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Die Kathedrale Notre Dame d\'Amiens

Erfahrungsberichte

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Typus/Richtung

Erasmus - OUT

Jahr

06/07 WS + SS

Universität

FR-AMIENS01
Amiens - Université de Picardie Amiens

Studienfach

Kunstgeschichte (7640)

Gesamteindruck

Alles in allem hat mir dieses Jahr in Frankreich sehr viel an Erfahrungen gebracht und ich kann es jedem nur empfehlen, für eine Zeit ins Ausland zu gehen. Zwischen Zwischenprüfung und Abschluss ist eigentlich der ideale Zeitpunkt, da man sich die Freiheit nehmen kann, Sachen auszuprobieren, die man in seiner Heimatuni nicht unbedingt machen würde. Mich hat der Aufenthalt vor allem persönlich weitergebracht- man ist mit so vielen Dingen konfrontiert, die zuhause selbstverständlich funktionieren und es werden einem die kulturellen Unterschiede im Kleinen wie im Großen bewusster. In Bezug auf mein Studium hat mir der Erasmus Aufenthalt vor allem das Reisen etwas gebracht. Das hängt allerdings mit meinem Studienfach zusammen, denn ich habe im Hauptfach Kunstgeschichte und konnte in Amiens sehr von der Nähe zu Paris (1 Stunde mit der Bahn) sowie zu vielen Kathedralen und anderen spannenden Städten im Norden profitieren. Auch landschaftlich hat mir die Picardie gefallen und so wurde es auch nach 9 Monaten nicht langweilig.

Vorbereitung

Meine Vorbereitung hat sich im Prinzip auf einen Französisch Sprachkurs an der ETHZ, die Wohnungssuche im Internet und die Kontaktaufnahme und Anmeldung bei der Direction des Affaires Internationales reduziert. Zwar hatte ich im Vorfeld immer wieder das gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben, aber als ich dann einfach losgefahren bin und dort war, habe ich festgestellt, dass erstens sowieso alles etwas anders ist als ich gedacht hatte und sich zweitens alle ungeklärten Fragen vor Ort beantworten lassen. Natürlich ist es immer empfehlenswert, die Unterkunft vorab zu klären, um den Stress zu Beginn zu vermeiden. Aber Kontoeröffnung, Bahnkartenkauf oder Handyvertrag lassen sich bestens in den ersten Tagen ohne Vorbereitung regeln. Wer allerdings Studienauflagen erfüllen muss, ein Learning Agreement abschließen oder andere fachlichen Anforderungen hat, sollte sich natürlich rechtzeitig informieren.

Ankunft

Meine Ankunft war insofern sehr angenehm, als ich eine nette Mitbewohnerin gefunden hatte, die mich gern mit dem Auto abholte und ins neue Zuhause brachte. An der Universität verlief es leider viel chaotischer und es gab mehrere Wochen Leerlauf zu Beginn, weil es organisatorische Probleme gab. Glücklicherweise bin ich noch in einen vorbereitenden Sprachintensivkurs geraten, der mir einen guten Einstieg in Hinsicht auf die Sprache und erste Kontakte geboten hat. Es ist sehr eruhigend, zu Beginn andere Erasmusstudenten kennen zu lernen, die dieselben Probleme, Fragen und Unsicherheiten haben. An der Direction wurde einem allerdings auch immer weitergeholfen. Das administrative Chaos wurde dort auf die Streiks des letzten Jahres zurückgeführt, die etliche Prüfungstermine und Semesterdaten verzögert haben. Persönlich habe ich mich aber immer gut aufgehoben gefühlt.

