Erfahrungsberichte

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Wer

alisa_schaettin[at]hotmail.com

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

13/14 SS

Universität

BE-LIEGE01
Liège - Université de Liège

Studienfach

Psychologie (7200)

Gesamteindruck

Insgesamt konnte ich von meinem Austausch sprachlich wie auch persönlich sicher profitieren. Liège war nicht meine eigentliche Wahl, hatte sich dann aber so ergeben. Die Stadt selber gefiel mir persönlich nicht besonders, die Arbeitslosigkeit ist ziemlich hoch was sich auf der Strasse auch zeigt. Ich wurde eigentlich ständig auf der Strasse angesprochen und meist nach Geld gefragt. Auch wurden die Austauschstudenten zu Beginn immer wieder davor gewarnt, nach 22 Uhr alleine unterwegs zu sein, da es sehr gefährlich sei. Selber kam ich jedoch (auch alleine nach 22 Uhr) nie in eine brenzlige Situation. Dafür ist Liège aber klein genug, dass man sich in der Stadt immer wieder über den Weg läuft, so dass man sich schnell heimisch fühlt. Auch ist die geographische Lage ideal um diverse Städte in Belgien und den benachbarten Ländern zu besuchen. In nur 2-3 Stunden ist man in Paris, Amsterdam, oder sogar London. Es gab ein breites Studienangebot für meine Fachrichtung (Psychologie) und die Professoren waren sehr zuvorkommend. Auch der Austausch mit anderen internationalen Studierenden war sehr gut und die Universität im allgemeinen ist sehr gut organisiert.

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Vorbereitung

Der administrative Aufwand war relativ gering. Ich habe mich im Vornherein über die Homepage der Universität Liège informiert, auf der viele nützliche Infos für Erasmus-Studierende zu finden sind. Ich musste einen Nachweis über meine Französich-Kentnisse erbringen, dies ging aber relativ einfach über das Sprachenzentrum der Universität Zürich, wo ich den TEF absolvieren konnte.  Auch das Erstellen des Learning Agreements war locker, da meine Koordinatorinnen sowohl an der Universität Zürich wie auch in Liège sehr flexibel waren. 

Ankunft

Ich bin von Zürich mit dem Zug angereist, was ca. 7 Stunden dauerte (inkl. einmal umsteigen). Flüge nach Brüssel sind von Zürich aus in der Regel extem teuer, und über Basel mit easyjet etwa gleich teuer (sofern man mehr als Handgepäck dabei hat) und gleich zeitaufwenig wie die Anreise mit dem Zug. Die Deutsche Bahn fährt z.B. von Köln oder Frankfurt direkt nach Liège-Guillemins (dem Hauptbahnhof).

Zimmersuche
Wohnen

Meine Unterkunft hatte ich mir im Vornherein via Facebook organisiert. Es gibt jeweils mehrer Erasmus-Gruppen, denen man beitreten kann wo auch regelmässig Zimmer ausgeschrieben sind. Da ich gehört hatte, dass das Studentenheim auf Sart-Tilmann sehr abgelegen und veraltet sei, wollte ich eine zentralere Unterkunft. Von Leuten die dann dort gewohnt hatten, wurde mir dies auch bestätigt. Gewohnt habe ich schliesslich in einem Studentenhaus in der Nähe des Bahnhofs, in der Rue Marcel Thiry 40. Man sollte aber wissen, dass der Bahnhof auch nicht im Zentrum von Liège liegt! Ich war dennoch auf Busse angewiesen (zu Fuss dauert die Strecke ins Zentrum ca. 20 Minuten, also durchaus machbar, allerdings ist es keine besonders schöne Strecke). Die Busse fuhren jedoch tagsüber alle 2-3 Minuten vom Place Leman ins Zentrum.

Im Studentenhaus wohnten 21 Personen, grösstenteils ausländische Studenten aus Afrika, aber auch Belgier und andere Erasmus-Studenten. Es gab eine grosse Küche, sowie pro Stock zwei Toiletten und eine Dusche, die man sich zu siebt teilte. Die Stimmung ist Haus war gut, jedoch würde ich dennoch eher abraten, dort zu wohnen. Der Vermieter war äusserst anstrengend, zum ersten wollte er bereits, dass man die Kaution einbezahlt, bevor man den Vertrag erhält. Als ich mich weigerte, dies zu tun, wurde mir einfach ständig ein Termin zur Vertragsunterzeichnung versprochen, der jedoch seitens des Vermieters nie eingehalten wurde. Erst als ich dann auch die Miete nicht zahlte, ging es plötzlich ganz schnell. Auch sonst reagierte er nie auf E-mails, ausser es ging um sein Geld. Die Putzfrau, die dreimal pro Woche kommen sollte, kam nicht immer und arbeitete auch nicht besonders gründlich. Auch warte ich noch immer auf die Rückzahlung meiner Kaution.

