss nie gezeigt werden.

Reisen:

Rund um Shanghai gibt es verschiedene Water-Towns, die man an einem Tag erkunden kann. In China sollte man neben Shanghai sicherlich Guilin, Beijing, die Yellow Mountains und Xian sehen. Natürlich gibt es noch viele weitere Sehenswürdigkeiten. Ich persönlich war, bevor ich nach Shanghai kam, in Thailand, Kambodscha, Laos und Myanmar. Während dem Semester in Beijing, Guilin und auf den Philippinen. Nach dem Semester in Japan, Hongkong/Macao und Südostasien. Reisen in Asien ist sicherlich billiger als in der westlichen Welt und ich würde empfehlen, möglichst viele dieser grossartigen Länder zu bereisen.

Apps: 

Das Smartshanghai-App ist ein Muss! Alternativ kann Google Translate die Konversation und Explore Metro Shanghai die Zeitplanung einer Metrofahrt erleichtern.