Erfahrungsberichte

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Wer

julia.bauer[at]uzh.ch

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

13/14 WS

Universität

AT-WIEN01
Wien - Universität Wien

Studienfach

Psychologie (7200)

Gesamteindruck

Wien ist eine grossartige Stadt, die unglaublich viel Kultur, Architektur, kulinarische Vielfalt und insgesamt Lebensqualität bietet. Selbst nach vier Monaten hat man noch das Gefühl längst nicht alles gesehen zu haben. Die Vorlesungen und Seminare waren sehr interaktiv und lehrreich. Obwohl Wien deutschsprachig ist, habe ich ausserhalb der Universität fast nur englisch gesprochen, da ich über ESN (Erasmus Social Network) hauptsächlich internationale Kontakte geknüpft habe. Rückblickend war es eine der wertvollsten Erfahrungen, die ich bisher sammeln konnte. Ich kann es nur wärmstens empfehlen, für ein Erasmussemester nach Wien zu gehen!

Vorbereitung

Als nominierter Erasmusstudierender muss man sich für Vorlesungen oder Seminare im Vorfeld nicht anmelden, auch wenn reguläre Studierende der Universität Wien schon frühere Fristen für die Voranmeldung haben. Wenn man Sportkurse an der Uni Wien belegen möchte, muss man das allerdings schon ca. einen Monat im Voraus tun und ist kostenpflichtig. Problematisch können dann Überschneidungen mit Seminare werden. Ausser der Wohnungsfrage und des vorläufigen Learning Agreement kann man eigentlich nichts im Voraus planen. Das meiste ergibt sich in der Orientierungswoche.

Ankunft

Es empfiehlt sich auf jeden Fall die Orientierungswoche von ESN mitzumachen. Die erste findet Anfang September statt (für die Studenten, die vor dem Semester noch einen Deutschkurs belegen), die zweite Orientierungswoche in der ersten Oktoberwoche. In dieser Zeit knüpft man die ersten Kontakte zu anderen Erasmusstudenten mit verschiedenen Studienrichtungen und aus unterschiedlichen Ländern. Aus vielen dieser Bekanntschaften entwickeln sich enge Freundschaften. In der Orientierungswoche geht es nicht unbedingt nur um das Zurechtfinden an der Universität oder in der Stadt, sondern um das Kennenlernen von anderen Studenten in der gleichen Situation. Zusätzlich wird von der psychologischen Fakultät noch eine Informationsveranstaltung angeboten, in der akademische Fragen geklärt werden kann. Das Büro für Studierendenmobilität bietet ebenfalls einen Informationstag, der wichtig für Dinge wie Studierendenausweis, Meldezettel, Lageplan und sonstige Broschüren war. Es ist wichtig, sich möglichst bald das Semesterticket zu holen, da man in Wien auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen ist. 

Zimmersuche
Wohnen

Nach Möglichkeit sollte man die Wohnfrage vor der Anreise klären, da der Wohnungsmarkt zu Semesterbeginn hoffnungslos überflutet ist. Wohnheimzimmer lassen sich schon Monate im Voraus über das Internet buchen. Für WG-Besichtigungen muss man allerdings oft persönlich anreisen, manchmal kann man sich aber auch per Skype gegenseitig kennenlernen. Wenn es irgendwie möglich ist, sollte man in einen der zentralen Bezirke ziehen, am besten innerhalb vom Gürtel.

Universität

Die Universität Wien ist die größte deutschsprachige Universität der Welt. Etwa 92’000 Studierenden (und davon ca. 26’000 internationale Studenten) prägen das Universitätsleben und auch die Stadt. Allein die psychologische Fakultät umfasst etwa 8’000 Studierende. Diese Zahlen verdeutlichen den Unterschied zur Universität Zürich bezüglich Veranstaltungswahl, Organisationsaufwand, Zurechtfinden auf dem Campus und vor allem der universitären Betreuung. Ich selbst hatte dennoch das Gefühl, dass ich einen sehr persönlichen Kontakt zu dem Grossteil meiner Seminarleiter und auch zu meiner Betreuerin an der psychologischen Fakultät aufbauen konnte.

Als Erasmus-Student hat man in Wien den grossen Vorteil, dass man aus dem gesamten Vorlesungsverzeichnis (Bachelor, Master und Diplom) Veranstaltungen wählen konnte. Dazu musste man nur die Lehrveranstaltungsleiter persönlich in der ersten Veranstaltung um Aufnahme bitten. In der Regel ist dies kein Problem. Falls ein bestimmtes Seminar besonders wichtig ist, lohnt es sich auf jeden Fall im Vorfeld eine Email an den Dozenten zu schicken. Ich zum Beispiel konnte ausser einem alle gewünschten Seminare besuchen.

Wichtig ist noch zu wissen, dass alle Vorlesungen mit einer Prüfung in der letzten Januarwoche abgeschlossen werden. Als Erasmusstudent kann man in der Regel nur den ersten Prüfungstermin wahrnehmen, da die weiteren Termine oft schon im nächsten Semester liegen. Deshalb sollte man auch Seminare belegen, in denen man über Präsentationen und Seminararbeiten benotet wird. 

Leben/Freizeit

Die Kaffeehäuser und Bar's hier in Wien sind unglaublich vielfältig und erlebenswert. Auch Museen und Kunst- bzw. Fotografieausstellungen (hier empfiehlt sich besonders die Westbahnstrasse) sind empfehlenswert. Für 4 Euro kann man in der Staatsoper Stehtickets bekommen. Eine halbe Stunde vor der Aufführung gibt es in der Volksoper vergünstigte Tickets. Wer Theater mag, sollte ins Englische Theater und Burgtheater gehen. Veranstaltungen wie z.B. die Lange Nacht der Museen oder der Österreichische Nationalfeiertag (26. Oktober) darf man auch nicht verpassen. Wer Wien wie ich im Herbstsemester verbringt, kann hier auf etlichen Christkindlmärkte verschiedenste Punsch- und Glühwein-Arten durchprobieren. Meine Lieblingsmärkte: Spittelberg und altes AKH. Kulinarisch empfehle ich für den besten Tafelspitz, der zwar ein bisschen teurer ist, aber nebst dem Wiener Schnitzel unbedingt auch einmal gekostet werden muss, zum Plachutta in der Nähe der Staatsoper zu gehen. An einem sonnigen Tag lohnt es sich zwei Eisdielen einen Besuch abzustatten, zum einem Eis Dreissler und zum anderem Veganista (mein persönlicher Favorit im 7. Bezirk).

Durch Wien's optimale geographische Lage ist es nebst der Erkundung der Stadt auf jeden Fall empfehlenswert, auch den umliegenden Ländern wie Tschechien, Ungarn, Slowakei oder Slovenien einen Besuch abzustatten. Beispielsweise Bratislava ist nur eine Stunde mit dem Zug von Wien entfernt und einen Tagestrip wert. Als Erasmusstudent kann man sich bei ESN für Trips anmelden oder man organisiert es selbst. Es lohnt sich auf jeden Fall!