Viele Studenten wohnten auch in sogenannten Kots im Stadtzentrum. Diese sind sehr unterschiedlich im Preis und Standard. Die Kosten varieren normalerweise zwischen 300 und 600 Euro, je nach Grösse und Lage der Wohnung. Es gibt ausserdem noch den Meuse-Campus der Uni. Dieser ist zentral gelegen und offenbar auch recht gut eingerichtet (ich war selbst nie dort). Der Campus bietet jedoch Doppelzimmer an, die sehr teuer sind, obwohl man wirklich zu zweit in einem eher kleinen Raum wohnt, ohne Trennwand oder irgendeine Form der Privatsphäre.

 Einige meiner Freunde wohnten auch in Outremeuse, einem alten Viertel von Liège mit hohem Ausländeranteil. Dies wurde von den Einheimischen immer eher mit schockiertem Gesichtsausdruck quittiert, und man wurde davor gewarnt, dort zu wohnen. Dies kann ich aber nicht wirklich nachvollziehen, ich hatte mich dort nie unsicherer gefühlt als in anderen Stadtteilen, im Gegenteil fand ich das Quartier eines der charmantesten.

Universität

Die Universität war sehr gut organisiert. Vor Semesterbeginn gab es eine Informationsveranstaltung für Austauschstudenten, bei dem die Universität, die Organisation und die Erasmus-Koordinatoren vorgestellt wurden. Man konnte ausserdem an einer Stadtführung teilnehmen und bereits erste Kontakte knüpfen. 

Der Erasmusverein ist sehr aktiv und organisiert regelmässig Events, Ausflüge und Parties. An diesen habe ich persönlich eher weniger teilgenommen, da die Ausflüge (z.B. nach Berlin) zeitlich immer sehr kurz waren und die Erasmusparties nicht allzu sehr mein Ding. Es ist aber sicher eine gute Gelegnheit, neue Leute kennenzulernen.

Wie gesagt war das Fächerangebot für Psychologie sehr breit und die Koordinatorin war sehr hilfsbereit. Es gab auch Fachbereiche, die an der Uni Zürich im Psychologiestudium nicht vertreten sind, z.B. Kriminologie. Ich hatte mich zu Beginn für einige Fächer eingetragen, da ich aber kaum Credits brauchte, konnte ich mich auch nacher noch problemlos wieder für die Prüfungen austragen lassen, da ich etwas früher als erwartet zurückgereist bin (aufgrund der Abgabe meiner Masterarbeit).

Von anderen Studenten, welche mehr Prüfungen ablegen mussten, habe ich auch gehört, dass die Dozenten sehr entgegenkommen waren, und man z.B. mündliche Prüfungen teils auch auf Englisch absolvieren durfte.

Leben/Freizeit

Liège ist ein toller Ausgangspunkt für Ausflüge nach Belgien und andere europäische Städte. Innhalb Belgiens kann man bis 25 Jahre einen GoPass lösen, womit man 10 Fahrten zwischen zwei beliebigen belgischen Städten für 50 Euro erhält. Für Ausflüge ins Ausland lohnt es sich, frühzeitig im Internet zu suchen, da es häufig sehr günstige Angebote gibt, die aber begrenzt sind. So kann man z.B. mit dem Nachtbus für nur 9 Euro von Liège nach London reisen, oder für knapp 20 Euro mit dem TGV nach Paris.

In Liège selber empfand ich die kalten Wintermonate zu Beginn als eine etwas undankbare Zeit für Unternehmungen, in der wärmeren Jahreszeit kann man jedoch im Park entspannen und es gibt immer wieder Quartierfeste und gratis Konzerte. Kulturell hat Liège einiges zu bieten, für nur 10 Euro kann man als Student in die Oper gehen (aber unbedingt frühzeitig buchen, es gibt nur wenige Aufführungen eines Stücks und ist meist ausverkauft), und es gibt einige lohnenswerte Museen.

Liège ist eine Studentenstadt und man feiert gerne, im Carré ist abends immer viel los. Das Ausgangviertel traf jetzt nicht so ganz meinen Geschmack, es waren meist Bars mit zu lauter Musik um sich zu unterhalten, aber zu klein um zu tanzen. Dennoch herrscht eine ausgelassene Stimmung.