Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

13/14 SS

Universität

DE-BERLIN13
Berlin - Humboldt-Universität zu Berlin

Studienfach

Ethnologie (7721)

Gesamteindruck

 Super!

 Allem voran neue Freunde und viel Neues entdeckt!

Berlin hat viel zu bieten und ich habe mich sehr schnell eingelebt. Natürlich auch aufgrund der Sprache, dadurch bin ich nicht als typische Erasmusstudentin aufgefallen und konnte mich sehr schnell integrieren. 

Besonders wichtig war mir neben meinem Studium das alternative, kulturelle Angebot in Berlin zu erkunden. Dadurch konnte ich viele neue Kontakte knüpfen und mir relativ rasch einen Freundeskreis aufbauen. Da ich aber auch schon Leute gekannt habe, kann man dies natürlich nicht mit einem Erasmusaustausch weiter weg vergleichen. 

Mein Erasmusaufenthalt  insgesamt, war eine super Entscheidung. So dass ich tatsächlich gerne verlängert hätte, obwohl ich mir vorher SICHER war, dies nie zu wollen. Meinen Aufenthalt in Berlin habe ich nun deshalb noch verlängert, da ich ein tolles Praktikum gefunden habe. Nun fällt es mir schwer Ende November mein Leben hier zu verlassen. Obwohl ich mich natürlich auch wieder auf Zürich freue. Und ich könnte mir im Moment richtig gut vorstellen, nach meinem Bachelor an der UZH wieder nach Berlin zurück zu kehren....

Vorbereitung

Die Wohnungssuche brauchte Nerven aus Stahl. Ansonsten fand ich die Vorbereitung einfacher und besser organisiert als die Formalitäten, die man während und nach dem Aufenthalt erledigen musste. 

Das Learning Agreement war in Zürich einfach zu organisieren. Da aber das Semester in Berlin aber viel später beginnt, waren in der Zwischenzeit bis zu meinem Studienbeginn nochmals neue Kurse hinzugekommen. Deshalb habe ich dann vor Ort mein Learning Agreement nochmals verändert. Dies war aber auch unproblematisch.

 Ansonsten habe ich in Zürich nicht allzu viele Vorbereitungen getroffen.Eine Berlin-Karte gekauft, mich von den Leuten in Zürich verabschiedet und gepackt.

Für die Wohnungssuche bin ich vorher für ein Wochenende nach Berlin gereist, um eine WG anschauen zu können. Im Nachhinein wäre  dies aber vermutlich nicht nötig gewesen, da viele Leute auch per Skype ZwischenmieterInnen aussuchen.

Ich denke, es ist wichtig, sich im Vorhinein mit den verschiedenen Vierteln der Stadt auseinander zu setzten, so dass man weiß wohin man ungefähr möchte und wie weit die Wohnmöglichkeit von der Uni und kulturellen Angeboten entfernt ist. So hatte ich mich dazu entschieden, eine WG in Neukölln zu suchen.

Ankunft

War schön. Eines Morgens aus dem Nachtzug, in Berlin Neukölln scheint die Sonne. Richtig schnell eingelebt. In den ersten Tagen stand einiges an Bürokratie an (Anmeldung Wohnort, Immatrikulation etc), aber das verlief problemlos.

Auch der Beginn an der Uni war leicht. Liegt wie alles an der selben Sprache.

Ich bin zwei Wochen vor Uni Start  nach Berlin gezogen. Im Nachhinein wäre es auch schön gewesen, schon früher her zukommen. (Da das Semester erst Mitte April angefangen hat, hatte ich von Dezember bis April Semesterferien) Aber zwei Wochen reichten auch gut aus, um mich an der Uni anzumelden, beim Bürgeramt und bei der Krankenversicherung. Und um zudem schon mal ein bisschen um die Häuser zu ziehen und die neue Stadt kennen zu lernen. 

Ich habe außerdem  für die Anmeldung an der Uni ein bisschen mehr Zeit eingerechnet, um schon mal ein bisschen auf dem Campus umher zu laufen und alles anzuschauen. 

Zimmersuche
Wohnen

Die Wohnungssuche brauchte ziemlich Nerven. Es war aber auch kein Problem etwas zur Zwischenmiete zu finden, sondern war eher einfach Zeit aufwendig. Ich habe zuerst eine 2 Zimmer Wohnung mit einer Freundin von mir gesucht. Leider sind wir hierbei an einen sehr inkompetenten Vermieter geraten, was uns die Wohnungssuche massiv schwerer gemacht hat. Wir hatten im November angefangen, Wohnungsinserate anzuschreiben.Dies war für Berlin viel viel zu früh. Die meisten Leute suchen hier - insbesondere zur Zwischenmiete - vielleicht ein oder zwei Monate im Voraus ein Zimmer. 

