Erfahrungsberichte

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Wer

nadia_nietlispach[at]hotmail.com

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

12/13 SS

Universität

CN-
Shanghai - Fudan University - School of Management

Studienfach

Betriebswirtschaftslehre (3010)

Gesamteindruck

Das Austauschsemester an der Fudan Management School in Shanghai war eine äusserst bereichernde Erfahrung. Auf der einen Seite ermöglichte mir der Austausch, Kurse an der Fudan Management School zu belegen und meine Kenntnisse im Bereich Management zu vertiefen. Auf der anderen Seite konnte ich durch das Studieren und Leben in Shanghai die chinesische Kultur besser kennen lernen und meine interkulturelle Kompetenz verbessern.

Die Kurse an der Partneruniversität sind im Vergleich zu den angebotenen Kurse an der Universität eher praxis orientiert und vermitteln Wissen, das in der Arbeitswelt von grossem Nutzen ist. Die Studierenden haben meist zwischen drei bis sechs Jahre Arbeitserfahrung gesammelt und gehören oft dem Kader einer Unternehmung an, was die Gespräche und Diskussionen sehr interessant macht. Der Unterricht ist zudem sehr interaktiv gestaltet. Präsentationen, Gruppenarbeiten, Diskussionsrunden und Simulationen sind meist fester Bestandteil des Unterrichts. Die Klassen sind gut durchmischt, so dass man die Möglichkeit hat, sowohl mit Austauschstudenten aus vor allem europäischen Universitäten als auch chinesischen und wenigen nicht-chinesischen MBA-Studenten Kontakte zu knüpfen. Für mich waren insbesondere diejenigen Kurse interessant, welche interkulturelle Aspekte aufzeigten wie beispielsweise Leadership Development oder Lean Management in China und Europa.

Shanghai ist eine pulsierende Stadt, die Vieles zu bieten hat. Nebst Museen und lebendigen Pärke, findet man in Shanghai auch traditionelle Quartiere mit historischen Gebäuden und moderne  Businessdistrikts mit hohen Wolchenkratzer. Nicht nur kulturell und historisch, sondern auch kulinarisch ist Shanghai interessant. Die Stadt bietet eine weite Palette von nationalen Küchen, die von süsslicher Shanghai Küche und scharfer Hunan Küche bis leicht gewürzter Guangdong Küche reicht. Shanghai ist ausserdem zentral gelegen und von mehreren Sehenswürdigkeiten umgeben. Die berühmte See-Stadt Hangzhou in der Nachbarprovinz Zhejiang sowie die angesehene Park-Stadt Suzhou in der Nachbarprovinz Suzhou sind innert kürzester Zeit mit dem Zug erreichbar.

Ich bin sehr mit dem Austausch zufrieden und glaube, dass ich sowohl vom erworbenen Management-Wissen als auch der verbesserten interkulturellen Kompetenz und dem Verständnis für die chinesische Kultur in meinem zukünfitgen Berufsleben profitieren werde.

An dieser Stelle möchte ich mich gerne bei der Zurich Financial Services Group für das grosszügige Unterstützungsangebot bedanken.

Vorbereitung

Die Einschreibung an der Fudan Management School erfolgte anfangs Dezember. Zusätzlich zur Bewerbung an der Universität Zürich musste ich mich separat an der Fudan Management School bewerben. Dazu musste ich ein Dossier zusammenstellen, welches ich anschliessend per Post nach Shanghai verschickte. Nachdem die Fudan Management School die Aufnahme mit einem Schreiben bestätigt hatte, erhielt ich einen Benutzername und ein Passwort, das mir Zugang zum Studentenportal verschaffte. Ähnlich wie an der Universität Zürich konnte ich im Studentenportal die Vorlesungen buchen. Das Portal wurde ungefähr Ende Dezember freigeschaltet, buchen konnte ich anfangs Januar.

Einen Sprachkurs hatte ich nicht besucht, da ich bereits über Chinesisch Kenntnisse verfügte. Allerdings denke ich, dass es sehr hilfreich ist, wenn man zur Vorereitung einen Einführungskurs besucht. Obwohl ein Vorbereitungskurs niemals dazu reicht, um danach fliessend chinesich sprechen zu können, erhält man einen vertieften Eindruck in die chinesiche Kultur, die eng mit der Sprache verflochten ist. Daher empfehle ich es wärmstens, im Voraus einen Kurs zu besuchen.

