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Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

08/09 SS

Universität

SE-LUND01
Lund - Lund University

Studienfach

Mathematik (8160)

Gesamteindruck

Rückblickend empfinde ich meinen Aufenthalt hier in Schweden als eine sehr bereichernde Erfahrung. Für das Studium hat es mir aus anrechnungstechnischen Gründen zwar praktisch gar nichts gebracht (und das wenige, das es mir gebracht hat nur dank der Kulanz der Verantwortlichen im IPZ) allerdings war es eine wunderbare Gelegenheit in einer fremden aber freundlichen Situation sich zurechtfinden zu müssen. (Wo kaufe ich ein? Was unternehme ich in der Freizeit? Wo finde ich dieses Formular? etc) Es zeigt einem zudem auf, wie toll zwischenmenschliche Beziehungen sind und lehrt einem einiges über die eigene Kultur indem sie andere Einstellungen und Werthaltungen kontrastiert. Was das Fachliche anbelangt war ich weniger als begeistert, aber das liegt (hoffentlich) daran, dass die Kurse hier anders abgehalten wurden. Gelernt habe ich zwar vieles und das meiste davon in den Kursen die mir auch für das politikwissenschaftliche Nebenfach angerechnet wurden, aber es war insgesamt weniger anstrengend als in Zürich.

Ich habe über meine Zeit hier einen Blog verfasst: lundnews.wordpress.com 

Ich empfehle aber jedem und jeder, die ein Austauschsemester plant entweder eine Studienverlängerung in Kauf zu nehmen, viel vorzuarbeiten oder an eine Uni zu gehen wo genügend anerkannt wird (resp die Fächer so zu wählen, dass nur noch Punkte in dem Fach fehlen, wo die zuständige Stelle kooperativ ist, zum Beispiel frau Gianesi im Institut für Mathematik oder Frau Schild im IPZ. Grosse Fakultäten sind tendenziell schlechter und die Wirtschaftsfakultät erlaubt es nicht einmal, im Ausland Punkte für das Nebenfach zu sammeln) Vorher informieren!

Vorbereitung

Ich war wohl etwas übervorbereitet. Da die Anmeldefrist der UZH so früh im Jahr ist steht man überall zuoberst auf den Wartelisten was ein Anfangsvorteil ist. Ansonsten brauch man eigentlich nur eine Wohnung und viel Neugierde, da sich hier alles von selbst gibt. Das mühsamste war noch das Vorverlegen der Prüfungen, wo möglich (Hier ist das Mathematische Institut Klasse, die Philosophische Fakultät hingegen sehr stur) Es empfiehlt sich, mindestens 2 Semester schon Schwedisch gehabt zu haben und fleissig Podcasts zu hören, damit man sich von vornherein schon mit den Leuten unterhalten kann. Alles andere macht es schwer, mit Einheimischen in Kontakt zu treten. Es gibt auch genügend Austauschstudenten, aber mir war es wichtig, mit den nicht-austausch-Studenten ins Gespräch zu kommen.

Ankunft

Aufgrund der Sturheit der Philosophischen Fakultät habe ich leider den offiziellen Arrival Day und das Swedish language and orientation Programme verpasst. Alle, die teilgenommen haben empfanden beides als sehr bereichernd und es wird generell als die Zeit empfunden, wo die Kontakte geknüpft werden, die einem über das Semester erhalten bleiben. Für mich lief alles ohne Probleme ab, unbekannte Leute halfen mir ungefragt (und unnützerweise) mit meinem Gepäck geholfen, die Wohnung stand bereit und war besser eingerichtet als der Mietvertrag vermuten liess. Anfangs gab es noch einige Verwirrung mit der Eintragung zu den Fächern, da gewisse Unterschriften notwendig waren, die dann aber doch wieder nicht zwingend waren. Es empfiehlt sich über social networking Seiten im Internet zum Voraus Kontakte zu knüpfen. So hat mir ein netter Engländer die guten Einkaufsmöglichkeiten und die Stadt gezeigt, was ich gerade zu Beginn als sehr hilfreich empfand.

Zimmersuche
Wohnen

Die Zimmersuche erledigte sich dank IHO und da die UZH die Studenten recht früh anmeldet ist auch die Warteschlaufe nicht wirklich problematisch. Man kann prinzipiell wählen in ein Studentenwohnheim zu gehen oder in eine Familie. Ich bin in Vildanden, einem Studentenwohnheim im Westen der Stadt. Nicht am Puls des Lebens wie Sparta oder Delphi (welches zwar auch ziemlich weit draussen ist, aber gross genug um selber das Leben zu unterhalten) aber ruhig und ziemlich schwedisch.