Wichtig war uns eine möblierte Wohnung zu haben - da wir ja nicht so viele Haushaltsgegenstände mitnehmen wollten. Außerdem bringen in Deutschland neue MieterInnen ihre eigene Küche mit - von daher würde es sich überhaupt nicht lohnen in eine nicht möblierte Wohnung zu ziehen. Wir haben sehr viele Inserate angeschrieben und hatten dann eine relativ große Auswahl an Wohnungen, unter denen wir eine auswählen konnten. Bezahlt haben wir für unsere 2 Zimmerwohnung in Neukölln am Kanal 680 Euro (je 340 pro Person), es war eine Genossenschaftswohnung.

Anfang August bin ich dann nochmals umgezogen (da ich mich ja entschlossen hatte, für mein Praktikum länger in Berlin zu bleiben, die Wohnung aber bis Mitte August befristet war). Ich habe eine schöne, liebe WG gefunden - auch in Neukölln. Hier bezahle ich aber auch 380 Euro, was schon eher viel ist für Studenten. Günstiger hätte ich beispielsweise im Wedding wohnen können, da aber meine Freunde alle in Neukölln, Kreuzberg wohnen, blieb ich lieber in der Nähe von da wo ich schon vorher war.

Generell denke ich aber, wenn man nur für ein Austauschsemester herkommt, lohnt es sich im Voraus eine Wohnung für die komplette Zeit zu suchen. Wohnungssuche plus einen Umzug innerhalb der drei oder vier Monate wäre schon ziemlich anstrengend, besonders während der ersten Wochen.

Universität

 Ich habe mich an der Humboldt Universität zu Berlin sehr schnell eingelebt. Das Studienangebot war sehr interessant und die Atmosphäre lehrreich.

Die HU ist freier im Umgang mit den Studierenden. Es gibt zwar ein elektronisches Buchungssystem für die Kurse, dieses ist aber nicht verbindlich. Sondern entscheidend sind nach wie vor die Scheine, die am Ende des Semesters von den Dozierenden unterschrieben werden. In Ethnologie gibt es auch keine begrenzte Anzahl TeilnehmerInnen für die Kurse, so sind am Anfang des Semesters die Seminarräume ziemlich überfüllt, dies normalisiert sich aber rasch nach den ersten paar Wochen. 

Die meisten Studierenden sitzen anfangs in alle möglichen Kurse hinein und entscheiden dann, welche sie definitiv besuchen möchten. Die Dozierenden waren gegenüber den Erasmusstudenten sehr aufgeschlossen, ich konnte sehr gut mit Ihnen individuelle Absprachen treffen. So konnte ich beispielsweise zusätzliche schriftliche Arbeiten liefern und damit ich für das Seminar so viele Punkte erhalte, wie ich dafür an der UZH bekommen hätte. Dies wäre auch umgekehrt möglich gewesen. Ich denke, dies hängt insbesondere damit zusammen, dass hier die Studierenden generell viel mehr Wahlmöglichkeiten haben. Für die Teilnahme an einem Seminar muss man zwar gewisse Leistungsnachweise erfüllen (Referat,...), die Studierenden können aber wählen, ob sie zusätzlich für mehr Punkte noch eine Prüfung ablegen möchten. Auch bei den Hausarbeiten können die Studierenden wählen, in welchem Seminar sie diese machen möchten.

Ausserdem steht während der Lektion die Tür des Seminarraums immer offen, so dass die Studierenden jederzeit auf die Toilette gehen können. Oder sich manchmal auch eine Kaffee holen. Insgesamt ist die Unterrichtsstruktur weniger hierarchisch.  

Leben/Freizeit

Wie bereits erwähnt: Es ist schön neue Leute kennen zu lernen und neue Orte zu entdecken. Das alternative Berlin hat mehr zu bieten als die Simon-Dach-Strasse...

Besonders durch den lokalen Bewegungsmelder habe ich sehr viel kulturelle und politische Veranstaltungen gesucht. Und dadurch viele Leute kennen gelernt. Ich denke, es ist wichtig, dass man weiß, was einen persönlich interessiert und was man in der neuen Stadt kennen lernen möchte. Natürlich bin ich auch anders an Neues herangegangen und wenn mich jemand zu etwas spontan eingeladen hat, bin ich einfach mal hingegangen...

So habe ich hier an verschiedenen politischen Projekten mitgewirkt. Zahlreiche Informationsveranstaltungen und Demonstrationen besucht. Habe ein alternatives Yoga gemacht und in einer Polit-Theater Gruppe mitgespielt. Ein Abo in einem Fittness-Studio gemacht (weil das hier nur 20 Euro pro Monat kostet). Und  natürlich viele Kneipenabende und Partynächte - wie das halt so geht..und dann am nächsten Morgen, habe ich es natürlich genossen, dass man sich es auch mal leisten kann, auswärts vegan zu brunchen. 

Was ich als erstes gemacht habe, um mich schnell ein zu leben: Ich habe mir ein Stammkafi gesucht, eine super nette Kollektivbeiz, da konnte ich für die Uni lesen, Texte schreiben, Kaffe trinken und die Zeit geniessen...