Ankunft

Die Ankunft verlief reibungslos. Mit der Metro fuhr ich vom Flughafen in die Innenstadt. Die Beschriftung in der Metro sowie auf den Strassen ist jeweils auf Chinesisch und Englisch, sodass man auch ohne Chinesisch Kenntnissen den Weg findet. 

Bis wir zu dritt eine Wohnung gefunden hatten, wohnten wir vorübergehend in einem Hotel, das wir im Voraus gebucht hatten. An der Fudan Management School wurden wir in der ersten Woche dazu aufgefordert, uns einzuschreiben. Diejenigen, die ihr Visum in ein Mutli-Entry umwandeln wollten (in der Schweiz erhielten wir ein Single-Entry F-Visum), mussten sich ausserdem einem Medical Test unterziehen. Da ich jedoch nicht vorhatte, während dem Austausch auszureisen, und deshalb kein Mutli-Entry Visum benötigte, musste ich keinen Medical Test machen. Ich empfehle den Studenten, in der Schweiz ein normales halbjähriges single-Entry Studenten F-Visum zu benatragen, dieses kann in Shanghai problemlos in ein Mutli-Entry Visum umgewandelt werden.

Zimmersuche
Wohnen

Mit einem Mitstudent der Universität Zürich und einem Deutschen Student wohnte ich in einer Wohnung, die zwischen der Fudan Management School und dem Stadtzentrum lag. Dies war sehr praktisch, da wir einerseits mit der Metro Linie 10 innert 20 Minuten an der im Norden der Stadt gelegene Fudan Management School waren, und anderseits innert 20 Minuten das Stadt Zentrum erreichen konnten. Wir wählten ausserhalb der Schule zu wohnen (d.h. nicht in den Dormitories der Universität), weil wir damit mehr Freiheit geniessen und auch abends Gäste einladen konnten.

Die Wohnung fanden wir vor Ort über einen Agenten, der eine Kommission von einer Monatsmiete für seine Betreuung und Vermittlung erhielt, die zur Hälfte vom Landlord übernommen wurde. Nachdem wir uns über die ungefähre Lage der Wohnung entschieden hatten, suchten wir Vermittlungsagenturen im Quartier auf, die uns diverse Wohnungen zeigten. Es war relativ einfach, eine Wohnung zu finden. Es half sehr, dass ich über Chinesich Kenntnisse verfügte, da die Agenten meist kein Englisch sprachen. Alternativ hätte man auch im Internet nach Wohnungen suchen können. Eine beliebte Adresse ist smartshanghai, wobei die Homepage vorallem für Expats gedacht ist und die Preise somit etwas überteuert sind.

Die Wohnungsmiete variert je nach Grösse und Quariter. Für eine eingerichtete Dreizimmer Wohnung mit zwei Badezimmer und einem grossen Wohnzimmer zahlt man ungefähr zwischen 6000 und 12000 Reminbi. Hinzu kommen noch die Nebenkosten (Internet, Strom, Gas, Wasser).

Universität

Die Fudan Management School lag im Norden der Stadt und war mit der Metro Linie 10 erreichbar. Die Schule lag direkt nebem dem Hauptcampus. Die Unterrichtsräume waren  von ähnlichem Standard wie an der Universität Zürich. 

Wie bereits angetönt waren die Kurse weniger Theorie-orientiert als diejenigen an der Universität Zürich, dafür jedoch involvierten sie viele praktische Beispiele und vermittelten Wissen, welches direkt in der Arbeitswelt angewandt werden konnte. Die Unterrichtsform war sehr abwechslungsreich und reichte von Präsentationen, Gruppenarbeiten, Diskussionsrunden bis Case Studies und Simulationen. Das Niveau des Unterrichts war unterschiedlich. Dasjenige der Kurse aus dem Angebot der Fudan Management School war etwas tiefer als dasjenige der Kurse aus dem MBA und Internationalen MBA-Program. Insgesamt war das Niveau allerdings tiefer als dasjenige der Universität Zürich. Nichtdestotroz habe ich von den Kursen profitiert. Insbesondere da sie praktisches Wissen vermittelten und ich viele Kontakte knüfen konnte.

Aus den insgesamt vier gewählten Kursen (Operation Management according to Lean Principles (Fudan Management School Kurs), Power and Negotiation (Fudan Management School Kurs), Service Marketing and Management (IMBA Kurs), Leadership Development (MBA Kurs)) haben mir die Kurse Marketing Services and Management und Leadership Development besonders gefallen. Nachfolgend eine kurze Beschreibung der vier Kurse.

