Erfahrungsberichte

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Wer

salomeirl[at]gmail.com

Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

13/14 WS + SS

Universität

DE-BERLIN01
Berlin - Freie Universität Berlin

Studienfach

Ethnologie (7721)

Gesamteindruck

Wenn ich mich nochmals entscheiden könnte, an dem Erasmusprogramm teilzunehmen, ich würde es sofort wieder tun. Ich würde auch ohne mit der Wimper zu zucken nochmals nach Berlin fahren. Mein Erasmusjahr in vielerlei Hinsicht ein absoluter Erfolg. Ich habe sowohl an der Uni, wie auch auf der Strasse, in der U-Bahn, in den Parks oder an anderen Orten des alltäglichen Lebens viele interessante und nette Menschen getroffen, mit welchen ich hoffentlich auch in Zukunft in Kontakt bleiben werde. Mein Leben in Berlin ist mit meinem Leben in Zürich nicht vergleichbar. Berlin war bunt, chaotisch, pulsierend, jung, kreativ und vieles mehr. Ich liess mich von dieser Energie anstecken. Vor allem im Sommer ist Berlin unvergleichbar schön. Überall gibt es Konzerte und Flohmärkte, Strassenfeste und anderes. Auch die Freie Universität ist in vieler Hinsicht anders als die Universität Zürich. Das Ethnologische Institut war um einiges kleiner und die Infrastruktur nicht sehr ausgebaut. Ich habe unsere Bibliotheken, Arbeitsräume und Seminarräume, die wir hier in Zürich zur Verfügung haben, sehr zu schätzen gelernt. Man merkt jedoch, dass die Student*innen, welche an der FU studieren, wirklich dort sein WOLLEN. Die Seminare lebten von anregenden Diskussionen und oft wurde mehr als nur die Pflichtlektüre gelesen. Die meisten Kurse, die ich besucht habe, waren auf Deutsch. Erst dachte ich, dass es eigentlich etwas langweilig ist, in ein Land zu fahren, dessen Sprache man schon beherrscht. Doch nun kann ich sagen: Tut es! Ich konnte von Anfang an den Diskussionen folgen und mich einbringen. So kam ich auch von Anfang an mit den deutschen Student*innen in Kontakt und fühlte mich sehr schnell zu Hause.

Vorbereitung

Bevor ich nach Berlin fuhr, habe ich mich erst mit meiner Koordinatorin getroffen, um alles bürokratische zu regeln, sprich das Learning Agreement und die Anrechnungsvereinbarung auszufüllen. Wenn man dies vor seiner Abreise tut, erspart man sich wohl sehr viel Ärger, wie ich das aus Erzählungen anderer Erasmusstudent*innen erfahren habe. Dann habe ich eine Wohnung in Berlin gesucht. Das ging in meinem Fall sehr schnell, da ein Bekannter von mir eine Wohnung in Berlin hat und sie mir für ein Jahr zur Verfügung stellte. Ich hatte grosses Glück. In Berlin war zu finden, wird wohl auch immer schwieriger. Man kann auch auf wg-zimmer.de sein Glück versuchen. Oder Bei Couchsurfing. Bei der Wohnungssuche würde ich schauen, dass die Wohnung im Zentrum liegt, bzw. nicht bei der FU. Diese liegt nämlich etwas an der Stadtgrenze und die U-Bahn fährt nur am Wochenende 24h. Also besser zur Uni pendeln. Nun, und dann galt es noch einen Weg zu finden, wie ich am besten mit meinen drei Kartons nach Berlin komme. Ich habe eine Mitfahrgelegenheit gefunden, die auch für meine Kartons noch Platz im Auto hatte. Sonst würde ich MeinFernbus empfehlen. Dort kann man zwei Gepäckstücke gratis mitnehmen und die 13h vergehen erfahrungsgemäss wie im Flug. :)

Ankunft

In Berlin angekommen war mir erst etwas unbehaglich zu Mute. Die Stadt ist doch ziemlich gross und grau. Ich versuchte also alles, um mich schnell zu Hause zu fühlen. Ich kaufte mir ein Fahrrad (auf ebay Kleinanzeigen) und erkundete fortan die Stadt mit dem Rad. Als nächstes suchte ich mir einen Job in einem Café. Vor allem in Friedrichshain und Kreuzberg gibt es viele Cafés, die immer wieder neues Personal suchen. Dann eröffnete ich noch ein Bankkonto und meldete mich auf dem Bezirksamt an. Mit der Aufenthaltsbestätigung in der Hand fuhr ich schlussendlich an die FU, wo ich die Semestergebühr (für das Semesterticket-->gültig für das gesamte U-Bahn Netz) bezahlte und meinen Studentenausweis bekam.