 Es ist ein Korridor mit 15 Leuten, gemeinsamer dreckiger Küche (wo man das Geschirr manchmal auch vor dem Gebrauch spülen muss, woran man sich aber gewöhnt) und eigenen Duschen/WCs was kollisionsfreies Benutzen und den Hygienestandard, den man gerne hätte, erlaubt. Es ist ein schwedischer Korridor (für mich ein Muss: gratis-Kontakte zu den sonst eher verschlossenen Schweden) der zwar nicht ganz so viele Parties hat wie die internationalen, aber dafür ruhiger ist und immer noch lustige Beschäftigungen bereit hält wie Wettkochen, Tischtennis auf zwei Küchentischen und Korkunterlagen als Schläger etc. Das Zimmer ist sehr gross und fast alle Gestelle und Schränke sind fast leer. Ausserdem ist es subventioniert: ich bezahle weniger als meine schwedischen Kollegen.

Universität

Die Universität ist ziemlich toll. Sie hat über die ganze Stadt ihre Gebäude verteilt und jedes Institut hat sein eigenes Häuschen irgendwo. (Auf google maps die dunkler eingefärbte Region) Obwohl die Stadt rund 80 000 Einwohner hat (wovon 24 000 Studenten) wirkt sie im Wesentlichen wie ein Dorf. Es ist wunderbar gemütlich und angenehm. Das Studieren findet mehr zu Hause statt, als ich mir das gewohnt war. Ich habe derzeit jeden Tag nur 2 Präsenzstunden dafür aber ziemlich viel zu lesen. Der Unterricht findet in recht kleinen Klassen statt und ist in der Regel viel interaktiver als an der UZH. Seminare gehören standardmässig dazu und auch während dem Unterricht ist aktive Partizipation ausdrücklich erwünscht und findet statt. In schwedischen Klassen noch mehr als unter den Austauschstudenten. Die für mich interessanten (Mathematik-) Vorlesungen wurden leider nur in schwedisch angeboten(und diejenigen die es in Englisch gab habe ich schon in Zürich besucht) und ich konnte noch eine Spur zu wenig gut Schwedisch, als dass ich mitgekommen wäre. Nach zwei Semestern Schwedischkurs, vielleicht einem Tandem und viel Klartext (P4 Radiopodcast, findet man auf google) sollte es aber kein Problem sein. Obwohl im Sprachenzentrum nicht allzu viele Schwedish-tandems angeboten werden hat es viele Schweden in Zürich. Wenn man sich darum bemüht sollte es also gehen. Über die Kurse gibt es wenig zu sagen, da - wie überall - die Qualität sehr vom Professor resp, den Dozenten abhängt. Organisatorisch ist die Universität vergleichbar mit der UZH, auch wenn die Institute noch etwas freier sind und mir gegenüber die Fakultäten kaum in Erscheinung getreten sind. Woran man sich sicher gewöhnen muss sind die verschiedenen Krähen die permanent von sich hören lassen und die damit verbundene Absenz von Frühlingssingvögeln - Zumindest vor dem SOL.

Wichtige Infos finden sich auf der Uniseite www.lu.se 

Leben/Freizeit

Freizeit war für mich hier ein *sehr* grosses Thema. Da ich für meinen Bachelor nur noch 8 ECTS benötige habe ich nicht allzu viele Kurse belegen müssen. (trotzdem 37.5, aber hier wirkt das wesentlich einfacher als in Zürich) Es gibt kein Pendant zum ASVZ. Die Gerdahallen (Grosse Sporthalle mit Studentenpreisen) vermochten mich nicht vollends zu überzeugen und die Schwimmhallen sind erstens klein und zweitens teurer als in der Schweiz, dafür aber immer mit Sauna inklusive.

Es lohnt es sich sicherlich, sich in den Nationen zu engagieren (lockere und offene Studentenverbindungen, in einen derer man Mitglied sein muss, da sie die Legi ausstellen), was ausserdem noch ein perfekter Ort ist, Leute kennen zu lernen. Vieles des Angebotenen hat mit Essen zu tun, aber es gibt z.B. auch Satiretheater (Spex) oder z.T. sehr gute Chöre. Ansonsten kann man viele Tagesausflüge durch Skåne oder weitere Trips (Småland, Kiruna oder Stockholm sind zu empfehlen) machen oder auch einfach nur nach Lomma radeln. (Fahrrad ist sowieso ein muss!) Auch für die Freizeitbeschäftigung sind Tandems toll. Die eine Schwedin hat mich etwas mitgenommen, auch zu ihr nach Hause zu ihren Eltern (seltene Ehre bei Schweden) und so sieht man doch gerade noch mal tiefer in die Kultur hier rein. Ansonsten kann man sich auch ans Turistenbüro, Korridorkameraden oder andere Austauschstudenten halten, die einem gerne weiterhelfen.