Operation Management according to Lean Principles: Der deutsche Professor, der vor zehn Jahren das Unternehmen BOSCH in Suzhou aufgebaut hatte, vermittelte die Basics von Lean Management am Beispiel der Automobil-Industrie. Der Fokus lag hierbei auf der Lösungsfindung von praktischen Problemen in der Automobil-Industrie, welche anhand Lean Management gelöst werden können. Obwohl der Unterricht eher frontal war, so arbeiteten wir in kleinen Gruppen an Projekten, die wir während dem Unterricht präsentierten und verfassten am Ende des Kurses eine Arbeit, die wir abgeben mussten und bewertet wurde. Das Highlight des Kurses war der Besuch der Unternehmug BOSCH.

Power and Negotiation:  Im Kurs eignete ich mir diverses Verhandlungsgeschick an. In jeder Stunde wandten wir das Gelernte während simulierten Verhandlungen an und diskutierten danach über die verschiedenen Ergebnisse und die dahinter liegenden Theorien. Der Unterricht war sehr interaktiv, die Studenten waren entweder in Verhandlungen engagiert, erzählten von ihren Erfahrungen, die sie gesammelt hatten, oder beantworteten Fragen der Professorin. Die Leistungskontrolle erfolgte durch die Partizipation am Unterricht und das Verfassen einer kurzen Arbeit, die zwei Wochen nach Kursende eingereicht werden musste.

Service Marketing und Management: Der Blockkurs wurde von einem Professor der Hongkong Universität geleitet. Der Professor lehrte uns die Grundlagen von Service Marketing und beantwortete die Frage, wie Services gemanaget werden können. Dies geschah in Form von Frontalunterricht, Case Studies und Simulation. In einer Gruppe von acht Studenten führten wir eine Firma, die Services anbot und in Konkurrenz mit sechs weiteren Firmen stand. Die Leistungskontrolle erfolgte durch die Bearbeitung von Case Studies, der Präsentation der Firmenergebnisse und der Verfassung eines Reports über das Marketing und Management unserer Firma.

Leadership Development: Während dem viertägigen Blockkurs vermittelte uns der Professor von der Norwegischen Business School Wissen über Leadership, dessen Entwicklung und dessen diverse Facetten. In interaktiver und humorvoller Art zeigte der Professor die verschiedenen Theorien an Praxisbeispielen und verlangte von den Studenten, sich aktiv am Untericht zu beteiligen. Am Ende des viertätigen Blockkurs wurden die Studenten aufgefordert, in Gruppen einen Case Study und Best Practices zu präsentieren. Nebst der Präsentation mussten die Studenten eine Seminararbeit verfassen, welche zu 80% in die Bewertung einfloss.

Leben/Freizeit

Die Freizeit verbachte ich entweder mit Essen, Sport oder Reisen. Mit Freunden besichtigte ich Shanghai, unternahm Velotouren in die Umgebung oder genoss eine feine Mahlzeit. Essen ist ein wichtiges Alltagsthema der Chinesen. Sie lieben es über die diversen Küchen in China zu diskutieren und die verschiedenen Restaurants in Shanghai zu bewerten. Ich teile diese Leidenschaft und freute mich deshalb immer sehr darauf, mit Freunden essen zu gehen.

Outdoor-Sport zu treiben war aufgrund der Luftverschmutzung etwas heikel. Nachdem ich jedoch einen Mundschutz gekauft hatte, traute auch ich mich auf die Strasse. Oft suchte ich den Park auf, um dort zu rennen. Der Park ist in China sehr beliebt: In der Morgenfrühe üben Chinesen Joga oder Taichi, am Nachmittag spielen Kinder im Park und ältere Leute treffen sich für Kartenspiele oder Majong und am Abend tanzen Paare oder ältere Leute zu chinesischer Musik. Ich kaufte mir auch ein Velo und unternahm regelmässig Velotouren.

Da sich die Kurse an der Fudan Management School nicht wie in der Schweiz über das gesamte Semester erstreckten, sondern meist intensiv dafür kürzer waren, hatte ich die Möglichkeit, einen Teil von China zu bereisen. Das Reisen in China ist deshalb spannend, weil jede Region andere Sitten und Gebräuche hat. Auch die Sprache und die Küche ist von Region zu Region verschieden. Ausserdem erhält man einen besseren Eindruck vom „echten China“, wenn man nicht sich nicht nur in der modernen Stadt Shanghai aufhält, sondern auch Reisen ins Landesinnere unternimmt. Die Reisen in China haben defnitiv meinen Horizont und mein Verständnis für die chinesische Kultur erweitert.