Erfahrungsberichte

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Wer

martina.schneider2[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Austausch - OUT

Jahr

12/13 SS

Universität

CN-
Beijing - Tsinghua University

Studienfach

Rechtswissenschaft (2000)

Gesamteindruck

Tsinghua University ist einer der Top-Universitäten Chinas, einige betiteln sie sogar als die beste in einigen Fakultäten und sie brüsten sich mit dem schönsten Campus in Ostasien. Diese Ranglisten sind sehr wichtig und alle wissen davon, weswegen man grosse Augen als Antwort kriegt, wenn man sagt, an welcher Universität man studiert. nichts desto trotz darf man nicht zu hohe Erwartungen haben und denken, dass eine Institution, die die Elite des Landes ausbilden will auch dementsprechend organisiert und aufgebaut ist. Bürokratisch und organisatorisch nämlich lernt man China hier genauso gut kennen wie auf dem Polizeiposten in einem Bauerndorf fernab von Urbanität.

Es ist eine reiche Erfahrung, nicht nur oder vielleicht sogar eher nicht wegen der studentischen Angebote und Fortschritte sondern dem Leben, den Kommilitonen, dem kulturellen Plus, das man in Peking definitiv mitbekommt.

Es war ein tolles Semester, Ups und Downs wie in Zürich auch, nur tausendmal spannender und bereichender! 

Vorbereitung

Man muss sich relativ früh entscheiden und ausser einer Zusage hörte ich nicht allzu viel von der zuständigen Stelle, man muss also ziemlich selbstständig handeln.

Wichtig: Den Kopf nicht hängen lassen was das Learning Agreement angeht, die Tsinghua Universität gibt unglaublich wenige und ungenaue Informationen und es ist quasi unmöglich, ein valides Learning Agreement auf die Beine zu stellen von der Schweiz aus, also so viel Info wie möglich beschaffen und sich dann ernsthaft darum kümmern (Stempeln nachrennen und jemanden finden, der das chinesische OLAT übersetzt), wenn man in Peking angekommen ist.

Der beste Informationskanal ist die Email Adresse von der Fakultätsverantwortlichen für Austauschstudenten an der Gastuniversität. 

Visum nicht vergessen (und auch hier: Chinesische Bürokratie herrscht vor im Konsulat, also sich nicht zu knapp dort melden und nicht damit rechnen, dass das Visum auf den Tag genau dort ist).

Ankunft

Es gibt einen guten&hilfreichen Guide die Ankunft von der Tsinghua.

Termine einhalten!

Es ist sehr wichtig, dass man auftaucht, wo man sich für irgendwas registieren oder melden soll, weil gewisse Systeme schliessen und man danach Schwierigkeiten hat, etwas zu kriegen (z.B. Legi). Also den Semesterplan ernst nehmen.

Ausserdem ist einfach Geduld angesagt, damit kommt man weit :-) 

Zimmersuche
Wohnen

Ein Zimmer auf dem Campus bucht man sich noch von der Schweiz aus - online. Einzelzimmer sind beliebt wie heiße Semmeln, also better be quick. Ich habe noch nie von jemandem gehört, der kein Zimmer gefunden hat, aber man weiss nie. Wenn man nicht auf dem Campus wohnen will, ist das eine gute Option (mehr Freiheiten, 24h warmes Wasser, u.U. günstiger,...), die jedoch (fast) unmöglich zu realisieren ist, wenn man keine Chinesischkenntnisse oder Freunde in Peking hat.

Universität

Wie beim Abschnitt Gesamteindruck schon erwähnt, ist die Universität nur halb so gut organisiert wie sie es angibt zu sein. Aber der Campus ist wirklich toll, vor allem für Studenten der UZH/ETH ist es ein Filmerlebnis, mit dem Fahrrad (das man sich Anfang Semester für ca CHF15 leistet) quer durch den Campus zu fahren und alles in der Stadt in der Stadt finden zu können...Es gibt wohl über 15 Mensen, zahlreiche Shops, ATMs, Banken, ein Krankenhaus, eine Post, etc. - quasi alles, was das Herz begehrt. Einige chinesische Studenten verlassen den Campus nur einmal pro Semster weil sie hier alles finden (und weil sie sehr fleissig sind) ;-)

Das Essen in den Mensen ist meist sehr gut - eher zu vermeiden ist der Western Food auf dem Campus, man wird oft enttäuscht.

Die Hauptbibliothek, gebaut vom Schweizer Architekten Mario Botta, ist ein wahres Prachtstück und zieht sogar Bibliotheksmuffel wie mich in den Bann. Kühl, sauber, mucksmäuschenstill und beruhigend wirkt sie dem städtischen Drive entgegen.

Englisch wird nicht überall verstanden und so ist es von Nutzen, entweder viel Geduld oder seinen Buddy (wird zugeteilt Anfang Semester wenn man es wünscht) mitzubringen, wenn man etwas (ändern, fragen, einschreiben, austragen, aufladen,....) möchte. 

Leben/Freizeit

Wudaokou (五道口), so der Name des Quartiers, in dem nicht nur die Tsinghua, sondern auch die BeiDa (Peking University), die BLCU (Sprachuni, dort sind fast 100% Ausländer) und zahlreiche andere Universitäten sind wurde quasi zum Studentenviertel der Stadt. Entsprechend der Nachfrage ist vieles verwestlicht und es gibt wohl nirgends so viele Cafés wie in Wudaokou. Neben Sanlitun (三里屯), dem Hauptausgangsort in Peking) hat sich den Studenten zuliebe, die kein Taxi dorthin zahlen wollen/können, ein weiteres Ausgangsquartier entwickelt in Wudaokou, es gibt einige Clubs, zahlreiche Bars und am Wochenende ist ziemlich der Bär los. Durch die gute Erschliessung durch den öff.Verkehr (U-Bahn) ist man nicht abgeschottet.

Sport: Auf dem Campus kann man sich im Sommer selbst betätigen, es gibt viele Fussballfelder, Basketballfelder, Volleyballfelder, und Rennstrecken. Im Winter beschafft man sich entweder eine Karte für das Unifitness (kompliziert und nicht ganz günstig) oder weicht auf ein Fitnessstudio ausserhalb aus, einige sind echt erschwinglich (CHF75 für ein Semester z.B.).

Und dann geniesst man natürlich, dass man in einer riesen Megastadt ist mit unzähligen kulturellen Sehenswürdigkeiten, Shoppingmöglichkeiten, etc. :-)