Zimmersuche
Wohnen

Wie ich zu meiner Wohnung gekommen bin, habe ich ja oben bereits geschrieben. Ein günstiges und zentrales WG-Zimmer zu bekommen, wird immer schwieriger, ist jedoch noch lange nicht so schwierig wie in Zürich. Auf wg-zimmer.de gibt es immer wieder Angebote. Aber man könnte bestimmt auch versuchen, über EX-Erasmusstudent*innen Zimmer zu finden. Sucht nicht ein Zimmer in der Nähe der FU, die liegt nämlich etwas ausserhalb und die U-Bahn (wie oben bereits geschrieben) fährt nur am Wochenende 24h. Das Pendeln zur Uni ist nicht so schlimm und lange, wie es zunächst scheint. Ich musste jeden Tag eine Stunde hin und eine Stunde zurück, habe aber immer wieder Lustiges erlebt oder die zeit mit Texte lesen genutzt. In der U-Bahn gibt es immer was zu sehen. :)

Universität

Nun, was kann ich zur Freien Universität Berlin sagen. Der Hauptcampus der FU ist in Dahlem Dorf. Man vergisst beinahe in Berlin zu sein. Die Umgebung ist eher ländlich. Im Sommer bietet es sich an, nach der Uni an die Seen zu fahren, die sehr nahe liegen. Unser Lieblingssee war der Schlachtensee. Als Erasmusstudent*in hat man das Privileg, nicht nur an der Uni zu studieren, in welcher man eingeschrieben ist, sondern man kann Kurse von verschiedenen Unis und Hochschulen besuchen, beispielsweise auch an der Humboldt. Die Student*innen der FU habe ich als akademisch und politisch motiviert wahrgenommen. Die Diskussionen waren sehr lebhaft und es gab auch viele Nebenveranstaltungen. Jedes Institut hat ein kleiner Café, welches selbst betrieben wird. Ich empfehle das Café der Physiker (glaub ich), das ist auf dem Dach der Silberlaube und das Café Kauderwelsch. Die Veggie-Mensa ist meiner Meinung nach um einiges besser und gemütlicher als die kleine Mensa. Wenn man einen Kurs beim Uni-Sport belegen will, dann sollte man sich so schnell wie möglich anmelden, denn die Plätze sind schnell weg. Man kann auch das Sportangebot der anderen Unis in Anspruch nehmen. Meist bezahlt man einen kleinen Beitrag.

Leben/Freizeit

Was soll ich hier noch sagen. Berlin ist klasse. Berlin hat viel zu sehen. Berlin ist aufregend und spannend. Berlin ist aber auch gross, grau, kalt, mies und schert sich eigentlich nicht um dich. Im Sommer hat man in Berlin das Gefühl, dass das Leben wunderschön leicht, einfach und sorglos ist. Es gibt viele Festivals (auch ausserhalb), Märkte, Open-Air Kinos und anderes. Im Winter jedoch hat Berlin eher einen depressiven Charakter. Doch man muss einfach wissen, wie man der Kälte entkommen kann. Z.B. gibt es in den einzelnen Quartieren oftmals günstige Quartiersaunas. Oder man geht in die zahlreichen Museen. In den zahlreichen Cafés und Bars gibt es oft Lesungen und Konzerte (meist kostenlos). Auch das Nachtleben (das aber oftmals erst um 3 Uhr nachts und bis in den Mittag oder länger dauert) gibt so einiges her. :) Im Sommer ist Berlin auf jeden Fall lebendiger als im Winter. Das Leben findet auf der Strasse statt. Das Tempelhoferfeld ist einer meiner Lieblingsorte. Mit Picknick und Späti-Bier ausgerüstet, lässt man sich dort die Sonne auf die Nase scheinen und geniesst die weite. In Berlin kann es einem nicht langweilig werden. Unmöglich. Man muss vielmehr aufpassen, sich bei all den Möglichkeiten nicht zu übernehmen und sich vielleicht doch ab und zu einen Abend zu Hause zu gönnen. :)