Zimmersuche
Wohnen

Bei der Zimmersuche habe ich mir einen recht großen Aufwand gemacht, weil ich nicht in einem der Residences, der Wohnheime, wohnen wollte. Darüber war ich auch immer wieder erleichtert, da man französische Wohnheime nicht annäherndmit Schweizer Studentenhäusern vergleichen kann. Es gibt endlos viele bürokratische Regeln und Einschränkungen, die Hygiene lässt zu wünschen übrig, es gibt nicht überall Internet und manche Wohnheime liegen am Rande der Stadt auf dem Campus, sodass man sehr sbgeschnitten ist. Ausserdem sind die Zimmer sehr klein (9qm incl. Nasszelle) und gerade im Winter fehlen einem die Ausweichmöglichkeiten, da es praktisch keine Gemeinschaftsräume gibt (in die Küche darf man nur auf Anfrage und den Schlüssel erhält man gegen Tausch seines Zimmerschlüssels). Wer also gern ein bisschen mehr reiheit hat, dem kann ich die Internetseite www.appartager.com empfehlen. Hier kann man Anzeigen von Zimmerangeboten lesen und für eine geringe Gebühr eine eigene Anzeige aufgeben. So habe ich schließlich auch ein sehr schcönes Zuhause gefunden. Natürlich ist es etwas teurer, privat unterzukommen, aber wer einen regulären Mietvertrag bekommt, kann bei der Caisse d'Allocation familiale (CAF) Wohngeld beantragen und erhält einen Teil der Miete zurück. 

Universität

Die Universität ist nach den einzelnen Fakultäten aufgeteilt, die auf dem Campus und in der Stadt verteilt sind. So hat man meist nichts mit Studenten anderer Fachrichtungen zu tun. Die Fac des Arts ist wie eine eigene Schule und liegt im selben Gebäude wie die École Supérieure des Arts Decoratifs (ESAD). Der Betrieb ist dadurch sehr persönlich und intim, man kennt die meisten Profs und die Sekretärinnen, die sich sehr freundlich kümmern, ; besonders um Erasmusstudenten, die sich noch nicht gut auskennen. Der Unterricht verläuft leider ebenso schulisch und frontal. Es entstehen kaum Gespräche und Diskussionen und man bekommt den Eindruck, die Studenten lernen den referierten Stoff auswendig für die Examen am Ende des Semesters. Mengenmässig wird auch sehr viel verlangt, dafür leidet meiner Meinung nach der Eigenanteil, das selbstständige Arbeiten, der Freiraum für individuelle Interessen und das Aufstellen eigener Thesen. Es wird grösstenteils reproduziert, was in den Vorlesungen präsentiert wird. Ich habe daher für mich beschossen, lieber öfter ins Museum zu gehen und Exkursionen zu machen, anstatt nur Vorlesungen anzuhören. Mir hat das Belegen der Kurse dennoch sehr viel gebracht, da die Stunden sehr strukturiert organisiert und der Inhalt verständlich und straff vorgetragen wurde. Ausserdem konnte ich einige praktische Kurse belegen, sodass ich auch mal die andere Seite beleuchten und selber machen konnte. Die Lehrer im Fach Arts plastiques sind selbst Künstler und üben sinnvolle und konstruktive Kritik.

Leben/Freizeit

Amiens, Hauptstadt der Picardie, ist seit einigen Stadt eine eingetragene Kulturstadt mit dem Beinamen Métropole und muss daher ein reiches Kulturangebot liefern. Das hat einen Aufschwung gebracht, sodass es nun mehrere Theater, Kinos (auch Programmkinos), fast täglich Konzerte (klassische Musik im Konservatorium genauso wie spontane Rockkonzerte in Bars), immer wieder verschiedene Festivals (Film, Mittelalter, Lichterspektakel...) und für Studenten ein besonders vielfältiges Angebot gibt. Durch das Erasmusnetzwerk muss man nie allein sein- es gibt also immer Leute, mit denen man etwas unternehmen kann wenn man es noch nicht geschafft hat, Franzosen kennen zu lernen.  Amiens ist eine lebendige Studentenstadt und hat kulturell viel mehr als nur die schönste und größte Kathedrale der Welt zu bieten...;-) Ich kann es deshalb wirklich weiterepfehlen. Obwohl ich vorher dachte, dass es sicher noch toller gewesen wäre nach Paris zu gehen, bin ich froh, zwar in der Nähe gewesen zu sein, aber für den Alltag die gemütliche Alternative gehabt zu haben. In einer Großstadt geht man vermutlich leichter unter und in einer Stadt wie Amiens kann man sich richtig zuause fühlen!